Polizei auf dem Weihnachtsmarkt in Augsburg | Bildquelle: dpa

Sicherheitsmaßnahmen Das raten deutsche Behörden

Stand: 24.11.2015 15:53 Uhr

Nach den Anschlägen von Paris geht in Europa die Furcht um, dass Islamisten weitere Taten begehen könnten. Welche Sicherheitsmaßnahmen haben deutsche Behörden und Unternehmen ergriffen und was raten sie den Menschen?

Von Barbara Schmickler, tagesschau.de

Frankreich verstärkt nach den Anschlägen von Paris die Zugangskontrollen zu Hochgeschwindigkeitszügen. An den Bahnhöfen in Paris und Lille sollen Sicherheitsschleusen eingerichtet werden. Die Sicherheitsmaßnahmen sollen an allen Bahnhöfen mit internationalen Verbindungen verstärkt werden.

Und in Deutschland? Auf Anfrage von tagesschau.de hieß es von der Deutschen Bahn: "Wir stehen in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden und passen unser Sicherheitskonzept an die Vorgaben und Empfehlungen der Behörden an." In Deutschland ist die Bundespolizei für die Sicherheit an Bahnhöfen und in Zügen verantwortlich - und kontrolliert verstärkt Zugverbindungen von und nach Frankreich.

Außerdem überwacht sie Flugverbindungen von und nach Frankreich verstärkt. Die Bundespolizei hat zudem nach eigenen Angaben "eine ganze Palette" an Maßnahmen aufgelegt: So gibt es selektive Grenzkontrollen entlang der deutsch-französischen Grenze in Abstimmung mit den französischen Behörden.

Schließlich gibt es etwa an der deutsch-belgischen Grenze eine verstärkte Polizeipräsenz und mehr Grenzkontrollen an Flughäfen und in der Bahn. Weitere Angaben zu einzelnen Maßnahmen und Einsatzstärken will die Bundespolizei aus einsatztaktischen Gründen nicht machen. Klar ist: Die Lage ist nach wie vor sehr ernst in Deutschland, so betont es Innenminister Thomas de Maizière immer wieder.

Bevölkerung ist sensibilisiert

Schon jetzt hat sich die Sicherheitslage auf die Aufmerksamkeit der Bevölkerung ausgewirkt. Seit den Anschlägen von Paris mehren sich Berichte über herrenlose Koffer. In Baden-Württemberg etwa ist die Zahl solcher Verdachtsfälle angestiegen, so der Eindruck mehrerer Polizeidirektionen. Bisher hätten die Sicherheitskräfte stets Entwarnung geben können. Die Berliner Polizei verzeichnete in der Woche nach Paris innerhalb von zehn Tagen 60 Hinweise auf verdächtige Gegenstände oder Personen. Am Wochenende hatte im Südwesten Deutschlands ein belgisches Auto mit arabischen Schriftzeichen fälschlicherweise Verdacht erregt.

Dennoch ermuntert die Polizei die Bevölkerung, sie bei verdächtigen Beobachtungen zu verständigen. Der Terror von Paris habe zu einer erheblichen Sensibilisierung in der Bevölkerung geführt. "Früher ist man an einer Tasche vorbeigelatscht. Heute werden auffällige Gegenstände schneller gemeldet", sagt Rüdiger Holecek von der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen: "Uns sind aber drei Fehlalarme lieber als einer, der nicht registriert wird."

Auch auf dem Weihnachtsmarkt könne eine leere Plastiktüte schnell zur nächsten scheinbaren Bedrohung mutieren, heißt es bei der Polizei Köln. Die Entschärfer der Polizei seien pausenlos im Einsatz. Die Stadt Nürnberg etwa rät, zu "gelassener Wachsamkeit" auf dem Christkindlesmarkt. Der saarländische Verfassungsschutz-Chef Helmut Albert sieht es pragmatisch: "Wenn Sie zum Weihnachtsmarkt gehen und ankommen, haben Sie den gefährlichsten Teil schon hinter sich - die Autofahrt." Die Wahrscheinlichkeit bei einem Autounfall zu sterben sei höher als bei einem Terroranschlag.

Polizei auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin-Charlottenburg | Bildquelle: dpa
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Die Polizei patrouilliert auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin-Charlottenburg.

Hinweise für Reisende ins Ausland

Für Reisende, die ins Ausland möchten, aktualisiert das Auswärtige Amt laufend seine Reisewarnungen und Hinweise. Nach den Anschlägen von Paris wurden diese für Belgien und Frankreich aktualisiert. Eine Reisewarnung dorthin gibt es aber nicht. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass in Belgien mit verstärkter Polizeipräsenz und mit Sicherheitskontrollen an Bahnhöfen, Flughäfen und an den Außengrenzen gerechnet werden muss. Reisende sollten sich im öffentlichen Raum "mit erhöhter Aufmerksamkeit und Wachsamkeit bewegen, größere Menschenansammlungen in der Region Brüssel meiden und Weisungen der belgischen Sicherheitskräfte befolgen".

Ähnliches gilt auch für Frankreich: Auf Bahnhöfen, Flughäfen, in Zügen und U-Bahnen gibt es verstärkte Gepäck- und Personenkontrollen. Auch an Eingängen wie im Museum könne es zu Handtaschenkontrollen kommen. Bahnreisende sollten darauf achten, dass ihr Gepäck mit Namen und Anschrift gezeichnet ist. In vielen Bahnhöfen könne man sein Gepäck nicht mehr aufbewahren, so das Auswärtige Amt.

Weltweiter Sicherheitshinweis

Schon länger warnt das Auswärtige Amt: "Die weltweite Gefahr terroristischer Anschläge und Entführungen besteht fort. Vorrangige Anschlagsziele sind Orte mit Symbolcharakter. Dazu zählen Regierungs- und Verwaltungsgebäude, Verkehrsinfrastruktur, Wirtschafts- und Tourismuszentren, Hotels, Märkte, religiöse Versammlungsstätten sowie generell größere Menschenansammlungen."

App und Newsletter

Einen Hinweis, Reisen wegen der Terrorgefahr nicht anzutreten, gibt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes nicht. Reisende werden jedoch gebeten, sich über die Lage informiert zu halten und lokale Medien zu verfolgen. Ein Newsletter liefert länderspezifische Warnungen und Hinweise. Eine App, die auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes heruntergeladen werden kann, hat die Funktion, sich im Fall eines Vorfalls im Ausland als "sicher" zu markieren, um so Angehörigen in der Heimat die Botschaft zu übermitteln: "Mir geht es gut."

Weniger Buchungen nach Paris und Brüssel

Auch Fluggesellschaften nehmen eigene Risikobewertungen vor. Die Lufthansa etwa fliegt derzeit alle Ziele weiter an. Experten der Lufthansa beobachteten Krisenregionen fortlaufend - und handelten im Zweifel sofort, sagt eine Sprecherin der Lufthansa tagesschau.de auf Anfrage. Eine Gefahr könne zur Einstellung von Flügen führen, die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter gehe vor.

Für Brüssel und Paris gebe es nach den Anschlägen von Paris bei der Lufthansa "spürbar" weniger Buchungen, so die Sprecherin. Auch wenn sich die Zahlen noch nicht signifikant auf die Buchungszahlen insgesamt auswirkten. Auch die Fluggesellschaft Air Berlin verzeichnet bei Verbindungen nach Paris Buchungsrückgänge.

Sollte es zu einem Vorfall im Ausland kommen, kann das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe helfen. Die dort ansässige Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe richtet sich an Deutsche, die im Ausland von "schweren Unglücksfällen und Katastrophen" betroffen sind. Damit soll eine akute und langfristige psychosoziale Versorgung für Betroffene und deren Angehörige sichergestellt werden. Eine Hotline steht hier unabhängig von aktuellen Gefahrenlagen 24 Stunden zur Verfügung.

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