Menschen stehen kurz nach der Fahrzeugattacke vor dem Lokal "Kiepenkerl". | Bildquelle: dpa

Attacke in Münster Was bislang bekannt ist

Stand: 08.04.2018 11:23 Uhr

Der Fahrer des Kleinbusses, der in Münster in eine Menschenmenge raste, war ein 48-jähriger Deutscher. Die Frage nach seinem Motiv steht im Zentrum der Ermittlungen. Die Faktenlage im Überblick.

Was ist passiert?

Am Samstagnachmittag fuhr um 15.27 Uhr ein Campingbus in der Innenstadt von Münster in eine Menschengruppe. Die Opfer saßen vor der historischen Gaststätte beim "Großen Kiepenkerl". Zwei Menschen wurden dabei getötet und mehr als 20 zum Teil schwer verletzt. Nachdem das Fahrzeug zum Stehen gekommen war, erschoss sich der Fahrer selbst. Zeugenaussagen, denen zufolge ein oder zwei weitere Beteiligte aus dem Kleinbus gesprungen und in der Menschenmenge untergetaucht sein sollten, konnte die Polizei nicht bestätigen.

Wer sind die Opfer?

Der Polizei zufolge handelt es sich bei den Toten um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und um einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schweben laut Münster Uniklinikum noch in Lebensgefahr, zwei Patienten sind schwer verletzt.

Was weiß man über den Täter?

Bei dem Fahrer des Campingbusses handelt es sich nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft um einen 48-jährigen Deutschen, der in Münster wohnte. Medienberichten zufolge stammt er aus dem Sauerland. Der Wagen soll auf ihn zugelassen gewesen sein. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" war der Mann in der Vergangenheit bereits psychisch auffällig gewesen. Zudem sei er der Polizei als Kleinkrimineller bekannt, berichtete ARD-Korrespondentin Marion Schmickler.

Wurden bei dem Verdächtigen Waffen gefunden?

Ja. Neben der Tatwaffe, mit der er sich nach der Fahrt erschoss, entdeckten die Ermittler in den Fahrzeug auch eine Schreckschusswaffe und etwa ein Dutzend Polenböller. Dagegen bestätigten sich die anfänglichen Befürchtungen nicht, dass auch Sprengsätze in dem Campingbus seien könnten. Mehrere Drähte, die zum Teil in nicht einsehbare Teile des Fahrzeuginneren führten, machten eine aufwändige Untersuchung notwendig, ehe die Ermittler Entwarnung geben und das Innere des Kleinbusses untersuchen konnten.

Das Auto, mit dem ein Mann in Münster in eine Menschenmenge raste | Bildquelle: dpa
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In dem Auto fanden die Ermittler mehrere Böller.

Am Abend wurde zudem die Wohnung des Mannes durchsucht, die sich in der Nähe des Tatorts befinden soll. Beamte öffneten die Tür mit einer Sprengung und stießen in den Räumen auf weitere Polenböller und eine Dekowaffe. Dabei handelt es sich nach Polizeiangaben um eine unbrauchbar gemachte Maschinenpistole des Typs AK 47.

Was ist über das Motiv des mutmaßlichen Täters bekannt?

"Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt", erklärte der zuständige Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul "spricht im Moment aber nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt". Zu Berichten über angebliche Kontakte des Täters in die rechtsextreme Szene wollte sich eine Polizeisprecherin vor Ort mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Inzwischen geht die Polizei von einem Einzeltäter aus. Sie war zunächst Zeugenaussagen nachgegangen, wonach noch zwei Menschen aus dem Auto gesprungen und geflüchtet sein sollten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. April 2018 um 23:15 Uhr.

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