Pisa-Studie | Bildquelle: dpa

Neue Ergebnisse der PISA-Studie Einfachste Aufgaben sind ein Problem

Stand: 10.02.2016 10:01 Uhr

Deutschland macht Fortschritte bei der Förderung von leistungsschwachen Schülern. Das geht aus aktuellen Ergebnissen der PISA-Studie hervor. Grund zum Jubeln gibt es dennoch nicht. Denn viele Schüler können selbst die einfachsten Aufgaben nicht lösen.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Als erstes hat der PISA-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher, eine gute Nachricht: Deutschland gehört zu der recht kleinen Gruppe von OECD-Staaten, die bei den leistungsschwachen Schülern besser dastehen als 2003. Deutschland habe einiges richtig gemacht, lobt Schleicher. Ein ganzes "Maßnahmenbündel" - darunter frühkindliche Diagnostik und Förderung - habe dazu beigetragen, dass schwache Kinder nun schneller erkannt und besser gefördert würden.

Die schlechte Nachricht folgt aber sofort: Immer noch scheitern in Deutschland zwischen 12 und 18 Prozent der 15-Jährigen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften an den Grundkenntnissen, die nach Ansicht der OECD nötig sind, um voll an unserer modernen Gesellschaft und Arbeitswelt teilzunehmen. Probleme bereitet es den Schülern unter anderem, Diagramme zu verstehen, Euro in Dollar umrechnen oder Texte zu lesen. "Einfachste Leseaufgaben, bei denen es wirklich nur darum geht, einen Sinn zu verstehen oder einfachste Informationen zu extrahieren. All solche Sachen sind dort infragegestellt", sagt Schleicher.

OECD-Pisa-Auswertung
S. Müller (HR, ARD Berlin)
10.02.2016 09:52 Uhr

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Riesiger wirtschaftlicher Schaden

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt vor dem großen volkswirtschaftlichen Schaden, der dadurch entstehe. Übers Arbeitsleben dieser Jugendlichen gerechnet seien es 3,6 Billionen Euro.

Porträt von PISA-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher (Archivbild). | Bildquelle: dpa
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Andreas Schleicher: Weitere Anstrengungen in Deutschland nötig.

Auch diese PISA-Auswertung zeigt mal wieder: Für Schüler aus sozial benachteiligten Elternhäusern ist das Risiko, als leistungsschwach zu enden, viel höher als für Kinder aus wohlhabenderen Schichten. Allerdings ist das nicht der einzige Risikofaktor. Auch wer wenig oder keine frühkindliche Erziehung genießt oder im ländlichen Raum aufwächst, bringt später verstärkt schwache Leistungen.

OECD fordert mehr Anstrengungen

Die OECD fordert unter anderem, leistungsschwache Schüler noch früher zu identifizieren und gezielter zu fördern, sozial benachteiligte Familien verstärkt zu unterstützen und spezielle Förderprogramme für den ländlichen Raum einzurichten. Was die OECD besorgt, ist, dass Deutschland seine Fortschritte bei den leistungsschwachen Schülern vor allem in den Jahren 2003-2009 erzielt hat. Seitdem herrscht praktisch Stillstand.

Warum ist das so? Darauf hat Andreas Schleicher leider keine Antwort. Dabei wäre das gerade in der aktuellen Situation sehr interessant, wo Zehntausende Flüchtlingskinder integriert werden müssen, bei denen meist mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. Schleicher hält übrigens nichts von den sogenannten Integrations- oder Willkommensklassen, in denen Flüchtlingskinder separat unterrichtet werden: "Stecken Sie die in eine normale Mathematik - oder Naturwissenschaftsklasse oder Geschichtsklasse. Dann werden sie deutlich schneller Deutsch lernen als in irgendeiner Integrationsklasse."

Die Auswertung zu den leistungsschwachen Schülern ist eine der letzten aus der PISA-Studie 2012. Im vergangenen Jahr gab es neue, große PISA-Tests - diese Ergebnisse werden ab kommenden Dezember veröffentlicht.

Stichwort

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, engl. für "Organanization for Economic Co-Operation and Development") ist die bedeutendste Vereinigung westlicher Industrieländer zur Koordinierung der Wirtschafts-, Handels- und Entwicklungspolitik. Sie wurde 1961 gegründet und hat derzeit 34 Mitgliedsländer.

Die OECD setzt sich ein für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, für einen höheren Grad an Beschäftigung und für eine Steigerung des Lebensstandards beim Erhalt von Geldwert- und Preisstabilität. Außerdem zählt sie es zu ihren Zielen, den weltweiten Handel zu stärken und wirtschaftliches Wachstum auch in Nichtmitgliedsländern, besonders in Entwicklungsländern, zu unterstützen.

Die Organisation berät die Mitgliedsländer bei wirtschaftlichen Problemen, sie veröffentlicht Berichte zu ihrer wirtschaftlichen Lage und koordiniert die öffentliche Entwicklungshilfe. Die OECD ist auch Veranstalter des weltweit größten Schulleistungstests PISA.

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