Krankenpflegerin | Bildquelle: dpa

Pflegeberufe werden vereinheitlicht Krankenschwester war gestern

Stand: 13.01.2016 18:00 Uhr

Die Bundesregierung will Pflegeberufe attraktiver machen - und führt die unterschiedlichen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderpflege zusammen. Ab 2018 gibt es neue Bezeichnungen: Pflegefachfrau und Pflegefachmann.

Von Daniel  Bauer, ARD-Hauptstadtstudio

Nein, reich wird man als Altenpfleger nicht. Je nach Bundesland liegt das Bruttogehalt bei gut 2000 Euro. Und auch die beruflichen Aufstiegschancen sind momentan eher überschaubar.

Kein Wunder also, dass der Job auch bei vielen Haupt- und Realschülern nicht gerade ganz oben auf der Wunschliste steht. Das weiß auch Familienministerin Manuela Schwesig: "Für viele junge Leute ist es heute nicht besonders attraktiv zu sagen: 'Ich lerne Altenpfleger und weiß, das kann ich jetzt mehrere Jahrzehnte bis zur Rente machen.'"

"Diese Generalisierung muss sein"

Das liegt daran, dass ein Wechsel - zum Beispiel in die deutlich besser bezahlte Krankenpflege - nicht so leicht möglich ist. Zwei Berufe, zwei Ausbildungen. So war es bisher, aber so soll es nach dem Willen der Ministerin nicht bleiben. "Wer möchte, dass die Altenpflege in der gesellschaftlichen Anerkennung endlich aufgewertet wird - in der Anerkennung des Abschlusses und in der Bezahlung - der muss für diese Generalisierung sein", sagt Schwesig.

Und Generalisierung heißt: Künftig wird es nicht mehr die Altenpflegerin oder die Krankenpflegerin geben, sondern die Pflegefachfrau oder den Pflegefachmann. Ein Berufszweig, eine gemeinsame Ausbildung. Und auch die Kinderkrankenpflege wird integriert. Pfleger und Pflegerinnen können also künftig leichter zwischen Altenheim, Krankenhaus und ambulanter Pflege wechseln.

Pressekonferenz von Gesundheitsminister Gröhe und Familienministerin Schwesig | Bildquelle: dpa
galerie

Gesundheitsminister Gröhe und Familienministerin Schwesig wollen die Ausbildung in der Pflege vereinheitlichen.

Aufbaustudium als Option

Außerdem kann die Ausbildung durch ein neues Aufbaustudium noch ergänzt werden. Das werde den Job attraktiver machen, sagt auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe. Und es mache ja auch für die Patienten Sinn, weil sich Kranken- und Altenpflege immer mehr vermischten. Die Menschen kämen später in stationäre Altenpflegeeinrichtungen, darunter viele mehrfach und chronisch Erkrankte.

"Das erfordert krankenpflegerisches Können. Wir haben in den Krankenhäusern zunehmend mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten zu tun. Auch das fordert altenpflegerisches Können", sagt Gröhe. Also sei es nur naheliegend, die bisherige strikte Trennung aufzuheben.

Pflegeverbände: Spezialisierung ist nötig

Kritik kommt aber ausgerechnet von Altenpflegeverbänden. Die Spezialisierung auf Heim- oder Krankenpflege sei nötig, heißt es zum Beispiel bei der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Mehr Breite, weniger Tiefe - das befürchten auch andere Verbände. Dahinter steht natürlich auch die Angst, dass Altenpfleger bald deutlich öfter in die Krankenpflege wechseln, weil dort besser bezahlt wird. Ob es so kommt, das weiß heute natürlich noch niemand.

"Das ist kein kleiner Schritt. Wir drehen nicht an einem kleinen Schräubchen eines Berufsbildes, sondern wir führen Berufsbilder zusammen. Das löst Sorgen aus", sagt Gröhe.

Und Schwesig betont: Wer künftig gute Pflegekräfte halten wolle, der müsse sie auch besser bezahlen. Bei einem Frauenanteil von 80 Prozent verbucht das die Ministerin auch noch als aktive Frauenpolitik.

Bundesregierung plant Reform des Pflegeberufegesetzes
D. Bauer, ARD Berlin
13.01.2016 17:20 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 13. Januar 2016 um 17:07 Uhr auf Inforadio.

Darstellung: