De Maizière nach seiner Aussage vor dem Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestags inmitten von Mikrofonen

Politikfrust: Welche Rollen spielen die Medien? Drama, Baby!

Stand: 03.08.2016 04:01 Uhr

Dramatisieren Journalisten heutzutage mehr als früher? Und tragen sie damit zur Politikverdrossenheit bei? Klar ist in jedem Fall: In Zeiten des Internets gibt es so viele Informationen wie nie zuvor. Sie zu ordnen, wird immer schwieriger.

Von Martin Mair, ARD Berlin

Die Kameras klicken im Sekundentakt, dutzende Journalisten umringen die Kanzlerin. Der Auflauf ist gewaltig - wie so oft im politischen Berlin. Die Medien sind dabei, wann immer ein Politiker öffentlich auftritt. Und die sind auf der Hut, sagt CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach: "Bei uns gibt es ja mittlerweile den Standardspruch: Jeder Satz muss für sich allein stehen und auch gesendet werden können."

Vor zwanzig Jahren, als Bosbach zum ersten Mal in den Bundestag einzog, war das noch anders. Damals gab es nur Zeitungen, Radio und Fernsehen - heute gibt das Internet den Takt vor. Die Medien berichten im 24-Stunden-Rhythmus und immer schneller. Einerseits gut, anderseits auch eine Gefahr: "Die Medien haben eine Mitverantwortung – ich will nicht Mitschuld sagen - dafür, dass uns die Probleme heute so erdrückend vorkommen", räumt der Herausgeber des "Handelsblatts", Gabor Steingart, ein.

Was ist wahr? Und was will ich glauben?

Das beobachtet auch der Kommunikationsforscher Martin Emmer. Dank des Internets sind Informationen heute für jeden sofort verfügbar, nur: Sie einzuordnen und zu gewichten, sei nicht so einfach. Früher hätten das Journalisten übernommen, so Emmer. "Heute dagegen, wenn ich selbst im Netz unterwegs bin, muss ich sehr viel häufiger selbst entscheiden, was ist relevant, was ist wahr, was ist nicht wahr, und das ist vielleicht gerade auch wichtig, wenn es um Politikverdrossenheit geht: Was will ich eigentlich glauben und was nicht?"

Dazu kommt, dass Journalisten nicht mehr automatisch für Glaubwürdigkeit stehen. War das Vertrauen in die tagesschau früher groß, ist heute von "Lügenpresse" die Rede. Nicht nur Pegida-Anhänger glauben, dass Medien im Auftrag der Regierung berichten würden. Und, so zeigen es Forschungen, der Hang zur Dramatisierung hat zugenommen.

"Es ist heute leichter, den Verdruss auszuleben"

Ob Medien allerdings damit zum Politikfrust beitragen, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Forscher Emmer ist skeptisch. Er hält es für wahrscheinlicher, dass sich der Ärger über Politik dank Internet leichter verbreiten lässt. "Es ist heute vielleicht sehr viel leichter, seine Verdrossenheit auszuleben, und man schaut sich in der Regel eher auch das an, was man selber gut findet."

Und hört weniger auf andere Argumente. Frust statt Diskussion, obwohl es heute so leicht ist wie nie an Informationen zu kommen. Nur: Man muss auch wissen, wie man damit umgeht.

Medien und Politikfrust – zwischen Aufklärung und Skandalisierung
M. Mair, ARD Berlin
02.08.2016 16:50 Uhr

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