Kriegsgefangene aus den Lagern Stalino und Leningrad geben einer Rotkreuz-Schwester Hinweise zu den Namen Verschollener | Bildquelle: picture alliance / dpa

Suchdienst des DRK Suche nach Weltkriegs-Vermissten läuft aus

Stand: 05.07.2017 11:34 Uhr

Der Zweite Weltkrieg ist schon seit mehr als 70 Jahren vorbei. Dennoch wenden sich nach wie vor Tausende Menschen jährlich an den Weltkriegs-Suchdienst des DRK, um etwas über das Schicksal ihrer Vorfahren herauszufinden. In sechs Jahren soll diese Hilfe nun eingestellt werden.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) stellt Ende 2023 die Suche nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs ein. Die Organisation und das Bundesinnenministerium gingen davon aus, dass diese Art der Suche naturbedingt an Bedeutung verlieren werde, sagte ein DRK-Sprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Zentrale Namenskartei des DRK in Hamburg - dort sind 60 Millionen Karteikarten gelagert. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Zentrale Namenskartei des DRK in Hamburg - dort sind 60 Millionen Karteikarten gelagert.

Aktuell seien die Anfragen aber noch auf relativ hohem Niveau: So gab es den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 8.943 Suchanfragen, im ersten Quartal 2017 waren es 2.240. "Vor allem die Kinder- und Enkelgeneration zeigt großes Interesse, wenn es um das Schicksal ihrer Angehörigen aus dem Zweiten Weltkrieg geht", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters. Er sei dankbar, dass die Suche nach Weltkriegsvermissten, die vom Bundesinnenministerium gefördert wird, noch bis 2023 fortgesetzt werden kann.

Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes zeigt auf einem Heimkehrertreffen am 22.07.1961 in München einer Frau den Suchband der Einheit, in der ihr Mann im Zweiten Weltkrieg gedient hat. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes zeigt 1961 in München einer Frau den Suchband der Einheit, in der ihr Mann im Zweiten Weltkrieg gedient hat.

Hilfe auch für aktuelle Flüchtlinge

Der Suchdienst des DRK kümmert sich nicht nur um die Suche nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Ein weiterer Teil richtet sich an Flüchtlinge, die auf der Flucht von ihren Angehörigen getrennt wurden. Dieser Dienst ist nicht von der Schließung betroffen.

Neue Vereinbarung mit Ministerium

Die Anfragen von Flüchtlingen hat den Angaben zufolge auch deutlich zugenommen. Im vergangenen Jahr sei mit 2.800 solchen Anfragen ein neuer Höchstwert erreicht worden. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es 611 Anfragen. Die Suchenden kamen vor allem aus Afghanistan, Syrien und Somalia.

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"Die andauernden weltweiten Konflikte mit Millionen von Flüchtlingen zeigen, wie unverzichtbar eine international vernetzte Institution wie der DRK-Suchdienst auch in Zukunft ist", sagte Seiters. Heute wollen Seiters und Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine neue Vereinbarung unterzeichnen, die die Arbeit des DRK-Suchdienstes langfristig sichert. Das Ministerium finanziert den gesamten Dienst mit jährlich 11,5 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juli 2017 um 10:45 Uhr.

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