Barley und Nahles | Bildquelle: dpa

#MeToo-Debatte "Sexismus ist Alltag"

Stand: 22.10.2017 10:49 Uhr

Familienministerin Barley hat angesichts der Debatte unter dem Hashtag #MeToo härtere Strafen gegen sexuelle Gewalt gefordert. SPD-Fraktionschefin Nahles berichtet von wiederholten Erfahrungen mit Sexismus in der Politik.

In die Debatte um Sexismus und sexuelle Gewalt haben sich auch führende SPD-Politikerinnen eingeschaltet. So berichtet SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles von wiederholten Erfahrungen mit Sexismus in ihrer politischen Karriere. "Eine typische Sexismus-Erfahrung ist, dass Frauen nicht ernst genommen werden. Ich habe in meinem Leben unglaublich oft gehört: Die kann das nicht. Oder: Sie ist noch nicht so weit", sagte Nahles der "Bild am Sonntag". Bei Frauen werde sogar noch die Qualifikation angezweifelt, wenn sie bereits sehr erfolgreich im Leben stünden. "Ich kenne nichts Vergleichbares bei Männern", sagte Nahles. Bei Frauen stehe auch viel zu oft das Aussehen im Vordergrund. "Angenehm ist das nicht, aber ich habe da ein dickes Fell, sonst könnte ich den Job nicht machen."

"Lobe-Kartelle" von Männern

In der Politik beobachtet die neue Fraktionschefin der Sozialdemokraten nach wie vor, dass Männer eine Art Kartell bildeten. "Immer, wenn ich es in ein Gremium geschafft hatte, stellte ich fest: Es gibt noch ein höheres, informelles Gremium, in dem die Männer die Entscheidungen unter sich treffen." Mit einer Frau an der Spitze der Fraktion sei dieses Muster nun durchbrochen. Frauen rät Nahles, sich besser zu vernetzen: "Das beherrschen Männer hervorragend. Bei ihnen funktionieren die 'Lobe-Kartelle': Wenn einer von ihnen etwas tut, preisen ihn die anderen sozusagen automatisch. Da müssen wir Frauen besser werden."

Nahles kündigte an, Führungspositionen in der SPD-Fraktion gleichberechtigt mit Männern und Frauen besetzen zu wollen. "Das Projekt der Frauenförderung ist noch lange nicht abgeschlossen, nur weil es jetzt eine Fraktionsvorsitzende gibt", sagte sie. Im Vergleich zu ihren männlichen Vorgängern seien ihr Teamarbeit sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. "Als alleinerziehende Mutter weiß ich, wie schwer das ist." Nahles ist Mutter einer sechs­jährigen Tochter. Nach der Bundestagswahl und dem Gang der SPD in die Opposition wurde sie zur Vorsitzenden der SPD-Fraktion gewählt und legte ihren Posten als Arbeitsministerin nieder.

Viel diskutiert, wenig verändert

Hollywood-Produzent Harvey Weinstein | Bildquelle: dpa
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Der Skandal um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein zieht immer weitere Kreise.

Familienministerin Katarina Barley begrüßte die #MeToo-Debatte, die vom Missbrauchsskandal um Hollywoodmogul Harvey Weinstein auch in Deutschland ausgelöst wurde. "Sexismus ist Alltag, in der einen Branche mehr als in der anderen. Deshalb ist die Debatte, die durch #MeToo ausgelöst wurde, immens wichtig", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Andererseits finde sie es auch frustrierend, "weil wir das Thema Sexismus immer wieder diskutieren und sich nicht viel ändert."

Unter dem Hashtag #MeToo berichten Frauen in aller Welt seit Tagen in den sozialen Medien über Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und sexualisierter Gewalt. Barley forderte härtere Gesetze: "Was körperliche Übergriffe angeht, wie Hand aufs Knie legen, sollten wir juristisch schärfer werden", sagte sie. Außerdem beklagte sie, dass ein von der SPD geplantes Gesetz gegen sexistische Werbung keine Mehrheit gefunden habe. Die Ministerin betonte, bei Sexismus gehe es nicht ums Flirten, sondern immer um Macht. Daher müsse sich das "Machtgefälle zwischen den Geschlechtern" in Deutschland ändern. "Das hat auch etwas mit fehlender Lohngerechtigkeit zu tun, mit dem Frauenanteil in den Parlamenten, mit einem Frauenanteil in Führungspositionen in Unternehmen."

Über dieses Thema berichtete am 22. Oktober 2017 tagesschau24 um 09:00 Uhr und Deutschlandfunk um 10:00 Uhr.

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