"Pegida"-Kundgebung | Bildquelle: dpa

Nach politischer Hetze bei "Pegida" Verlage kündigen Pirinçci

Stand: 20.10.2015 17:07 Uhr

Seine Hetze bei dem "Pegida"-Auftritt in Dresden hat für Akif Pirinçci nicht nur juristische, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen. Die Bertelsmann-Verlage kündigten die Verträge mit dem deutsch-türkischen Autor. Auch "Pegida"-Chef Bachmann distanzierte sich.

Die politische Hetze des deutsch-türkischen Autors und Rechtspopulisten Akif Pirinçci bei der "Pegida"-Kundgebung in Dresden hat Konsequenzen. "Wir ermitteln wegen des Verdachts der Volksverhetzung", sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase in Dresden. Konkret gehe es um den Satz: "Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb". Pirinçci hatte diesen Satz am Montag nicht auf Flüchtlinge bezogen. Vielmehr versuchte er damit, deutsche Politiker zu verunglimpfen, die - so seine Wortwahl - "zunehmend als Gauleiter gegen das eigene Volk" agierten.

"Wer hetzt, kann sich nicht auf die freie Meinungsäußerung berufen. Er hat die Grenze der Meinungsfreiheit längst überschritten", kommentierte Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich die Ermittlungen.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Akif Pirinçci
tagesthemen 22:15 Uhr, 20.10.2015, Gerd Haunert, MDR

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Verlage auf Distanz zum Autor

Doch es gibt nicht nur juristische Konsequenzen. Seine Äußerungen haben auch wirtschaftliche Folgen für Pirinçci. Die Bertelsmann-Töchter Diana, Goldmann und Heyne nannten die Äußerungen des Autors "inakzeptabel". Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung der Random-House-Verlage:

"Die Verlage Diana, Goldmann und Heyne haben mit großer Bestürzung und Unverständnis die Aussagen des Autors Akif Pirinçci auf der gestrigen 'Pegida'-Kundgebung in Dresden zur Kenntnis genommen und distanzieren sich entschieden. Der Schutz von Demokratie und Menschenrechten ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres verlegerischen Schaffens, ebenso wie der Respekt vor Traditionen und dem Wunsch nach kultureller Vielfalt. Die Aussagen von Akif Pirinçci stehen diesen Werten diametral entgegen."

Die Verlage kündigten an, die bereits vor Jahren veröffentlichten, ausschließlich belletristischen Bücher von Pirinçci umgehend zu sperren und nicht mehr anzubieten.

"Pegida"-Chef Bachmann: ein "unmöglicher Auftritt"

Auch "Pegida"-Chef Lutz Bachmann reagierte auf den Pirinçci-Auftritt in Dresden. Der Autor habe am Montagabend vor der Semperoper eine nicht abgesprochene Rede gehalten, schrieb Bachmann bei Facebook. "Ich hätte in diesem Moment die einzig richtige Entscheidung treffen müssen und sofort das Mikro abschalten." Er trage die alleinige Schuld "für diesen unmöglichen Auftritt", deshalb bleibe ihm nichts übrig, als sich "öffentlich und aufrichtig zu entschuldigen".

Der Auftritt des Autors spaltete selbst die "Pegida"-Anhänger. "Viele Leute waren entsetzt", sagte der frühere "Pegida"-Mitorganisator René Jahn der Deutschen Presse-Agentur. Viele hätten das Gelände verlassen wollen, seien aber wegen der dicht stehenden Menge gar nicht weggekommen.

Lutz Bachmann spricht auf der "Pegida"-Kundgebung in Dresden. | Bildquelle: AFP
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Lutz Bachmann spricht auf der "Pegida"-Kundgebung in Dresden.

Bachmann entschuldigt sich bei Facebook für den Pirinçci-Auftritt in Dresden. (Sreenshot)
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Am Tag danach entschuldigt er sich bei Facebook für den Pirinçci-Auftritt. (Screenshot)

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