Frank-Walter Steinmeier im Bundestag | Bildquelle: dpa

Steinmeier im Porträt Das Reden bleibt

Stand: 11.02.2017 18:12 Uhr

Ein Bundespräsident müsse "Mutmacher" sein, hatte Frank-Walter Steinmeier bei seiner Nominierung gesagt. Wer ist der Mann, der die deutsche Außenpolitik über viele Jahre geprägt hat? Wie will er künftig Akzente setzen?

Von Christoph Prössl und Jörg Seisselberg, ARD-Hauptstadtstudio

Am 16. November des vergangenen Jahres trat Frank-Walter Steinmeier mit den Vorsitzenden der drei Regierungsparteien im Reichstag vor die Presse. Es sei ihm eine Ehre, in diesen stürmischen Zeiten für das höchste Staatsamt vorgeschlagen zu werden. Fast sieben Minuten redete Steinmeier: "Ein Bundespräsident kann die Welt nicht einfacher machen, als sie ist. Ein Bundespräsident darf kein Vereinfacher sein, er muss ein Mutmacher sein, ich jedenfalls will die Kräfte wecken, die in dieser Gesellschaft stecken."

Eine Herausforderung in einem Land, das über Flüchtlinge, soziale Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit der Politik diskutiert. Gerade auch, weil der Bundespräsident mit seinen Worten bei weitem nicht jeden erreicht. Eine große Aufgabe für einen Polit-Profi. Steinmeiers Karriere begann in Hannover, nach dem Studium. Der Jurist kam 1991 auf Empfehlung zu Gerhard Schröder, damals noch Ministerpräsident in Niedersachsen. "Seine Vorlagen waren immer nur eine Dreiviertel-Seite - und das war genau das Format, das Schröder auch schätzte. Er erkannte sofort den Sachverhalt und konnte sofort eine Lösung dafür finden", sagt Heino Wiese, als SPD-Bezirksgeschäftsführer einer der Strippenzieher im Umfeld Schröders.

Vor der Bundespräsidentenwahl
tagesthemen 23:26 Uhr, 12.02.2017, Moritz Rödle, ARD Berlin

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Rasanter Aufstieg

Der politische Aufstieg lief ab da rasant: Büroleiter, Chef der Staatskanzlei in Hannover. Nach Schröders Wahlsieg 1998 ging Steinmeier mit nach Bonn und Berlin als Kanzleramtschef. Agenda 2010 und Hartz IV - Steinmeier arbeitete daran mit. Für viele Linke ein Kritikpunkt.

Steinmeier wurde Außenminister, später 2009 Kanzlerkandidat und fuhr eine krachende Niederlage ein: "Das Ergebnis ist ein bitterer Tag für die deutsche Sozialdemokratie. Da gibt es nichts drum rum zu reden. Das ist eine bittere Niederlage", räumte er ein. Doch Steinmeier gab nicht auf und blieb in der Politik als Vorsitzender der Bundestagsfraktion.

Nierenspende für die Ehefrau

Im Jahr 2010 spendete er seiner erkrankten Ehefrau eine Niere und zieht sich dafür vorübergehend aus der Politik zurück. Seine Biografen Torben Lütjen und Lars Geiges werten diesen menschlich-privaten Schritt als Ansehensgewinn für den Politiker Steinmeier: "Alles, was die Menschen ohnehin an ihm schätzten, wurde durch die Geschichte der Transplantation verstärkt, nämlich Verantwortungsbewusstsein, ohne viel Gewese darum zu machen und Opferbereitschaft".

In der folgenden Großen Koalition 2013 wird er erneut Außenminister - ein Amt, das er erkennbar mochte. Im Parlament resümierte er vor kurzem: "Ich glaube, ja, wir haben in der Tat mehr Verantwortung gewagt in diesen Jahren." Das war ein Leitsatz seiner Außenpolitik. Auch militärisch gemeint, was viele kritisierten, aber vor allem politisch. Deutschland verhandelte mit Frankreich, Russland und der Ukraine über einen Frieden in der Ostukraine. Die Bundesregierung war an den Gesprächen zum Nuklearabkommen mit dem Iran beteiligt.

Mehr als eine Woche pro Reise

Dazwischen unzählige Gespräche, Bemühungen, Initiativen: Kolumbien, Kaukasus, Saudi-Arabien. "Wir sind bei 200 und ein paar zerquetschten Reisen - wenn man das auf die Wochen herunter bricht, drei Jahre und ein Monat, das sind 160 Wochen so über den Daumen gepeilt, dann können sie sehen, dass pro Woche "eins Komma so viel Reisen waren", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer.

Die Maßeinheit für den Erfolg als Bundespräsident wird anders aussehen. Statt Flugmeilen - ja was? Reden, die Mut machen, die Menschen zusammenbringen. Steinmeier tauscht den Verhandlungstisch gegen die Kanzel. Das Reden bleibt.

Porträt: Frank-Walter Steinmeier
C. Prössl, ARD Berlin
09.02.2017 13:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Februar 2017 um 15:00 Uhr.

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