Wäscheklammern in Schwarz, Rot und Grün | Bildquelle: dpa

Sondierungsgespräche gestartet Kiwi in Stuttgart und Kenia in Magdeburg?

Stand: 16.03.2016 15:11 Uhr

Drei Tage nach den Landtagswahlen haben erste Sondierungsgespräche in Stuttgart und Magdeburg begonnen. Wahlsieger Kretschmann bleibt in Baden-Württemberg wohl nur ein Bündnis mit der CDU. In Sachsen-Anhalt könnte es auf eine "Kenia"-Koalition aus CDU, SPD und Grünen hinauslaufen.

Winfried Kretschmann und Nils Schmid | Bildquelle: dpa
galerie

Würden gerne mit der FDP koalieren: Ministerpräsident Kretschmann und SPD-Landeschef Schmid.

In Baden-Württemberg haben die Grünen nach ihrem Sieg bei der Landtagswahl mit Sondierungsgesprächen begonnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte zunächst den bisherigen Juniorpartner SPD zu Gast. Gemeinsam mit SPD-Landeschef Nils Schmid warb er anschließend für eine Ampelkoalition im Ländle. "Aus unserer Sicht gibt es keine unüberwindbaren Hindernisse", sagte Kretschmann. Auch Schmid sagte, er sei den der FDP wichtigen inhaltlichen Punkten zugänglich. "Die Gesprächsbereitschaft ist eindeutig da."

Die Sache hat nur einen Haken: Das Treffen zwischen Grünen und FDP wird wohl ohne Konsequenzen bleiben, denn die Liberalen lehnen eine von den Grünen geführte Ampel ab. Grüne und FDP treffen sich am Freitag zu Gesprächen.

Kretschmann trifft Wolf

Am Nachmittags führte Kretschmann erste Sondierungsgespräche mit den Christdemokraten um Spitzenkandidat Guido Wolf. Dieser hatte ursprünglich gehofft, ein schwarz-rot-gelbes Bündnis mit SPD und FDP zu schmieden. Dazu wiederum ist die SPD nicht bereit. Die Genossen wollen der Landes-CDU nicht ins Ministerpräsidentenamt helfen. Nun richtet sich das Augenmerk auf ein "Kiwi"-Bündnis unter Führung der Grünen, das es so auf Landesebene noch nie gegeben hat.

Kretschmann wertete das erste Sondierungsgespräch mit der CDU als "sehr offen und auch ehrlich". Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl bezeichnete es als "gut und richtig", miteinander zu sprechen.

In Baden-Württemberg hatten die Grünen die Wahl mit 30,3 Prozent vor der CDU mit 27,0 Prozent gewonnen. Die SPD sackte ab auf 12,7 Prozent, noch hinter der AfD mit 15,1. Die FDP bekam 8,3 Prozent.

1/6

Koalitionen

eine Kiwi
Grün Schwarz

Grün-Schwarz: In Baden-Württemberg ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann Wahlsieger. Doch die große Partner-Wahl hat er nicht. Die FDP lehnt eine grün-rot-gelbe Koalition ab, die SPD will nicht mit CDU und FDP regieren. Bleibt fast nur Grün-Schwarz. Unter anderen Vorzeichen, unter CDU-Führung, haben Grüne und CDU schon Koalitionserfahrungen in Hamburg und Hessen.

Verändern Sie die Darstellung durch Bewegen des Bildschiebers.

Magdeburg: Haseloff trifft SPD und Grüne

Auch in Sachsen-Anhalt, wo die schwarz-rote Koalition allein künftig keine Mehrheit mehr hat, haben CDU, SPD und Grüne erste Sondierungsgespräche begonnen. Im Anschluss an das Treffen in Magdeburg sprachen Spitzenvertreter der Parteien von einer konstruktiven Atmosphäre. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass eine stabile "Regierung der Mitte" möglich sei. Die Gespräche sollen kommende Woche fortgesetzt werden.

In Teilen der SPD stößt eine schwarz-rot-grüne Koalition, ein sogenanntes "Kenia"-Bündnis, auf Vorbehalte. Auch die Grünen hatten vor Beginn der Gespräche bereits klar gemacht, dass sie eine Regierungsbeteiligung "sehr sorgfältig prüfen" wollen und am Ende eine klare grüne Handschrift erkennbar sein müsse.

Die CDU hatte die Wahl in Sachsen-Anhalt mit 29,8 Prozent gewonnen. Die SPD sackte auf 10,6 Prozent ab, die Grünen kamen auf 5,2 Prozent. Die AfD verbuchte aus dem Stand heraus 24,2 Prozent. Die Linke bekam 16,3 Prozent.

Klöckner denkt nicht über Ministeramt nach

In Rheinland-Pfalz hat die SPD bereits Sondierungen mit Grünen und FDP beschlossen. Die Gespräche sollen noch in dieser Woche beginnen. "Wir haben einen klaren Regierungsauftrag, und wir möchten jetzt schnellstmöglich verantwortlich eine Regierung bilden", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner sieht derzeit keine Notwendigkeit, über eine mögliche Große Koalition mit der SPD nachzudenken. Dies sei nicht die Frage, mit der sich die CDU derzeit beschäftige, sagte Klöckner dem Deutschlandfunk. "Es ist jetzt nicht die Zeit, Ansprüche zu stellen", sagte Klöckner. Sie mache sich derzeit "wirklich keine Gedanken" darüber, ob sie in einer möglichen Großen Koalition unter Führung von Dreyer einen Posten übernehmen würde.

Die CDU hatte bei der Wahl mit 31,8 Prozent ihr bisher schlechtestes Ergebnis in Rheinland-Pfalz eingefahren. Die SPD hatte 36,2 Prozent gewonnen, die Grüne kamen auf nur noch 5,3 Prozent, die FDP holte 6,2 Prozent, die AfD brachte es aus dem Stand auf 12,6 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. März 2016 um 09:00 Uhr.

Darstellung: