"Pegida"-Kundgebung in Dresden | Bildquelle: AFP

Kundgebungen zum ersten Jahrestag Dresden zwischen Herz und "Pegida"

Stand: 19.10.2015 21:37 Uhr

In Dresden nehmen mindestens 15.000 Menschen an der "Pegida"-Demonstration zum einjährigen Bestehen der fremdenfeindlichen Initiative teil. Ungefähr genauso viele Gegendemonstranten stellten sich ihnen entgegen. Bei Auseinandersetzungen wurde ein "Pegida"-Demonstrant schwer verletzt.

An Protesten gegen die Veranstaltung zum einjährigen Bestehen der "Pegida"-Bewegung haben sich nach Angaben der unabhängigen Initiative "Durchgezählt" etwa 15.000 bis 19.000 Demonstranten beteiligt. Aus verschiedenen Richtungen zogen vier Kundgebungen sternförmig in die Altstadt. Unter dem Motto "Herz statt Hetze" hat ein breites Bündnis dazu aufgerufen, sich Fremdenhass entgegenzustellen.

Die Dresdner Polizei meldete bereits vor Beginn eine "überregionale Mobilisierung beider Lager". Die Sachsen werden von Beamten aus sechs anderen Bundesländern und der Bundespolizei unterstützt. Der sächsische Innenminister Markus Ulbig appellierte erneut, friedlich und ohne Hass und Gewalt von Meinungs- und Demonstrationsfreiheit Gebrauch zu machen. "Sollten diese Grundrechte missbraucht werden, wird die Polizei konsequent vorgehen."

Polizei Sachsen @PolizeiSachsen
#DD1910 Im Moment ist alles sehr emotionsgeladen. Bitte bleibt besonnen, damit der Abend gewaltfrei bleibt.

Nicht alle Demonstranten folgten dem Friedensappell der Behörden. An mehreren Stellen kam es zu Auseinandersetzungen, ein "Pegida"-Anhänger wurde schwer verletzt. Die Polizei dementierte, dass dieser mit einer Eisenstange angegriffen wurde. Dies hatte die "Sächsische Zeitung" berichtet.

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Klarstellung #DD1910 Pegidateilnehmer wurde von Unbekannt auf Devirentstraße angegriffen, schwerverletzt. Eisenstange spielt keine Rolle!

Am Terrassenufer am Ufer der Elbe gab es nach Ende der Kundgebungen zu Rangeleien zwischen Anhängern beider Seiten. Die Polizei versuchte, die Demonstranten mit einer Kette aus Polizeifahrzeugen zu trennen. Zuvor hatten Gegendemonstranten am Landtag versucht, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Unmittelbar in der Nähe der "Pegida"-Kundgebung wurden Böller gezündet. Sie stammten offenbar aus den Reihen der "Pegida"-Anhänger.

Großer Zulauf für "Pegida"

Zur "Pegida"-Kundgebung auf dem Theaterplatz kamen nach Angaben von "Durchgezählt" 15.000 bis 20.000 Menschen, "Pegida"-Frontmann Lutz Bachmann sprach sogar von 39.000 Teilnehmern. Während seiner Begrüßungsworte ertönten aus der Menge "Merkel-muss-weg"-Rufe. Bachmann kündigte an, Bundesinnenminister Thomas de Maizière wegen Volksverhetzung anzeigen zu wollen. De Maizière hatte die "Pegida"-Organisatoren als Rechtsextreme und Rattenfänger kritisiert.

Auf der Kundgebung wurde nach Informationen der "Sächsischen Zeitung" ein Mann von der Polizei aufgegriffen, der ein Plakat mit einer Fotomontage von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer nazi-ähnlichen Militäruniform bei sich hatte. Auf der roten Armbinde der Uniform, die sehr stark an die SA-Armbinden erinnerte, war ein Euro-Zeichen statt des Hakenkreuzes abgebildet. Ein ähnliches oder sogar das gleiche Plakat war bereits bei früheren Kundgebungen gezeigt worden.

"Kein Bühnenbild für Fremdenhass"

Auf einer Leinwand vor der Semperoper war abwechselnd "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass" und "Wir sind keine Kulisse für Intoleranz" zu lesen. Die Semperoper hatte in der Vergangenheit mehrfach gegen "Pegida" Stellung bezogen - unter anderem wurde die Außenbeleuchtung ausgeschaltet. Dies taten auch diesmal zahlreiche Kulturinstitutionen und Kirchen.

Der Schriftzug "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass - Ihre Semperoper" steht auf einer LED-Leinwand, die an der Semperoper in Dresden (Sachsen) angebracht ist. | Bildquelle: dpa
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Der Schriftzug "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass - Ihre Semperoper" steht auf einer LED-Leinwand an der Semperoper in Dresden.

"Pegida" war am 20. Oktober 2014 erstmals durch Dresden marschiert. Zum Jahrestag hatten die Behörden allerdings keinen "Spaziergang" durch die Landeshauptstadt genehmigt, sondern ausschließlich eine Kundgebung auf dem Theaterplatz.

Der MDR hält Sie mit einem Live-Ticker über die Ereignisse auf dem Laufenden.

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