Jens Spahn | Bildquelle: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX/Shu

Designierter Gesundheitsminister Arzttermine - Spahn fordert faire Vergabe

Stand: 27.02.2018 08:50 Uhr

"Privat und gesetzlich Versicherte müssen in Zukunft gleich schnell einen Arzttermin bekommen." Mit diesem großen Ziel startet der designierte Gesundheitsminister Spahn ins Amt. Reformbedarf sieht er bei der PKV.

Der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn will, dass alle Patienten gleich schnell einen Arzttermin bekommen. Er wolle die Kluft bei der Behandlung von privat und gesetzlich Versicherten verkleinern, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Beim Arzt hätten die Menschen das Gefühl, es gebe zwei Klassen bei der Terminvergabe, sagte der CDU-Politiker.

Reformbedarf bei der PKV

In einem ersten Schritt sollten die Terminservicestellen weiter ausgebaut werden, damit Patienten einen Ansprechpartner hätten. "Wir müssen auch, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, über die Vergütungen der Ärzte für Kassenpatienten sprechen." Bislang ist die Behandlung von Privatpatienten für Ärzte deutlich lukrativer.

Bei der privaten Krankenversicherung sieht Spahn "massiven Reformbedarf". "Wir müssen verhindern, dass für einen einfachen Polizisten stark steigende Beiträge im Alter zu einer sozialen Frage werden", sagte der CDU-Politiker. Die Entscheidung für eine private Krankenversicherung sei eine Lebensentscheidung. "Wenn man sich einmal festgelegt hat, ist ein Wechsel in späteren Jahren schwerer als eine Scheidung", sagte der 37-Jährige.

Arzneimittel werden teurer

Bei einem weiteren Thema dürfe auf Spahn noch Arbeit zukommen: Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion sind die Preise für neue Arzneimittel in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen. Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung legten von 2007 bis 2016 um 33,7 Prozent zu.

Demnach stiegen die Durchschnittspreise für neue (patentgeschützte) Medikamente von 2008 bis 2017 um mehr als das Vierfache (981,54 Euro auf 4457,63 Euro). Darüber hinaus seien die Ausgaben für die zehn teuersten Präparate von 2007 bis 2016 um mehr als 84 Prozent gestiegen (2204 Euro auf 4070 Euro). Für individuelle Rezepturen - größtenteils Krebsmedikamente - nahmen demnach die Ausgaben um 91,3 Prozent zu.

"Die alte und die neue GroKo haben keine Antworten darauf, dass die Krankenversicherung immer mehr zum Selbstbedienungsladen der Pharmaindustrie wird", kritisierte die Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte der Linken-Fraktion Sylvia Gabelmann. "Die Gesetze zur Preisbegrenzung sind so löchrig, dass sie am Ende viel zu wenig bringen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2018 um 08:00 und 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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