Ein Polizist im Smog | Bildquelle: REUTERS

Luftverschmutzung Mooswände, Wucherpreise und Verbote

Stand: 02.08.2017 13:11 Uhr

Die Belastung durch Stickoxide in deutschen Städten ist immer noch zu hoch. Dabei zeigen andere europäische Länder, wie die Schadstoffkonzentration reduziert werden kann: Durch hohe Zusatzkosten für Autofahrer.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

In Tübingen soll jetzt eine Mooswand helfen. Im Mai kündigte die Verwaltung der Universitätsstadt an, eine Pflanzenwand an einer besonders befahrenen Straße im Zentrum aufzustellen, um Schadstoffe aus der Luft zu filtern. Das Moos binde genauso viele Schadstoffe wie 275 Bäume, verspricht der Hersteller. Rund 36.000 Euro muss die Stadt dafür bezahlen.

Mooswand in Stuttgart gegen Feinstaub | Bildquelle: dpa
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Auch in Stuttgart hat man schon Zackenmützenmooswände aufgebaut, um den Feinstaub zu reduzieren.

Das Geld ist gut investiert, denn die Luft in Deutschlands Städten ist immer noch nicht sauber. In keinem anderen Land der Europäischen Union liegt die durchschnittliche Konzentration von Stickoxiden in der Luft höher als hier. Das ergab eine Auswertung der Europäischen Umweltagentur (EEA), die sich auf Messwerte aus dem Jahr 2014 bezieht. Einer der wichtigsten Verursacher: der Straßenverkehr.

Kleine Fortschritte

Besserung ist kaum in Sicht. Zwar gingen die Stickoxidwerte in den vergangenen Jahren auch in Deutschland zurück, allerdings nur sehr langsam. "In den Jahren von 2010 bis 2016 konnten wir bei 80 Prozent der verkehrsnahen Stationen einen Rückgang von weniger als zwei Mikrogramm pro Kubikmeter feststellen", sagt  Ute Dauert vom Umweltbundesamt (UBA) im Gespräch mit tagesschau.de. "Angesichts der hohen Ausgangswerte reicht das nicht, um die Gesundheitsrisiken durch Stickoxide ausreichend zu reduzieren."

Dabei hat es in der Vergangenheit durchaus Erfolge gegeben. Tübingen beispielsweise konnte seine Stickoxidbelastung bereits vor dem Aufbau der Mooswand spürbar senken. Auch in anderen Städten gab es Fortschritte.

Werner Eckert, Umweltexperte, zur Gefahr durch Diesel-Abgase
tagesschau24 17:30 Uhr, 02.08.2017

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"Zahl der Autos in den Städten reduzieren"

Aber: Auf ganz Deutschland gerechnet ist die Schadstoffbelastung immer noch zu hoch. Laut UBA-Zahlen werden an mehr als 50 Prozent der verkehrsnahen Stationen die Stickoxidgrenzwerte überschritten. Diese Zahl bleibt seit Jahren stabil. Die Auswirkung können dramatisch sein. Laut EEA starben im Jahr 2013 mehr als 10.000 Menschen vorzeitig als Folge der Stickoxidbelastung.

Für UBA-Expertin Dauert ist deshalb klar, dass sich mit Blick auf den Verkehr in Deutschland einiges ändern muss. "Die Zahl der Autos, die in die Städte fährt, muss einfach reduziert werden", sagt sie. Doch diese Lösung ist im Autofahrerland Deutschland nicht auf der Tagesordnung. In anderen europäischen Städten sieht man das anders. Durchaus mit Erfolg.

Metropolen verbieten Diesel

Denn es ist ja nicht nur Deutschland, das unter einer hohen Schadstoffkonzentration in der Luft leidet. Auch in Städten in Frankreich, den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich werden die europaweit gültigen Grenzwerte regelmäßig überschritten.

Deshalb setzen dortige Stadtplaner einiges daran, den Autoverkehr in der Stadt einzuschränken. An Ideen mangelt es nicht. Paris, Madrid und Athen haben etwa angekündigt, Diesel-Fahrzeuge bis zum Jahr 2025 auf ihren Straßen vollständig zu verbieten - schließlich stoßen Selbstzünder deutlich mehr Stickoxide aus als Benziner. In anderen Städten wird hingegen versucht, das Autofahren so teuer und umständlich wie möglich zu machen.

Teurer Parken

Beispiel Amsterdam: Wer in der niederländischen Metropole sein Auto abstellen will, muss tief in die Tasche greifen. Die Kosten für einen Parkplatz in der Innenstadt können mittlerweile bis zu 7,50 Euro betragen. Pro Stunde. Kostenlose Abstellplätze gibt es hingegen kaum noch. Und durch ein digitales Überwachungssystem ist es auch so gut wie unmöglich geworden, beim Parken ohne Parkschein nicht erwischt zu werden.

Angesichts dieser hohen Kosten steigen immer mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel um. Durch ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz ist das auch möglich. Hinzu kommt, dass Amsterdam traditionell zu den fahrradfreundlichsten Städten Europas gehört. So ist es Amsterdam gelungen, die Stickoxidgrenzwerte der Europäischen Union mittlerweile fast vollständig einzuhalten.

Menschen auf einem Platz in Stockholm. | Bildquelle: AP
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Fußgänger und Radfahrer haben in Stockholm Vorfahrt.

Hohe City-Maut

Auch ein Stück weiter nördlich setzt man vor allem auf hohe Kosten, um die Autofahrer aus der Stadt zu halten. Bereits vor rund zehn Jahren führte die Stadtregierung der schwedischen Hauptstadt Stockholm eine City-Maut und höhere Parkgebühren ein. Der Autoverkehr ging infolge dessen um 20 Prozent zurück. Und auch die Stickoxidwerte, die früher regelmäßig die europäischen Grenzwerte rissen, sanken auf ein ausgesprochen niedriges Niveau. In einem Ranking der europäischen Städte, die am meisten für saubere Luft im Straßenverkehr tun, erreichte die schwedische Hauptstadt im Jahr 2015 damit Rang vier.

Platz eins hingegen ging an eine Stadt, die nur wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze liegt: Zürich. Auch hier stiegen die Parkgebühren, der öffentliche Nahverkehr und die Fahrrad- und Fußgängerwege wurden ausgebaut. Städtische Fahrzeuge sind zum großen Teil auf dem neusten technischen Stand und stoßen deshalb weniger Schadstoffe aus.

Vorbild Zürich

"In Zürich sind sie richtig reingegangen", sagt Werner Reh vom Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) im Gespräch mit tagesschau.de. Die harten Maßnahmen hätten dafür gesorgt, dass sich die Zürcher über saubere Luft und eine gute öffentliche Infrastruktur freuen können.

Auch die Öffentlichkeit wurde bei diesen Schritten mitgenommen. So wurden sämtliche Maßnahmen bei Volksabstimmungen in Zürich bestätigt. Doch auch in anderen Ländern kommt die Verbannung der Autos aus der Innenstadt an. In Stockholm etwa sehen zwei Drittel der Bevölkerung die City-Maut mittlerweile positiv. Bevor die Gebühr testweise einführt wurde, sprachen sich nur etwas mehr als 30 Prozent der Stockholmer für die Maut aus.

Auch in Deutschland gibt es mittlerweile erste Anzeichen für einen Stimmungswechsel. So sprachen sich einer Greenpeace-Umfrage zu Folge 57 Prozent der Befragen dafür aus, dass Diesel-Autos mit hohem Schadstoffausstoß nicht mehr in Stadtteilen mit besonders schlechter Luftqualität fahren sollten. Die Bundesregierung lehnt Fahrverbote hingegen weiterhin ab.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. August 2017 um 16:00 Uhr.

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