Wolfgang Schäuble | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

Bundestagspräsident Schäuble "Unionsstreit war dramatisch"

Stand: 12.07.2018 03:51 Uhr

Bundestagspräsident Schäuble hat sich kritisch zum "dramatischen" Unionsstreit über die Asylpolitik geäußert. Dieser habe das Ansehen der Politik "nicht vermehrt". Die harte Linie von Kanzlerin Merkel verteidigte er.

Seit 1972 ist Wolfgang Schäuble Teil des Bundestags - aktuell als Bundestagspräsident. In den vergangenen Jahrzehnten hat er viele Streitigkeiten miterlebt. Doch der Asylstreit der Union war offenbar auch für ihn außergewöhnlich. In einem Interview äußerte er sich zu dem Konflikt: "Es war dramatisch, wir haben alle in den Abgrund geschaut", sagte Schäuble den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Die Fraktionsgemeinschaft war in Gefahr."

Angela Merkel, Wolfgang Schäuble
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Kritischer, aber treuer Begleiter: Schäuble neben Merkel.

Streit hat Ansehen der Politik "nicht vermehrt"

Die Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU habe das Ansehen von Politik "nicht vermehrt". Mit Blick auf die heftigen Verbalgefechte zwischen Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer äußerte sich Schäuble besorgt über die Würde des Amtes der Bundeskanzlerin. "Die Würde des Amtes ist die Würde des Amtes, und wir müssen damit - auch die Inhaberin des Amtes - behutsam umgehen", forderte er.

Gleichzeitig verteidigte der ehemalige Innen- und Finanzminister die Haltung von Merkel. "Wenn in einer solch heftigen Kontroverse ein Mitglied der Bundesregierung exakt das Gegenteil von dem tut, was die Bundeskanzlerin vertritt, dann kann sie aus der der Würde des Amtes heraus nicht anders handeln, als das Kabinettsmitglied zu entlassen", sagte der Bundestagspräsident. 

Schäuble vermittelte im Konflikt

Auf die Frage, ob Seehofer noch vertrauensvoll mit Merkel zusammenarbeiten könne, sagte Schäuble: "Letztlich ringen beide um dieselben Fragen. Wenn man das weiß und sich auf eine gemeinsame Grundlage verständigt, dann kann man auch zu Lösungen kommen. Aber die Lasten, die man in persönlichen Verhältnissen mit sich trägt, sind manchmal nicht ganz leicht."

An der Beilegung des Streits habe auch er mitgewirkt. "Die beiden Handelnden (...) waren in der vertrackten Situation offenbar nicht weitergekommen." Deshalb habe es sie zu einem Gespräch getroffen und vermittelt. "Ich bin nun mal der Dienst- und Lebensälteste in der Union."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Juli 2018 um 06:45 Uhr.

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