Zwei Pflegerinnen stützen einen Bewohner in einem Pflegeheim. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Reform der Pflegeberufe Aus drei mach eins

Stand: 18.03.2016 10:46 Uhr

Gesundheitspolitiker sind sich einig: Der Pflegeberuf muss attraktiver werden, weil es an Nachwuchs mangelt. Deshalb soll die Ausbildung in der Alten- und Krankenpflege zusammengelegt werden. Heute berät der Bundestag über einen entsprechenden Gesetzentwurf.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Jacqueline ist unterwegs auf ihrer ersten Runde. Resolut öffnet die Altenpflegerin die Tür, knipst das Licht an und eilt ins Bad. Es ist kurz nach halb sieben, die 28-Jährige kommt zum Waschen. Trotz engem Zeitplan und Stress ist sie überzeugt: Sie habe ihren Traumjob gefunden, sagt Jacqueline.

Die Pflegebedürftigen seien "sehr dankbar für die Unterstützung oder wenn man sich mal eine Viertelstunde mit ans Bett setzt, sich mit ihnen unterhält und sie ihre Bedürfnisse mitteilen können. Das macht schon Spaß."

Bundestag berät über Reform der Pflegeberufe
tagesschau 12:00 Uhr, 18.03.2016

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Ein Mittel gegen mangelnden Nachwuchs?

Doch die Altenpflege-Branche hat ein Problem: Seit Jahren fehlt es an Nachwuchs. Die Bundesregierung will gegensteuern, den Beruf attraktiver machen. Aus drei mach eins, lautet das Stichwort: Die bislang getrennten Ausbildungen zu Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege würden zusammengelegt, sagt der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl Josef Laumann.

Wer wolle, dass die Pflege in Deutschland "eine Profession" mit gleichem Rang wie andere Berufe im Gesundheitswesen werde, der müsse "die Gräben zwischen Alten- und Krankenpflege zuschütten".

Mit langem Vorlauf

Herauskommt eine Pflegefachkraft, die im Altenheim ebenso arbeiten kann wie im Krankenhaus. Die Idee dazu hatten bereits die Vorgänger des derzeitigen Gesundheitsministers Hermann Gröhe, das Gesetz schlummerte aber lange in der Schublade. Zur Stunde berät der Bundestag erstmals darüber.

Dringend nötig, findet Laumann - denn die Grenzen zwischen Alten- und Krankenpflege verschwimmen. "Heute sind 50 Prozent der Patienten im Krankenhaus über 65. Aber wenn sie in ein Altenheim gucken, sind die Menschen alt, aber in der Regel auch krank." Und möglicherweise sogar dement. Deshalb, so Laumann, brauche man die Kompetenzen von Krankenpflege im Altenheim und umgekehrt die Kompetenzen der Altenpflege im Krankenhaus.

Pflegehelferin und Pflegehausbewohnerin | Bildquelle: dpa
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Pflege beginnt mit Zuhören, doch nicht nur in den Seniorenheimen fehlt es an Fachkräften.

Private Anbieter beklagen Nachteile

Viele Verbände unterstützen das Konzept, darunter große Heimbetreiber wie Caritas und Diakonie. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, kurz bpa, ist dagegen skeptisch. Präsident Bernd Meurer war selbst einmal Krankenpfleger. Er sagt: Die neue Ausbildung werde den Fachkräftemangel nicht beheben, sondern verstärken.

Auch von der Wissenschaft werde nicht mehr bestritten, so Meurer, "dass am unteren Ende Menschen wegfallen werden, die einfach Angst davor haben, den komprimierten Stoff in den drei Jahren zu erlernen". Kritik kommt auch von der Opposition. Die Grünen fordern, die Ausbildungsreform auszusetzen. Die Altenpflege könne weiter ins Hintertreffen geraten, so die Sorge.

Das Schulgeld fällt weg

In einem Punkt aber stimmen alle dem Gesetz zu: Das Schulgeld, immerhin in fünf Bundesländern noch zu zahlen, wird abgeschafft. Und der erste Jahrgang zum neuen Beruf Pflegefachkraft startet erst 2018.

Altenpflegerin Jacqueline will nicht beurteilen, ob die Reform einen Sinn ergibt oder nicht - wichtig ist für sie nur, dass sie genügend motivierte Kolleginnen hat. Denn die Zeit zur Pflege ist immer zu knapp.

"Man kriegt ja schon bei einigen Bewohnern mit, bei denen die Angehörigen nicht so oft ins Haus kommen, dass sie da schon ein bisschen Sehnsucht haben und sich mal jemanden Wünschen, der sich an die Bettkante setzt und sich mit ihnen unterhält." Im Alltag klappe das zu selten, sagt die 28-Jährige. Und ist schon auf dem Weg zur nächsten Bewohnerin.

Korrespondent

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Martin Mair, MDR

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