Polizisten kontrollieren in Köln. | Bildquelle: dpa

Silvester in Köln Polizei rechtfertigt strenge Kontrollen

Stand: 01.01.2017 20:50 Uhr

Die Kölner Polizei hat eine positive Silvester-Bilanz gezogen. In der Nacht hatten Beamte Hunderte Menschen überprüft - fast nur Nordafrikaner. Zeitweise waren 1700 Polizisten eingesetzt. Schärfste Sicherheitsmaßnahmen gab es auch in Berlin.

Das neue Jahr ist in Deutschland von Millionen Menschen ausgelassen begrüßt worden. Es blieb weitgehend friedlich. Unter besonderer öffentlicher Beobachtung standen die Feierlichkeiten in Köln, nachdem es vor einem Jahr Hunderte Übergriffe gegeben hatte.

Die örtliche Polizei zog eine positive Bilanz: "Durch konsequentes Einschreiten" seien ähnliche Straftaten wie im Vorjahr verhindert worden, hieß es bei einer Pressekonferenz. "Wir hatten Personengruppen, die vergleichbar aggressiv waren", sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies. Erneut seien mehrere Hundert junge Nordafrikaner nach Köln gereist. Der große Unterschied zum Jahr davor sei gewesen, dass die Polizei diesmal konsequent eingeschritten sei. Die im Bereich des Doms eingerichtete Schutzzone habe zu einer Befriedung des Bereichs geführt.

Demnach waren zunächst 1500 Beamte im Einsatz - dies sah das zuvor öffentlich gemachte Sicherheitskonzept auch vor. Angesichts des großen Zulaufs "aggressiver junger Männer" seien dann zwei zusätzliche Hundertschaften angefordert worden, so dass ungefähr 1700 Polizisten im Einsatz gewesen seien.

Polizei wehrt sich gegen "racial profiling"-Vorwurf

Nach offiziellen Angaben wurden die Identitäten von 650 Personen überprüft. Dabei habe es sich fast ausschließlich um Nordafrikaner gehandelt, sagte Mathies. Gleichzeitig verwahrte er sich gegen den Vorwurf des "racial profiling", womit ein gezieltes polizeiliches Vorgehen nach ethnischen Gesichtspunkten bezeichnet wird. Es sei um das Verhalten dieser Männer gegangen, betonte der Polizeipräsident. "Der ganz überwiegende Teil war so, dass mit drohenden Straftaten zu rechnen war", betonte er bei der Pressekonferenz. Im übrigen seien auch Deutsche überprüft worden.

Polizei NRW K @polizei_nrw_k
#PolizeiNRW #Silvester2016 #SicherInKöln: Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.… https://t.co/wh0hK2vbRT

Zuvor hatte ein Tweet der nordrhein-westfälischen Polizei für Irritationen und Verärgerung gesorgt, in dem die Polizei von der Überprüfung Hunderter "Nafris" schreibt. Dies ist eine bei der Polizei gebräuchliche Abkürzung für "Nordafrikanische Straftäter" oder "Nordafrikanische Intensivstraftäter".

27 vorläufige Festnahmen

Die Polizei sprach 190 Platzverweise aus und nahm 92 Personen in Gewahrsam, darunter auch Deutsche. 27 Personen wurden vorläufig festgenommen. Es wurden sieben Sexualdelikte angezeigt, Vergewaltigungen waren nicht darunter. Insgesamt wurden in NRW 25 Sexualstraftaten gemeldet.

Bundespolizei: Treffpunkt Hauptbahnhof

Es hätten sich offenbar Gruppen von Nordafrikanern in Köln verabredet, sagte Wolfgang Wurm, Präsident der für NRW zuständigen Bundespolizeibehörde in Sankt Augustin, zu "Focus Online". "Aufgrund von Smartphone-Chats haben wir herausgefunden, dass sich Gruppen von fahndungsrelevanten Personen abgesprochen haben, dass sie sich in Köln zu Silvester treffen wollen." Als Treffpunkt sei der Hauptbahnhof angegeben worden - um 22.00 Uhr.

Insgesamt habe es eine "merkwürdige Atmosphäre" in der Kölner Innenstadt gegeben, sagte WDR-Reporter Birand Bingül zu tagesschau24. Auf dem Bahnhofsvorplatz habe man den Eindruck gewinnen können, sich in einem Hochsicherheitsbereich aufzuhalten. Dadurch habe die typische Leichtigkeit von Silvester nicht entstehen können. Bingül betonte, dass die Polizei auch Deutsche kontrolliert habe.

Birand Bingül, WDR, zur Kölner Silvesternacht
tagesschau24 17:00 Uhr, 01.01.2017

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Auch in Dortmund, Düsseldorf, Essen und Münster sichtete und beobachtete die Polizei Gruppen nordafrikanischer Männer. Dabei sei in mehreren Hundert Fällen die Identität der Männer festgestellt worden, teilte die Landespolizei in Duisburg mit.

Polizei zieht positive Bilanz nach Silvester in Köln
tagesthemen 23:15 Uhr, 01.01.2017, Birand Bingül, WDR

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Strenge Sicherheitsvorkehrungen in Berlin

Zur größten Silvesterparty Deutschlands in Berlin kamen Hunderttausende. Die große Mehrheit der Besucher habe ausgelassen und friedlich gefeiert, teilte der Einsatzleiter der Polizei, Andreas Sydow, am frühen Morgen via Twitter mit. Vereinzelt seien Frauen auf der Festmeile sexuell belästigt worden, diesen Fällen werde nachgegangen. Außerdem gab es Strafanzeigen wegen unerlaubter Pyrotechnik, Körperverletzungen und Taschendiebstahl.

PolizeiBerlinEinsatz @PolizeiBerlin_E
Es wurden vereinzelt Frauen auf der #Festmeile sexuell belästigt. Wir gehen selbstverständlich jedem Fall nach und berichten.

Rund 1500 Polizisten und 600 Ordner sorgten auf der Partymeile für Sicherheit. Nach dem Lkw-Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt Mitte Dezember war die Festmeile zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule mit Zäunen, Betonblöcken und Fahrzeugen abgeriegelt worden. Besucher wurden streng kontrolliert, Feuerwerkskörper und andere gefährliche Gegenstände waren verboten. Polizisten waren auch mit Maschinenpistolen im Einsatz.

Party am Brandenburger Tor
tagesschau 10:00 Uhr, 01.01.2017

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Polizei Hamburg zufrieden

In Hamburg feierten Zehntausende Menschen friedlich ins neue Jahr. Von den beliebten Treffpunkten wie der Reeperbahn, den St. Pauli Landungsbrücken und am Jungfernstieg habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. Gruppen sogenannter Störer wurden gezielt angesprochen. Die Beamten kontrollierten Ausweise und sprachen Platzverweise aus.

Wegen der Ereignisse vor einem Jahr, als es Hunderte Übergriffe auf Frauen gab, waren auch in der Hansestadt die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Januar 2017 um 10:00 Uhr und 12:00 Uhr sowie tagesschau24 am 01. Januar 2017 um 17:00 Uhr.

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