Flaggen von Deutschland und der Türkei wehen im Wind | Bildquelle: dpa

Nach Putschversuch Türkische Soldaten erhalten Asyl in Deutschland

Stand: 08.05.2017 17:34 Uhr

Hunderte türkische Soldaten und Diplomaten haben nach dem Putschversuch Asyl in Deutschland beantragt. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ erhielten mehrere nun einen positiven Bescheid - eine politisch brisante Entscheidung.

Von Lena Kampf und Andreas Spinrath, WDR

Erstmals haben mehrere türkische Soldaten und ihre Familien Asyl in Deutschland erhalten. Das ergeben Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung". Das Bundesinnenministerium bestätigte, dass die ersten Anträge auf politisches Asyl türkischer Bürger mit Diplomatenpässen positiv beschieden wurden. 

Aus Kreisen des BAMF hieß es, dass die Behörde das umstrittene Verfassungsreferendum in der Türkei habe abwarten wollen - erst danach sei über die Asylgesuche entschieden worden. Offiziell dementiert das BAMF jedoch diesen Zusammenhang. Bei den anerkannten Fällen handelt es sich auch um NATO-Soldaten, die vor ihrer Entlassung aus der türkischen Armee in Deutschland stationiert waren. Sie besitzen in der Regel einen Diplomatenpass.

Laut Bundesinnenministerium stellten bis Anfang Mai 414 türkische Soldaten, Diplomaten, Richter und hohe Staatsbeamte seit dem Putschversuch vom vergangenen Juli in der Bundesrepublik einen Asylantrag. Diese Zahl umfasst auch Familienangehörige. Insgesamt lägen dem BAMF etwa 7700 Asylanträge türkischer Staatsbürger vor, hatte der "Spiegel" berichtet.

Signalwirkung für andere EU-Länder?

Die Entscheidungen des BAMF könnte nun Signalwirkung für andere EU-Länder haben. So haben beispielsweise zahlreiche türkische Ex-Militärs, die in Belgien um Asyl gebeten hatten, bislang noch keinen positiven Bescheid erhalten.

Außenpolitisch heikel

Die Asylgesuche von Türken mit einem Diplomatenpass gelten als außenpolitisch heikel, da eine Anerkennung von solch hochrangigen Antragstellern das ohnehin belastete Verhältnis zur Türkei noch weiter verschlechtern könnte. Ende Januar hatte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik gefordert, dass Deutschland alle Asylanträge türkischer Offiziere ablehnen soll.

Viele der Antragsteller werden von der türkischen Regierung offenbar verdächtigt, Anhänger der Putschisten zu sein. In der Folge des bewaffneten Umsturzversuchs am 15. Juli 2016 verloren bislang mehr als 100.000 Menschen in der Türkei ihre Arbeit, Zehntausende wurden inhaftiert. Auch Tausende Soldaten wurden festgenommen.

Erste türkische Soldaten erhalten Asyl in Deutschland
A. Braun, WDR
08.05.2017 18:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Mai 2017 um 18:30 Uhr.

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