Angela Merkel un ein Trikot der Fußballnationalelf | Bildquelle: dpa

Pro und Contra Soll Merkel zur WM nach Russland reisen?

Stand: 10.06.2018 04:25 Uhr

Fußball ist ein Volkssport und die Kanzlerin sollte beim WM-Finale dabei sein - auch wenn Putin danebensitzt, meint Palina Willing. Zu Hause jubeln und ein Zeichen setzen, findet dagegen Moritz Stadler.

Pro: Mitfiebern und jubeln

Von Palina Milling, WDR


Wenn die deutsche Mannschaft im Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft steht, ist es mehr als in Ordnung, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel der Nationalelf dann auf der Tribüne zujubelt. Fußball ist doch ein Volkssport. Merkel würde bei der WM also die deutschen Fans vertreten. Natürlich nicht ohne Kalkül. Und natürlich nicht, ohne für sich politisches Kapital zu schlagen. Wie jeder Staatsvertreter beim Besuch einer WM. Und damit würde Merkel nichts anderes tun, als Russlands Präsident Wladimir Putin: Sich im Glanze des beliebtesten Sports sonnen. Mit ein bisschen Glück auch im Glanze der Weltmeister. 

Und es ist egal, dass ein paar Sitze weiter auch Putin mitfiebert. Trotz Annektierung der Krim, trotz Unterstützung von Assad im Syrienkrieg und Abschusses der MH17 redet das offizielle Berlin mit Putin. Sein Image als Autokrat, der sich weder um die Demokratie im eigenen Land noch um internationales Recht schert, würden ein paar Bilder neben europäischen Politikern bei der WM nicht aufpolieren. Keiner würde doch glauben, Putin sei dadurch auf einmal Demokrat geworden. Merkel könnte ja bei Gelegenheit sogar Courage zeigen und trotz Fußballlaune das Vorgehen des Regimes anmahnen.

Grundsätzlich: Hinfahren oder nicht - die Diskussion ist scheinheilig. Merkel lasse sich durch Putin instrumentalisieren? Da wäre sie nicht die einzige. Würde einer wegschalten, nur weil die WM in Russland stattfindet? Nein. Wir werden diese WM in Russland schauen. Und natürlich steckt dahinter Putins Kalkül, durch die WM in einem besseren Licht zu stehen. Genauso, wie das schon bei den Olympischen Spielen der Fall war.

Solange die Öffentlichkeit die Vergabe der internationalen Sportereignisse an China, Russland oder Katar hinnimmt, muss keiner der Staatschefs Hemmungen haben, diesen auch beizuwohnen. Auch Merkel nicht.  

Kanzlerin Angela Merkel bei der Nationalelf im italienischen Eppan | Bildquelle: dpa
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Kanzlerin Merkel beim kürzlichen Besuch der Nationalelf im WM-Vorbereitungscamp im italienischen Eppan.

Contra: Ein Zeichen gegen Putin setzen

Von Moritz Stadler, WDR

Wenn Merkel oder Steinmeier nach Russland fliegen, legitimieren sie alles, was mit diesem Turnier zusammenhängt: Die korruptionsdurchsetzte FIFA, die Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen und vor allem: den Präsidenten des Gastgeberlandes. Den Mann, der die Krim annektiert hat, der - auch wenn er es leugnet - politisch für den Abschuss von MH17 verantwortlich ist und dem fast jede Methode recht ist, Kritiker mundtot zu machen: Wladimir Putin.

Neben ihm wird Merkel jubeln, wenn Deutschland ein Tor schießt. Die Bilder werden dann weltweit in jedem Jahresrückblick gezeigt. Immer mit der Botschaft: Egal was war, Deutschland hat ein Tor geschossen und die Bundeskanzlerin hat eine gute Zeit. Fragen zu Demokratie und Menschenrechte haben da keinen Platz.

Putin darf ungestört lächeln und sich selbst applaudieren. So wie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Sotchi 2014. Damals blieben der damalige Bundespräsident Joachim Gauck und die Bundeskanzlerin übrigens aus Protest zu Hause. Zu Erinnerung: Die Absage kam Ende 2013, zwei Monate vor der Eskalation in der Ukraine. Seitdem hat Russland nichts unternommen, was eine andere Entscheidung als die erneute Absage rechtfertigen würde.

Dass man ein Zeichen gegen Putin setzen und trotzdem die WM feiern kann, macht Islands Präsident Jóhannesson vor: Obwohl sich die Isländer zum ersten Mal überhaupt für eine WM-Endrunde qualifiziert haben und der Präsident glühender Fußballfan ist, bleibt er zu Hause. Der Protest ist ihm wichtiger. Statt nach Russland zu fahren, ruft er nun alle Fans der Isländer auf, mit ihm zu feiern. Wer sagt denn, dass die beste WM-Party im Stadion stattfinden muss? Daran sollten sich Merkel und Steinmeier ein Beispiel nehmen und die Spiele so feiern wie die meisten Fans: mit Freunden und zu Hause.

Pro und Contra: Sollten Spitzenpolitiker zur WM nach Russland reisen?
12.06.2018, Moritz Stadler, Palina Milling, WDR

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 10. Juni 2018 um 23:53 Uhr.

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