Stempel mit der Aufschrift Solidaritätszuschlag | Bildquelle: picture-alliance

Streit um das Ende des "Soli" Bund der Steuerzahler gegen Seehofer

Stand: 21.12.2015 08:37 Uhr

Im Frühjahr hatte sich CSU-Chef Seehofer noch lautstark für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags eingesetzt. Doch nun will er an ihm festhalten - wegen der Flüchtlingskrise. Der Bund der Steuerzahler wittert hinter diesem Sinneswandel taktisches Kalkül.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert Überlegungen von CSU-Chef Horst Seehofer, am Solidaritätszuschlags festzuhalten. "Die Flüchtlingskrise soll jetzt als Begründung für höhere Abgaben und gegen Steuersenkungen herhalten", sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel der "Passauer Neuen Presse". Der Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags zu überdenken, sei "unredlich, unehrlich" und gehe in die vollkommen falsche Richtung.

Am Wochenende hatte Seehofer wegen der Flüchtlingskosten die Unionspläne für eine schrittweise Abschaffung des Solidarzuschlags infrage gestellt. "Wir haben seit der Grenzöffnung im September eine neue Situation", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Das sei keine Absage an die Forderung nach einem Ende des "Soli". "Aber wir müssen einfach einen Kassensturz machen mit dem Ziel, herauszufinden, was können wir uns noch leisten? Wenn wir die Zuwanderung nicht begrenzen, werden wir keinen Spielraum haben."

Steuerzahlerbund stellt Theorie auf

Seehofer, so sieht es der Steuerzahlerbund, wolle mit seinen Überlegungen dem Bund eine Brücke bauen, "damit dieser dem Kompromiss beim Länderfinanzausgleich zustimmt". Der Ausgleich zwischen Bund und Ländern würde vor allem zu Lasten des Bundes gehen, argumentierte Holznagel. "Eine Fortsetzung des Soli würde dies wieder ausgleichen. Und die Steuerzahler wären am Ende die Dummen."

Bei den Koalitionspartnern im Bund stieß Seehofers Vorstoß ebenfalls auf Ablehnung. "Die Frage, ob wir den Plan aufgeben, den Soli ab 2020 schrittweise abzuschaffen, steht jetzt überhaupt nicht an", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs der "Rheinischen Post". Wie sich die zusätzlichen Ausgaben für Flüchtlinge entwickeln würden und wie sie zu finanzieren seien, sei jetzt noch gar nicht absehbar.

Klarheit von Merkel gefordert

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley warf Seehofer vor, Ressentiments gegen Zuwanderer zu schüren. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer forderte darüber hinaus Kanzlerin Angela Merkel auf, Klarheit über die Zukunft der umstrittenen Abgabe zu schaffen.

Der "Soli" wurde kurz nach der Deutschen Einheit eingeführt und sollte den Aufbau im Osten mitfinanzieren. Er wird heute mit 5,5 Prozent auf die Einkommenssteuer und die Unternehmenssteuern aufgeschlagen und bringt zurzeit rund 15 Milliarden Euro im Jahr ein.

Darstellung: