Betankung eines Flugzeugs am Münchener Flughafen | Bildquelle: picture alliance / dpa

Beinahe-Eklat in München Niemand wollte Irans Airbus betanken

Stand: 27.02.2018 18:00 Uhr

Offenbar aus Angst, gegen US-Sanktionen zu verstoßen, wollte kein Mineralölkonzern den iranischen Regierungs-Airbus bei der Münchner Sicherheitskonferenz betanken. Die Teilnahme des iranischen Außenministers stand auf dem Spiel - schließlich sprang die Bundeswehr ein.

Von Georg Mascolo, NDR/WDR

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar hat die Bundesregierung nur mit Mühe einen Eklat verhindert. Einer der Stammgäste der Konferenz, der iranische Außenminister Dschawad Sarif, hätte beinahe seine Teilnahme abgesagt, weil sich mehrere am Münchner Flughafen tätige Mineralöl-Firmen offenbar weigerten, seine Maschine aufzutanken.

Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung reiste Sarif erst an, nachdem die Bundeswehr sich stattdessen bereit erklärt hatte, die Betankung der Maschine zu übernehmen. Zuvor hatte das Auswärtige Amt dringend um diese Hilfe ersucht.

Irans Außenminister Sarif spricht während der 54. Münchner Sicherheitskonferenz. | Bildquelle: dpa
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Irans Außenminister Sarif sprach dann doch während der 54. Münchner Sicherheitskonferenz.

Teilnahme nur mit "größter Not" gesichert

Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz sagte gegenüber SZ, NDR und WDR, "nur mit größter Not" sei es gelungen, Sarifs Teilnahme zu sichern. Aufgrund der überaus angespannten Lage in der Region galt der iranische Politiker in München als besonders bedeutsamer Gast. Er sprach direkt nach dem israelischen Premierminister Benjamin Nethanyahu, der Iran "als größte Bedrohung für diese Welt" bezeichnet hatte.

Sarif wollte direkt von einem Staatsbesuch in Indien nach München reisen und von dort wiederum nach Moskau. Das iranische Generalkonsulat in München bemühte sich daher bereits im Vorfeld um eine Betankung des iranischen Airbus. Dies wurde abgelehnt. Der Münchner Flughafen erklärte auf Anfrage, man verkaufe selbst keinen Treibstoff, die damit beauftragten Firmen aber hätten die Lieferung verweigert. Offenbar wurde befürchtet, durch ein solches Geschäft gegen US-Sanktionen zu verstoßen.

Tatsächlich wurden iranische Flugzeuge jahrelang in Europa nicht mit Kerosin versorgt. Dies endete aber weitgehend mit dem Abschluss des sogenannten Nuklear-Abkommens. Gegen den Verzicht auf die Hochanreicherung von Uran wurde die Lockerung der Sanktionen beschlossen. Das eingeschaltete Auswärtige Amt kam daher auch zum Ergebnis, dass die iranische Maschine in München betankt werden könne. Dies verweigerten die Firmen offenbar dennoch.

Luftwaffe sprang ein

Zeitweilig wurde erwogen, die Maschine von Sarif in Wien oder Nürnberg aufzutanken. Ischinger schaltete schließlich das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium ein und bat um Hilfe; er befürchtete Sarif "als Teilnehmer der Sicherheitskonferenz zu verlieren". Letztlich übernahm die Luftwaffe die Betankung des iranischen Airbus.

Noch während Sarif auf der Sicherheitskonferenz sprach, wurden von Soldaten 17.000 Liter Kerosin in die auf dem Münchner Flughafen geparkte Maschine gepumpt. Zuvor hatte die Bundeswehr eigens eine Genehmigung für eine sogenannte "Fremdbetankung" beantragen müssen - denn eigentlich hat sie auf dem zivilen Flughafen in München keine Zuständigkeit.

Ischinger kritisiert den Vorgang: "Was immer man von Sanktionen halten will, hier hätten sie beinahe dazu geführt, dass wir in einer gefährlichen Lage nicht einmal mehr miteinander reden können."

Bundeswehr musste iranische Regierungsmaschine betanken
Andreas Braun, NDR
28.02.2018 06:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2018 um 23:00 Uhr.

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