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Übergriffe in Köln, Hamburg und Stuttgart Frauen überfallen - was bisher bekannt ist

Stand: 05.01.2016 12:21 Uhr

In der Silvesternacht sind am Kölner Hauptbahnhof Frauen belästigt, sexuell bedrängt und beraubt worden. Aus Hamburg und Stuttgart werden ähnliche Vorfälle berichtet. Kölns Oberbürgermeisterin Reker hat für heute ein Krisentreffen einberufen. tagesschau.de mit einem Überblick: Was bisher bekannt ist.

Übergriffe in Köln

In der Silvesternacht versammelten sich auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz nach Angaben der Polizei etwa 1000 Männer, die laut übereinstimmenden Zeugenaussagen "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammten. Aus dieser Menschenmenge heraus hätten sich Gruppen von mehreren Männern gebildet, die gezielt Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt haben. Insgesamt sollen etwa 40 Männer an den Übergriffen beteiligt gewesen sein. Die Männer sollen zwischen 15 und 35 Jahre alt sein. Nach Angaben von WDR-Reporter Jens Eberl geht die Polizei inzwischen davon aus, dass die Männer gezielt nach Köln gereist sind, um die Straftaten zu begehen.

Jens Eberl, WDR, zur Krisensitzung in Köln
tagesschau 12:00 Uhr, 05.01.2016

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Die Zahl der Anzeigen stieg inzwischen auf 90. Seit Montag seien noch einmal 30 neue Anzeigen hinzugekommen, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei am Morgen. Am Montag waren es 60 Anzeigen gewesen, ein Viertel davon wegen sexueller Übergriffe. Die Dunkelziffer könne aber noch höher liegen. Auch andere Straftaten wie Diebstahl und Körperverletzungen sollen begangen worden sein. Die Ermittler sprechen von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung.

Krisentreffen in Köln

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat für heute ein Krisentreffen zu den vielfachen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof angesetzt. Daran sollen unter anderem die Kölner Polizei, die Bundespolizei und Stadtdirektor Guido Kahlen teilnehmen, wie eine Stadtsprecherin sagte. Unter anderem soll eine Ermittlungskommission klären, ob sich die Männer über Soziale Netzwerke organisiert haben. Die Ermittlungsgruppe "Neujahr" wird zudem aufgestockt, um den Tätern auf die Spur zu kommen. Unter anderem werten die Fahnder Handyvideos und Material aus Überwachungskameras aus.

Reker bezeichnete die Vorfälle in der Tagesschau als "ungeheuerlich". Es könne nicht sein, dass Menschen, die nach Köln kämen, um sich zu amüsieren, Angst haben müssten, überfallen zu werden. "Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht", sagte die parteilose Politikerin dem "Kölner Stadtanzeiger". Polizei und Bundespolizei seien "dringend gefordert". Es müssten Schritte unternommen werden, um "insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen". Möglicherweise müsse man auch die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausweiten.

Dimension wird erst spät deutlich

Erst im Laufe der Silvesternacht und in den Folgetagen war das Ausmaß der Gewalt deutlich geworden, die von der Gruppe ausgegangen sein soll. Nach Polizei-Angaben sollen alle Einsatzkräfte, die zur Verfügung waren, vor Ort gewesen sein. Doch die Beamten hatten anscheinend nichts von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen gemerkt. "Wir haben erst durch die Anzeigen davon erfahren", sagt Wolfgang Wurm, Präsident der zuständigen Bundespolizeistation Sankt Augustin.

Vorfälle in Hamburg und Stuttgart

Der Chef der Nordrhein-Westfälischen Polizeigewerkschaft und stellvertretende Bundesvorsitzende, Arnold Plickert, sagte dem Radiosender SWRinfo, in Stuttgart und Hamburg habe es ähnliche Vorfälle gegeben.

In Hamburg gingen nach Angaben der Polizei inzwischen zehn Anzeigen ein, wonach junge Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren beraubt oder bestohlen wurden. Sie wurden demnach zunächst sexuell belästigt. Eine der Frauen berichtete, ihr sei zwischen die Beine und an die Brust gefasst worden. Anschließend stellten die Opfer fest, dass ihnen Geldbörsen, Papiere, Bargeld oder Smartphones gestohlen worden waren.

"Absprache der Täter"

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte im Radiosender NDR Info, es handele sich bei den Massenüberfällen auf Frauen in Köln und anderswo zwar nicht um organisierte Kriminalität, aber schon um "eine Absprache der Täter, die die Masse der Menschen nutzen, die Dunkelheit und den Überraschungseffekt, um nach vollzogener Tat wieder unerkannt zu entkommen". Der Polizeigewerkschafter befürchtet deswegen, dass es sehr schwierig wird, die einzelnen Angreifer zu überführen. Wendt kritisierte, die Sicherheitsbehörden hätten zu wenig Personal, um die Bevölkerung bei solchen Veranstaltungen zu schützen.

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