Sigmar Gabriel nach der Wahl | Bildquelle: dpa

Wiederwahl zum SPD-Chef Enttäuschendes Ergebnis für Gabriel

Stand: 11.12.2015 15:47 Uhr

Auf dem Parteitag in Berlin ist Sigmar Gabriel als Vorsitzender der Sozialdemokraten wiedergewählt worden - jedoch lediglich mit 74,3 Prozent der Stimmen. Gabriel war die Enttäuschung über sein schlechtestes Ergebnis als SPD-Chef anzumerken.

Es ist sein schlechtestes Ergebnis bei der Wahl zum Parteivorsitzenden: SPD-Chef Sigmar Gabriel hat bei seiner Wiederwahl lediglich 74,3 Prozent der Stimmen erhalten. 139 Delegierte stimmten gegen ihn. Bei seiner letzten Wahl zum SPD-Parteichef 2013 war Gabriel noch auf 83,6 Prozent der Delegiertenstimmen gekommen. In den Jahren zuvor hatte er noch deutlich bessere Ergebnisse erzielt - mit 91,6 Prozent im Jahr 2011 und 94,2 Prozent 2009.

In der Reaktion auf seine Rede sagte er, sein Wahlergebnis werde klar als Abstrafung gewertet werden. "So ist es ja auch", fügte er hinzu. Er verstehe das Ergebnis so: "Jedem ist klar was ich will. Es gibt in der Partei 25 Prozent, die das nicht wollen." Allerdings hätten drei Viertel der Delegierten entschieden, "wo es lang geht - und deshalb nehme ich die Wahl auch an".

Zurück im analogen Zeitalter

Schon Versuch Nummer eins bei der Abstimmung war zunächst gescheitert - allerdings aus technischen Gründen. Zum ersten Mal sollten die Delegierten digital über die Parteispitze abstimmen, doch das Verfahren per Tablet hatte nicht funktioniert. Immerhin: Die bewährten analogen Stimmzettel waren zur Sicherheit vorbereitet.

Gabriel hatte sich in seiner Rede am Vormittag sehr sachlich gezeigt: Mit gedämpftem, zurückgenommenem Ton hatte er die Delegierten des SPD-Parteitags in Berlin angesprochen, es seien schließlich "ernste Zeiten". Angesichts des Ukraine-Konfliktes, der Euro-Krise und vor allem des Krieges in Syrien rief er seine Partei auf, "lieber etwas nachdenklicher zu sein als zu laut".

Parteichef Gabriel stellt sich zur Wiederwahl
tagesschau 10:45 Uhr , 11.12.2015, Marie-Kristin Boese, ARD Berlin

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Kritik der Juso-Vorsitzenden

Bei der Aussprache über die Rede des Parteivorsitzenden hatte die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann vor der Wiederwahl heftige Kritik an Gabriel geübt. Sie könne die Menschen verstehen, die sagen: "Ich kann der SPD nicht glauben, dass sie tut, was sie sagt", sagte Uekermann. Zwar habe die SPD Erfolge in der Großen Koalition wie den Mindestlohn vorzuweisen, doch das bringe der Partei nichts, "wenn wir unser Vertrauensproblem nicht lösen". Als Beispiel nannte die Chefin der Jungsozialisten die Position der SPD zur Vorratsdatenspeicherung. "Reden halten ist das eine, aber danach zu handeln, das ist entscheidend.

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