RAF | Bildquelle: dpa

Verdächtiges Terror-Trio Ist die Rentenkasse der RAF leer?

Stand: 19.01.2016 15:46 Uhr

Sie sind die letzten RAF-Terroristen auf der Fahndungsliste und fast in Vergessenheit geraten. Doch nun könnten Ermittler das Trio Garweg, Staub und Klette schnappen. Denn sie werden älter, brauchen Ärzte. Das erhöht den Druck, Geld zu beschaffen.

Von Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte

Es sind aktuelle Spuren zu früheren RAF-Terroristen - und doch sind die Taten keine Terrorismus-Fälle, sagt der Generalbundesanwalt. Die zwei gescheiterten Raubüberfälle in Niedersachsen im Juni und Dezember 2015 sind Fälle für die örtliche Staatsanwaltschaft. Anhaltspunkte für einen terroristischen Bezug gebe es derzeit nicht, heißt es in Karlsruhe.

Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette | Bildquelle: AP
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Fahndungsbilder der gesuchten Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette

Brutale Anschläge - ohne Erfolg

Das ändert nichts daran, dass beide Raubüberfälle ungeheuer brutal abgelaufen sind - und doch erfolglos waren: In Groß Mackenstedt nahe Bremen und in Nordsteimke bei Wolfsburg lauerten die jeweils wohl drei Täter Geldtransportern auf, die an Real-Supermärkten die Tageseinnahmen abholen sollten.

Mit einer Panzerfaust und Sturmgewehren versuchten die Täter in beiden Fällen an das Geld zu kommen. Im Juni in Groß Mackenstedt gelang es den Tätern dabei sogar, mit Spezialmunition die Panzerung des Geldtransporters zu knacken. Doch die Wachleute im Wagen hatten die Türen verriegelt und blieben cool - der Überfall scheiterte.

Ende Dezember in Nordsteimke verlief der zweite Raubüberfall kaum weniger dramatisch: Der Fahrer des gepanzerten Geldtransporters gab einfach Gas und flüchtete mit dem Geld - aber ohne seinen Kollegen. Deshalb blieben die Täter auch hier ohne Beute.

Spuren nach Raubüberfall bei Bremen und Wolfsburg führen zur RAF
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.01.2016, Angelika Henkel, NDR

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Die letzten RAF-Terroristen

Durch Spuren am Tatort, aber auch durch Parallelen bei der Durchführung der Taten, ist sich die Polizei sehr sicher, dass zu den Tätern mindestens die drei als RAF-Terroristen gesuchten Personen Burkhard Garweg, Daniela Klette und Volker Staub gehören. Sie sind die derzeit letzten mutmaßlichen RAF-Terroristen auf der Fahndungsliste des BKA - und werden neben den aktuellen Überfällen für einen weiteren Raubüberfall in Duisburg 1999 und den Sprengstoffanschlag auf einen Gefängnis-Neubau im südhessischen Weiterstadt gesucht, bei dem 1993 ein Schaden von mehr als 60 Millionen Euro entstand.

Daniela Klette soll zudem an zwei weiteren RAF-Taten beteiligte gewesen sein: An einem gescheiterten Sprengstoffanschlag 1990 in Eschborn auf die Deutsche Bank und an Schüssen auf die US-Botschaft in Bonn 1991. Doch diese Terror-Taten sind auch aus Sicht der Bundesanwaltschaft Vergangenheit. 1998 löste sich die RAF selbst auf, schon beim Überfall auf einen Geldtransporter 1999 gingen die Ermittler nicht mehr von einer Beteiligung der RAF aus - wohl aber noch von einer terroristischen Vereinigung.

"Sie werden älter, brauchen Ärzte"

Die aktuellen Taten gelten - etwas paradox - als "normale" schwere Kriminalität, auch wenn sich die Ermittler sicher sind, dass die früheren Terroristen damit Geld zum Leben im Untergrund beschaffen wollen - wie schon in ihrer aktiven Terror-Zeit. Übrigens eine Parallele zu den Rechtsterroristen des "NSU".

Im Juni und Dezember ging die Geldbeschaffungsaktionen schief. Gut denkbar also, dass nun der Druck auf die Untergetauchten größer wird. Für die Ermittler ist das eine gute Chance, auch Jahrzehnte nach den RAF-Taten die Terroristen noch zu erwischen. Manch altgedienter Ermittler bei der Bundesanwaltschaft und beim Bundeskriminalamt rechnet damit schon länger: "Die Zeit arbeitet gegen sie, sie werden älter, brauchen Ärzte und haben keine Altersversorgung", sagt ein hochrangiger Ermittler.

Terror-Trio in Geldnot?
H. Schmidt, SWR
19.01.2016 15:56 Uhr

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