Bundesinnenminister Horst Seehofer | Bildquelle: dpa

Nach Tod eines Afghanen Rücktrittsforderung gegen Seehofer

Stand: 11.07.2018 17:36 Uhr

Ein Afghane wird aus Deutschland abgeschoben und nimmt sich daraufhin das Leben. Nun werden Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer laut - er geriet mit einer Äußerung massiv in die Kritik.

Nach dem Suizid eines aus Deutschland abgeschobenen Afghanen werden Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer laut. Juso-Chef Kevin Kühnert schrieb bei Twitter, Seehofer sei ein "erbärmlicher Zyniker und dem Amt charakterlich nicht gewachsen". Sein Rücktritt sei überfällig.

Auch SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel übte Kritik und erklärte via Twitter, Zynismus verbiete sich, das hätten die letzten Stunden wieder einmal bewiesen.

Rücktrittsforderungen kamen auch von der Opposition: "Ein Innenminister, der sich öffentlich darüber freut, dass Menschen in ein Kriegsland zurückgeschickt werden, hat offensichtlich nicht nur ein eklatantes Defizit an Mitmenschlichkeit, sondern auch an Qualifikation für sein Amt", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, in Berlin. "Aus meiner Sicht gehört Seehofer entlassen." Linken-Fraktionsvize Jan Korte sagte, das Lachen bleibe Seehofer hoffentlich im Halse stecken. "Es ist höchste Zeit, dass Seehofer geht."

Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Gyde Jensen (FDP), verlangte die Entlassung des CSU-Politikers. "Wer 69 Abschiebungen an seinem 69. Geburtstag feiert, ist offensichtlich falsch im Amt", sagte Jensen dem "Tagesspiegel".

Claudia Roth | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Die Grünen-Politikerin Claudia Roth sagte, Seehofer sei sichtlich vergnügt gewesen als er verkündete, dass ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Asylbewerber in ein Land abgeschoben worden seien, in dem weiter Krieg und Terror wüteten.

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth erklärte, Seehofer sei sichtlich vergnügt gewesen, als er verkündete, dass ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Asylbewerber in ein Land abgeschoben worden seien, in dem weiter Krieg und Terror wüteten, Zivilisten stürben und in dem derartige Perspektivlosigkeit herrsche, dass sich einer der Abgeschobenen nun erhängt habe. Seehofer müsse endlich klar werden, "dass angesichts der weiterhin desaströsen Sicherheitslage Abschiebungen nach Afghanistan nicht zu verantworten sind".

Die frühere Bundesministerin und Bundestags-Vizepräsidentin Renate Schmidt (SPD) schrieb in einem Brief an Seehofer, bei ihm sei offenbar "jeder Anflug von Humanität auf der Strecke geblieben". Das Unglück anderer Menschen könne niemals ein Geschenk oder Glück sein. Sie gab ihm eine Mitschuld am Tod von Migranten im Mittelmeer: "Ab sofort sind die bisher 1400 Toten im Mittelmeer auch ihre Toten", schrieb sie.

69 Flüchtlinge am 69. Geburtstag abgeschoben

Seehofer hatte am Dienstag verkündet, am 4. Juli - dem Tag seines 69. Geburstages - seien 69 Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben worden. "Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 - das war von mir nicht so bestellt - Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden", sagte der CSU-Chef. "Das liegt weit über dem, was bisher üblich war."

Einer von ihnen nahm sich nun in Kabul das Leben. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, wurde der Mann leblos in einer Zwischenunterkunft in Kabul aufgefunden.

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Sollten Sie selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, suchen Sie sich bitte umgehend Hilfe. Bei der Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Ansprechpartner, auch anonym.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2018 um 14:30 Uhr.

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