Von der Polizei begleitete Teilnehmer der Demonstration "Pegida schützt" laufen in Köln zum Hauptbahnhof | Bildquelle: dpa

Nach Übergriffen in Köln Muslime beklagen "neue Dimension des Hasses"

Stand: 11.01.2016 11:40 Uhr

Der Zentralrat der Muslime hat zunehmende Hetze, Islamfeindlichkeit und Drohungen seit den Übergriffen an Silvester in Köln verzeichnet. In der Kölner Innenstadt waren am Sonntag mehrere Ausländer von Unbekannten angegriffen und verletzt worden.

Der Zentralrat der Muslime beklagt zunehmende Hetze und Islamfeindlichkeit in Deutschland: "Wir erleben eine neue Dimension des Hasses", sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

In Köln hatte es am Wochenende Angriffe auf Ausländer gegeben - vermutlich als Reaktion auf die Übergriffe mutmaßlich ausländischer Täter in der Silvesternacht.

Seit Jahresbeginn habe die Zahl der Anfeindungen und Drohungen gegen den Verband zugenommen, so Mazyek. Allein am vergangenen Donnerstag seien es so massiv mehr geworden, dass man inzwischen die Telefonanlage habe abstellen müssen. Dazu gebe es Hetze im Internet: "Der braune Mob tobt in den sozialen Medien, sieht seine Vorurteile bestätigt und endlich die Chance, seinen Hass auf Muslime, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende freien Lauf zu lassen", sagte Mazyek.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland: "Der braune Mob tobt in den sozialen Medien." | Bildquelle: dpa
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Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland: "Der braune Mob tobt in den sozialen Medien."

Verband will mit Besonnenheit reagieren

Rassistische und antimuslimische Haltungen nähmen seit einer ganzen Weile zu. Ereignisse wie in Köln fachten die Islamfeindlichkeit weiter an, weil Muslime dann unter Generalverdacht gestellt würden. Sein Verband wolle den zunehmenden Ressentiments mit Aufklärung und Besonnenheit entgegentreten. Im Islam sei es eine große Sünde, Frauen zu belästigen oder gar zu vergewaltigen.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte davor gewarnt, Muslime zum Feindbild zu erklären: "Die freiheitlichen Gesellschaften in ihrem Innern zu spalten, sie gegen Muslime aufzubringen und Angst zu verbreiten, das sind die Ziele der Täter."

Personengruppen, die gezielt Provokationen suchten

Am Sonntagabend hatten in Köln Gruppen von Gewalttätern Menschen mit pakistanischer und syrischer Staatsangehörigkeit angegriffen. Nach Angaben der Polizei ging eine Gruppe von etwa 20 Menschen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf sechs Pakistaner los. Zwei der Pakistaner mussten mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Wenig später hätten fünf Täter in derselben Straße einen 39-Jährigen mit syrischer Staatsangehörigkeit angegriffen und leicht verletzt. Die Polizei sagte, sie habe "Hinweise auf Personengruppen erhalten, die gezielt Provokationen suchen würden". Daraufhin habe man die Polizeikräfte in der Innenstadt verstärkt.

Hooligans warfen Flaschen, Knallkörper und Steine

Am Samstag hatte die Polizei in Köln nach Ausschreitungen eine Demonstration von Rechtsextremisten und Pegida-Anhängern aufgelöst. Unter den Teilnehmern waren nach Polizeiangaben vor allem Hooligans. Sie hatten Flaschen, Knallkörper und Steine auf Polizisten, Passanten und Medienvertreter geworfen.

In der Silvesternacht hatten Gruppen junger Männer, offenbar vor allem aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum, vor dem Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell bedrängt und bestohlen.

Gewalt gegen Ausländer am Abend in Köln
L. Krupp, DLF
11.01.2016 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2016 um 12:30 Uhr.

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