Polizei am Hauptbahnhof München | Bildquelle: dpa

Terrorwarnung in München Hinweis auf Anschlagspläne schon vor Weihnachten

Stand: 01.01.2016 19:00 Uhr

Den Sicherheitsbehörden war die mögliche Gefahr eines Terroranschlags mit islamistischem Hintergrund in München bereits kurz vor Weihnachten bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wurde das Szenario allerdings zunächst als unwahrscheinlich eingeschätzt. Später verdichteten sich die Informationen.

In dem ersten Hinweis waren demnach bereits zwei Bahnhöfe in München genannt worden, nicht aber Namen möglicher Attentäter sowie ein konkreter Zeitpunkt. Weiterhin hieß es, die Attentäter würden Anschläge mit Sprengstoff planen.

An den folgenden Ermittlungen waren demnach bereits Bundeskriminalamt, Staatsanwaltschaft München sowie das bayerische Innenministerium beteiligt. Auch der Generalbundesanwalt wurde informiert. Es gab Durchsuchungsbeschlüsse, die jedoch nicht vollzogen wurden, weil das Szenario eines Anschlags noch als zu unwahrscheinlich eingestuft wurde. Auch die angeblichen Täter, die bereits in München in einem Hotel wohnen sollten, waren nicht zu finden.

BND befragte irakische Quelle

In den folgenden Tagen verdichteten sich die Informationen den Recherchen zufolge aber:  So habe der Bundesnachrichtendienst einen irakischen Hinweisgeber befragen können. Zudem lieferte der französische Geheimdienst weitere Informationen über einen bevorstehenden Anschlag auf zwei Münchner Bahnhöfe.

Der finale Hinweis kam den Recherchen zufolge am Silvesterabend um 19.40 Uhr.  Da die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel unmittelbar bevorstanden, entschied sich die Münchner Polizei, öffentlich zu warnen.

Entwarnung in München
tagesthemen 23:19 Uhr, 01.01.2016, Anna Tillack, BR

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Mittlerweile sieht Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä die Gefährdungslage jetzt auf dem Stand von vor dem Alarm. Er verteidigte den Alarm - auch wenn sich die Hinweise auf mögliche Attentäter bislang nicht verdichtet hätten. Es sei kein Fehlalarm gewesen, betonte Andrä. Man habe bei der kurzfristigen eingetroffenen sehr konkreten und detaillierten Warnung nicht anders handeln können.

Vor der Terrorwarnung habe die Polizei aus dem Ausland geheimdienstliche Hinweise auf fünf bis sieben Verdächtige erhalten. Zu etwa der Hälfte dieser Gruppe seien der Polizei auch Personalien übermittelt worden. Es solle sich um Iraker und Syrer handeln.

Die Ermittlungen hätten allerdings bislang "keinerlei Erkenntnisse" zu den Personen gebracht: "Ob es die Personen tatsächlich gibt, wissen wir nicht." Die Namen habe man weder in München noch sonst irgendwo lokalisieren können. Die Abklärungen liefen noch.

Herrmann spricht von IS-Verbindungen

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte, die Lage habe sich "etwas entspannt": "Wir haben in etwa wieder die Lage wie zuvor." Herrmann hatte in der Nacht gesagt, laut den Hinweisen habe die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Anschläge in München geplant. Darüber habe das Bundeskriminalamt am Silvesterabend die Bundespolizei informiert. Der Hinweis habe sich "ganz konkret auf eine Tatausführung um Mitternacht" bezogen, und zwar "am Münchner Hauptbahnhof und/oder am Bahnhof Pasing".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière lobte, die bayerischen Behörden hätten mit Unterstützung der Bundespolizei "umsichtig, besonnen und entschlossen gehandelt". Gestern beim Bund eingegangene Hinweise seien von den bayerischen Behörden und dem Bundeskriminalamt bewertet worden. Der CDU-Politiker Maizière betonte: "Die Lage in Europa und auch in Deutschland bleibt im neuen Jahr ernst." Die Sicherheitsbehörden gingen weiterhin von einer hohen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus aus.

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