Hände von Kindern und Erwachsenen  | Bildquelle: dpa

Beide Eltern arbeiten Kinder finden es gut

Stand: 23.08.2017 19:08 Uhr

Kinder wollen, dass sich Eltern gleichermaßen um die Erziehung und andere familiäre Aufgaben kümmern. Laut einer Studie für das Familienministerium sind in Familien mit partnerschaftlicher Rollenverteilung die Mehrheit der Kinder zufrieden.

Von Tanja Oppelt, ARD-Hauptstadtstudio

Kinder finden es in der Regel gut, wenn beide Elternteile zu annähernd gleichen Teilen arbeiten. In einer Studie wurden 28 Familien befragt. Sie gehören einer relativ kleinen gesellschaftlichen Gruppe an, bei der beide Elternteile annähernd zu gleichen Teilen berufstätig sind und vollzeitnah arbeiten.

Die Studie, die vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben wurde, schildert vor allem die Kindersicht. Befragt wurden Kinder zwischen sechs und 14 Jahren. Das Ergebnis: Die Kinder sind mehrheitlich zufrieden. Sie empfinden es als gerecht, dass beide Elternteile arbeiten gehen.

Auch häusliche Arbeiten müssen fair verteilt sein

Vater und Kind | Bildquelle: picture-alliance/ ZB
galerie

Laut der Studie sind Väter in Familien mit partnerschaftlichen Arbeitszeiten präsenter.

"Sie möchten bei ihren Eltern sehen, dass sie fair und gerecht die Dinge untereinander aufteilen", sagt Svenja Pfahl vom Forschungsinstitut SowiTra. "Dass beide Eltern arbeiten gehen, dass beide Geld nach Hause bringen, dass beide dazu beitragen, dass die Familie abgesichert ist Dass aber auch der unangenehme Teil - die Pflichten, die Hausarbeit - fair zwischen den Eltern aufgeteilt wird."

Und beide Elternteile sind gleichwertige Ansprechpartner für die Kinder. In der Regel sind bei diesem Modell die Väter präsenter in der Familie als im Durchschnitt. Die Kinder nähmen das als Besonderheit wahr und schätzten es, hieß es bei der Vorstellung der Studie. Die ist zwar nicht repräsentativ, die Forscher beschäftigten sich aber in langen Interviews intensiv mit den einzelnen Kindern.

Verlässlichkeit für Kinder wichtig

Besonders wichtig für die Kinder: Sie wollen sich darauf verlassen können, dass Mama und Papa zu einer bestimmten Zeit Feierabend haben. Keine überraschenden Überstunden, keine Abend- und keine Wochenendarbeit.

Katarina Barley | Bildquelle: AP
galerie

Ministerin Barley will, dass mehr Familien ihre Arbeitszeiten fair verteilen können.

Wenn das gewährleistet ist, empfinden es Kinder laut Studie nicht als Belastung, sondern eher als Bereicherung, wenn beide Elternteile arbeiten. Nach den Worten von Familienministerin Katarina Barley stärkt das Modell die Familie insgesamt. Sowohl die Beziehung der Eltern zu den Kindern als auch die Beziehung zwischen den Elternteilen profitierten, weil es mehr Zeit und mehr Absprachen gebe, so Barley.

Für sie sind die so genannten "partnerschaftlichen Arbeitszeiten" etwas, was sich viele junge Familien wünschen, aber nur wenige umsetzen. "Wir wissen aus anderen Studien, dass etwa 60 Prozent der jungen Eltern gerne ein partnerschaftliches Modell leben würden, es aber nur etwa 14 Prozent derzeit tun", sagt die Ministerin "Das hat unterschiedliche Gründe. Manche können es sich finanziell nicht leisten, bei anderen sperrt sich der Arbeitgeber."

SPD-Projekt: Familienarbeitszeit

Inzwischen hat der Bundestagswahlkampf begonnen, und so nutzte die SPD-Ministerin die Gelegenheit, noch einmal Werbung für die Familienarbeitszeit zu machen, ursprünglich ein Projekt von Barleys Vorgängerin Manuela Schwesig. Wenn beide Elternteile vollzeitnah arbeiten, zwischen 26 und 36 Stunden pro Woche, gibt es vom Staat 150 Euro pro Elternteil und Monat als Zuschuss, so der Vorschlag. In der Großen Koalition scheiterte das Projekt Familienarbeitszeit am Widerstand der Union. Für die SPD bleibt es ein zentrales Vorhaben im Bundestagswahlkampf.

Partnerschaftliche Arbeitszeiten - Kinder finden es gut
T. Oppelt, ARD Berlin
23.08.2017 17:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. August 2017 um 19:38 Uhr.

Darstellung: