Blumen und Kerzen am Tatort in Münster | Bildquelle: DAVID HECKER/EPA-EFE/REX/Shutter

Vorschnelle Urteile nach Auto-Attacke "Unverantwortlich" und "unsäglich"

Stand: 09.04.2018 10:37 Uhr

Nach der Auto-Attacke von Münster hat NRW-Innenminister Reul zu Besonnenheit aufgerufen und gleichzeitig vor pauschalen Schuldzuweisungen gewarnt. Derweil werden neue Details aus einem Brief des Täters bekannt.

Der Schock, Trauer und Fassungslosigkeit in Münster nach der tödlichen Auto-Attacke sitzen tief. Während die Ermittler weiter nach dem Motiv des Täters suchen, hat der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul zu Besonnenheit und Ruhe aufgerufen. Zugleich warnte er vor vorschnellen und pauschalen Schuldzuweisungen. Der CDU-Politiker nannte es im Deutschlandfunk "unverantwortlich" und "unsäglich", wenn jemand, wie die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, gleich nach der Tat vorschnell Schlüsse ziehe und Verdächtigungen äußere, ohne dass irgendetwas klar sei.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul | Bildquelle: dpa
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NRW- Innenminister Herbert Reul ruft zu Ruhe auf und warnt vor vorschnellen Urteilen

Kritik an AfD-Politikerin von Storch

Von Storch hatte kurz nach der Tat "WIR SCHAFFEN DAS!" in Anlehnung an das Zitat von Kanzlerin Angela Merkel zur Flüchtlingskrise getwittert und dafür Kritik geerntet. Reul kritisierte aber auch seinen Parteifreund, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der kürzlich einen Mangel an Sicherheit in Deutschland bemängelt hatte. "Ich halte nichts von solchen Vorwürfen, die pauschal sind", sagte er.

Beatrix von Storch @Beatrix_vStorch
WIR SCHAFFEN DAS! ��

Nach wie vor ist das Tatmotiv des Fahrers unklar: "Es sieht ganz so aus, dass es sich um einen psychisch gestörten, labilen Täter handelt, der offensichtlich schon länger darüber nachgedacht hat, sich jetzt auch das Leben zu nehmen", sagte Reul weiter.

Aufruf zur Besonnenheit

Ob es für dessen Vorgehen politische Motive gebe, könne man, so Reul, abschließend noch nicht sagen. Allerdings schließe man nach bisherigem Stand einen islamistischen Hintergrund aus. Ob es andere politische Motive gebe, werde noch geprüft. Auch wenn der Mann schon früher mit kleineren Straftaten aufgefallen sei, so glaube er nicht, dass die Polizei ihn schon früher hätte schärfer in den Blick nehmen müssen.

Reul rief zudem zur Besonnenheit auf: "Es ist gut, wenn die Menschen sich nicht einschüchtern lassen", sagte er der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Woher der Täter die Waffe hatte, mit der er sich nach der Tat erschoss, ist noch unklar. Klar sei aber, so Reul im Sender WDR 5, dass der Mann keinen Waffenschein besaß. Es sei "keine ordnungsgemäß erworbene Waffe gewesen".

Ermittlungen nach Amokfahrt in Münster
tagesschau 20:00 Uhr, 09.04.2018, Birand Bingül, WDR

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Betonpoller in Innenstädten?

Reul machte darauf aufmerksam, dass es gegen solch eine Tat wie in Münster keinen absoluten Schutz geben könne. Das Aufstellen von Pollern könne in einigen Fällen helfen, sagte er im WDR. "Aber wir wollen nicht, dass alle Innenstädte mit Pollern zugestellt werden und zubetoniert werden." Hier müsse jede Stadt für sich die Entscheidung treffen, an welchen Stellen die Gefahr besonders groß sei und wo sich solche Poller lohnten.

Der Mann war am Sonnabend in der Altstadt von Münster mit einem Kleintransporter in eine Restaurantterrasse gerast. Dabei tötete er eine 51-jährige Frau und einen 65-jährigen Mann. Etwa 20 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen befinden sich immer noch in Lebensgefahr. Sieben Verletzte würden noch stationär behandelt, erklärte der Direktor des Universitätsklinikums Münster, Michael Raschke.

Fahrer hinterließ Lebensbeichte - neue Details

Laut Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte der Mann Ende März eine Art Lebensbeichte und auch einen fünfseitigen Brief per Mail an Bekannte verschickt, in dem er aufarbeitete, was in seinem Leben schiefgelaufen sei und wer daran Schuld trage.

Unterdessen sind daraus nach einem Medienbericht neue Details bekannt geworden: Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf den von Ermittlern gesicherten fünfseitigen Brief berichtet, habe er seinen beruflichen Niedergang als erfolgreicher Industriedesigner nicht verkraftet. So  habe er eine Lampe entworfen, die sich zeitweise sehr gut verkaufte. Später habe der Erfolg aber nachgelassen, zitiert die Zeitung aus dem Brief weiter.

Private Probleme

Laut dem Bericht verdiente der 48-Jährige zwischenzeitlich viel Geld, besaß fünf Autos und mehrere Wohnungen. Als sich seine Lage verschlechterte, gab er anderen die Schuld. Unter anderem beschuldigte er seinen Vater, überwarf sich mit Freunden und machte Ärzte für angeblich falsche Behandlungen verantwortlich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. April 2018 um 20:00 Uhr.

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