Polizisten verlassen nach einer Razzia in Hannover ein Haus. | Bildquelle: dpa

Bundesweite Fahndung Festnahmen bei Islamisten-Razzien

Stand: 04.02.2016 12:58 Uhr

Bei landesweiten Razzien hat die Polizei drei mutmaßlich gewaltbereite Islamisten festgenommen - darunter auch ein Algerier. Er soll für den IS in Syrien gekämpft haben und als Flüchtling getarnt nach Deutschland eingereist sein. Die Gruppe soll möglicherweise einen Anschlag geplant haben.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Heute morgen schlugen die Ermittler zu: Hunderte Beamte waren zeitgleich in Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Durchsucht wurden zwei Wohnungen und zwei Betriebe in Berlin, sowie eine Flüchtlingsunterkunft bei Hannover und in Attendorn in Nordrhein-Westfalen.

Bei den Razzien wurden drei Personen festgenommen: zwei mutmaßlich gewaltbereite Islamisten und eine Frau. Gegen sie lagen bereits Haftbefehle vor. Bei einem vierten Verdächtigen wurden lediglich die Personalien aufgenommen.

Einreise als Flüchtling getarnt

Die Gruppe wird verdächtigt, möglicherweise einen Anschlag geplant zu haben. Hauptverdächtiger ist ein 35-jähriger Algerier, der in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Attendorn im Sauerland festgenommen wurde. Auf ihn war das Bundesamt für Verfassungsschutz aufmerksam geworden. Den Verfassungsschützern war es gelungen, ihn in der Flüchtlingsunterkunft zu lokalisieren. Der Mann soll in Syrien für den IS gekämpft haben. Auf Fotos, die den Behörden vorliegen, posiert er mit Waffen. In Algerien wird er bereits seit längerem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gesucht. Der Mann ist nach rbb-Informationen als Flüchtling getarnt nach Deutschland eingereist und soll verschiedene Identitäten verwendet haben. Unklar ist jedoch, warum er den IS verlassen hat, wie eng seine Verbindung zum IS noch war, und ob er hier möglicherweise im Auftrag des IS Anschläge verüben sollte.

Spuren führen nach Molenbeek

Über den Hauptverdächtigen gerieten auch die drei anderen Verdächtigen ins Visier der Ermittler. Dazu gehört ein Algerier, der in Isernhagen bei Hannover in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht ist. Er wurde nicht verhaftet, soll aber in den kommenden Tagen verhört werden. Der Mann war regelmäßig nach Brüssel gereist, und hatte sich dort auch in Molenbeek, dem islamistischen Hotspot der belgischen Hauptstadt, aufgehalten.

Ob die Gruppe tatsächlich Pläne hatte, einen Anschlag in Deutschland zu verüben, muss erst noch die Auswertung der sichergestellten Handys und Computer ergeben. Die Gruppe habe sich jedoch auffällig konspirativ verhalten, heißt es in Sicherheitskreisen. So habe man häufig die Handys gewechselt und darauf geachtet, nur verschlüsselt zu kommunizieren. Bei den Durchsuchungen wurden jedoch keine Waffen gefunden. Die Auswertung der Handys und Computer dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen.

Razzia gegen Islamisten - Festnahmen und Durchsuchungen
M. Götschenberg, ARD Berlin
04.02.2016 11:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Februar 2016 um 09:15 Uhr.

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Michael Götschenberg, RBB

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