NSU-Verfahren Zweifel an Existenz von Nebenklägerin

Stand: 02.10.2015 14:55 Uhr

Im Münchner NSU-Prozess ist eine Frau als Opfer und Nebenklägerin zugelassen, die nach Aussage ihres Anwalts "nach aktuellem Kenntnisstand" gar nicht existiert. Der Anwalt erklärte, er sei getäuscht worden. Das Mandat legte er nieder.

Von Tim Aßmann, BR

Die ersten Zweifel tauchten vergangene Woche im NSU-Prozess auf. Als die Zeugin schon zum zweiten Mal geladen und wieder nicht erschienen war. Eine Frau, die angeblich beim Anschlag in der Kölner Keupstraße verletzt wurde und als Nebenklägerin im Prozess auftritt. Ihr Anwalt räumte zunächst ein, lange keinen Kontakt zur Mandantin gehabt zu haben.

Anschlag in der Keupstraße in Köln | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Nach dem Anschlag in der Keupstraße in Köln am 9. Juni 20014

Nun behauptet er, offenbar von einem anderen Nebenkläger arglistig getäuscht worden zu sein. Die angeblich Verletzte existiere gar nicht und er habe das Mandat nun niedergelegt, erklärte der Jurist mehreren Medien. Das Oberlandesgericht München konnte noch keine Stellungnahme zu dem Vorgang abgeben. Im Prozess hatte vergangene Woche auch ein Arzt die Verletzungen der Frau bestätigt, die es nun angeblich gar nicht geben soll.

Angaben auf BR-Anfrage im Büro der Beauftragten der Bundesregierung für die NSU-Opfer scheinen die Zweifel an der Existenz der Nebenklägerin zu verstärken. Das Büro versuchte mehrfach die Frau zu erreichen - ohne Erfolg. Möglicherweise hat sie allerdings eine Entschädigung aus dem Fonds der Bundesregierung für die NSU-Opfer und deren Angehörige erhalten.

Dieser Beitrag lief am 02. Oktober 2015 um 15:00 Uhr auf InfoRadio.

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