Stickstoffdioxid in Fahrzeuginnenräumen

Stickoxidbelastung Dicke Luft auch im Auto

Stand: 31.07.2017 12:48 Uhr

Dass hohe Stickstoffdioxidwerte die Luft in vielen Großstädten belasten, ist bekannt. Was viele nicht wissen dürften, ist, dass die Belastung im Auto selbst oft noch viel stärker ist. Eine Studie kommt zu diesem Ergebnis.

Von Moritz Steinbacher, BR

Erhöhte Stickstoffdioxidwerte sind derzeit ein großes Thema. Die Luft in vielen Großstädten ist schlecht. Die Entscheidung des Stuttgarter Verwaltungsgerichts vergangene Woche hat den Weg für Fahrverbote geebnet, die Werte in der baden-württembergischen Landeshauptstadt waren viel zu hoch.

Aber auch in den Fahrzeugen ist die Luft schlecht: In München wurde vergangene Woche eine neue Messung zu Stickoxiden in Innenräumen durchgeführt und die zeigt: Leidtragende sind vor allem die Autofahrer selbst. Die aktuelle Messung, mit einem am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg entwickelten, transportablen Gerät zeigt, dass die Autofahrer in der Münchner Innenstadt Stickstoffdioxidkonzentrationen von rund 90 Mikrogramm pro Kubikmeter im Pkw-Innenraum ausgesetzt sind. Auf der Stadtautobahn, dem Mittleren Ring, sind es sogar 123 Mikrogramm pro Kubikmeter und in den Münchner Tunnels rund 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickstoffdioxid, die sich im Autoinnenraum in sehr kurzer Zeit ansammeln.

Im Kofferraum ist die Technik für das neue Messgerät eingebaut.
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Im Kofferraum ist die Technik für das neue Messgerät eingebaut.

"Busfahrer ständig in schlechter Luft unterwegs"

In Auftrag gegeben hatte die Studie die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Damit verschärfe sich das Problem, meint der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer. "Es trifft nicht nur Anwohner und Fußgänger", so der Grünen Politiker. "Gerade Taxi- und Busfahrer sind von der schlechten Luft betroffen, weil sie ständig in der schlechten Luft unterwegs sind."

Laut Umweltbundesamt haben hohe Stickstoffdioxidwerte gesundheitliche Folgen. Besonders Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie zum Beispiel Asthmatiker oder Allergiker haben mit erhöhten Werten zu kämpfen. Stickoxide führen zu einer Verengung der Bronchien und schädigen die Schleimhäute. Auch Herz-Kreislauferkrankungen werden mit Stickstoffdioxid in Verbindung gebracht.

Jahresmittelgrenzwert um das Fünffache überschritten

Die Forscher gehen davon aus, dass die Münchner Werte tatsächlich sogar noch höher sein könnten. An beiden Messtagen gab es Wind und regnete zum Teil stark. Solche Bedingungen gehen normalerweise mit geringeren Schadstoffbelastungen einher. Trotzdem waren die Stickstoffdioxidkonzentrationen im Auto um bis zu fünfmal höher als der erlaubte Jahresmittelgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Doch dieser Jahresgrenzwert gilt für den Außenbereich. Für geschlossene Räume gibt es keine Grenzwerte, obwohl die Stickstoffdioxidkonzentration dort viel höher ist.

Dreimal dickere Luft im Auto

Die Messungen wurden am 25. und 26. Juli zu allen Tageszeiten durchgeführt. Dazu fuhren die Forscher eine rund 45 Kilometer lange Strecke ab, die sowohl die Innenstadt und Nebenstraßen als auch den Mittleren Ring und Autobahnen abdeckte.

Gemessen wurde mit Hilfe des neuen Messgeräts der Universität Heidelberg. Das Messgerät wird in einen normalen Pkw eingebaut und misst die Belastung durch Stickoxide sowohl im Auto als auch außen. Dadurch unterscheiden sich die Messungen der Heidelberger Forscher von denen der Münchner Umweltmessstationen, wie zum Beispiel am Karlsplatz (Stachus) oder an der sehr stark befahrenen Landshuter Allee. Denn diese messen die Stickstoffdioxidkonzentration nur im Außenbereich und noch dazu erst ab einer Höhe von drei Metern.

Der Unterschied macht sich bemerkbar: Während die Umweltmessstationen an den beiden Tagen Stickstoffdioxidkonzentrationen von 76 Mikrogramm pro Kubikmeter am Münchner Karlsplatz (Stachus) und 42 Mikrogramm pro Kubikmeter an der Landshuter Allee feststellten (Mittelwert über beide Tage), waren die Werte, die die Heidelberger Forscher in Autoinnenräumen maßen, teilweise dreimal so hoch.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 31. Juli 2017 um 22:15 Uhr.

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