Hauptbahnhof Köln | Bildquelle: dpa

Krisentreffen von Polizei und Stadt in Köln Mehr Prävention, mehr Polizeipräsenz

Stand: 05.01.2016 16:21 Uhr

Wie kann man Vorfälle wie in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof künftig verhindern? Darüber haben Vertreter der Polizei und der Stadt beraten. Sie setzen auf eine Mischung aus Prävention, Polizeipräsenz und Videoüberwachung. Besonders im Blick dabei: der Karneval.

Vertreter der Polizei und der Stadt Köln haben über Konsequenzen aus der Serie von Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht beraten. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte unmittelbar im Anschluss an das Krisentreffen, neben der Strafverfolgung der Täter sei nun vor allem wichtig, solche Vorfälle bei Massenveranstaltungen künftig zu verhindern.

Karneval besser erklären

Die Stadt Köln werde auf Prävention setzen - gerade auch mit Blick auf Karneval. Dazu gehöre, besonders junge Frauen als potenzielle Opfer von Straftaten über mögliche Gefahren aufzuklären. Dazu gehöre aber auch, Menschen aus anderen Kulturkreisen besser zu erklären, was Karneval bedeute. "Damit hier nicht verwechselt wird, was ein fröhliches Verhalten ist und was mit einer Offenherzigkeit, insbesondere mit einer sexuellen Offenherzigkeit, überhaupt nichts zu tun hat."

Auf einer Pressekonferenz betonte sie wenig später: "Wir haben heute Morgen gemeinsam Maßnahmen entwickelt, die dazu führen sollen, dass es solche Vorfälle hier nie wieder gibt. Das ist uns ganz, ganz wichtig. Ebenso wichtig ist uns aber auch, dass wir uns das Karneval-Feiern in Köln nicht nehmen lassen durch solche Vorfälle."

Henriette Reker, Oberbürgermeisterin Köln, Wolfgang Albers, Polizeipräsident, zur Lage in Köln
ARD-Aktuell, 05.01.2016

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Polizeipräsenz - offen wie verdeckt

Mit der Polizei seien konkrete Maßnahmen verabredet worden. Als Beispiele nannte Reker, dass die Stadt Köln künftig auch für Großveranstaltungen, bei denen es keinen Veranstalter gebe, Sicherheitskonzepte erstellen werde. Die Stadt selbst werde in solchen Fällen "fiktiver Veranstalter" sein.

Polizeipräsident Wolfgang Albers sagte unmittelbar nach dem Krisentreffen, die Präsenz der Polizei werde bei Großveranstaltungen künftig verstärkt - offen wie verdeckt. Zudem solle es verstärkt eine Videobeobachtung geben. Die Einsatzkräfte müssten sehr früh erkennen können, "wo es zu solchen brisanten Lagen kommen kann, um dann auch sofort einschreiten zu können".

In der Silvesternacht hatten sich nach bisherigen Ermittlungen etwa 1000 Männer auf dem Platz vor dem Kölner Hauptbahnhof versammelt. Aus dieser großen Menschenmenge heraus sollen sich kleine Gruppen von mehreren Männern gebildet haben, die gezielt Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt haben. Ähnliche Vorfälle gab es auch in Hamburg und Stuttgart, allerdings nicht so massiv wie in Köln.

Krisensitzung zur Silvesternacht in Köln
tagesschau 16:15 Uhr, 05.01.2016, Jens Eberl, WDR

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"Wir haben bisher noch keinen Tatverdächtigen"

In der Pressekonferenz präzisierte Albers die in Köln geplanten Maßnahmen noch etwas. Es werde auch geprüft, ob Personen, die bereits mehrfach durch Taschendiebstahl aufgefallen seien, für einen bestimmten Zeitraum das Betreten bestimmter Orte in Köln untersagt werden könne.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Wolfgang Albers | Bildquelle: dpa
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Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Auf die Frage einer Journalistin, wie man verhindern wolle, dass solche Vorfälle dazu führen, dass gegen Flüchtlinge Stimmung gemacht werde, sagte der Polizeipräsident: "Wir haben bisher noch keinen Tatverdächtigen, wir wissen also auch noch nicht, wer die Täter sind." Was man derzeit "an Erkenntnislagen" habe sei, dass die Polizeibeamten vor Ort wahrgenommen hätten, dass es sich überwiegend um junge Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren gehandelt habe, die aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum stammen könnten. Dieses stimme überein mit den Erklärungen der Opfer. "Auch die beschreiben die potenziellen Täter genau so", so Albers.

Oberbürgermeisterin Reker fügte hinzu, sie halte es für "absolut unzulässig" eine "Ethnie, die sichtbar aus Nordafrika" komme, sofort die Flüchtlinge in Verbindung zu bringen. Albers sagte, es seien zwar Personen von der Polizei überprüft worden, die sich mit Asylpapieren ausgewiesen hätten. "Aber alleine dass man überprüft worden ist, heißt noch nicht, dass man tatverdächtig ist."

"Diese erste Auskunft war falsch"

Der Polizeipräsident wurde auch gefragt, warum es im Polizeibericht an Neujahr geheißen hatte, die Silvesternacht sei ruhig verlaufen. "Diese erste Auskunft war falsch", sagte Albers. Dies sei aber später umgehend korrigiert worden. Das sei nicht richtig gelaufen.

Kommentar nach den Übergriffen in Köln: Endlich, der Aufschrei

05.01.2016 16:04 Uhr

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