Impfbuch

Warnung des RKI Zu wenige gegen Masern geimpft

Stand: 19.04.2018 14:52 Uhr

Das Robert Koch-Institut warnt, dass zu wenige Kinder in Deutschland gegen Masern geimpft werden. Eine Infektion sei keineswegs harmlos. Etwa ein Viertel der Fälle müsse im Krankenhaus behandelt werden.

Ob wie zuletzt im Kongo, in Venezuela, Sizilien oder Düsseldorf - Masern können überall auftreten. Die Krankheit ist eine große Gefahr vor allem für Kinder, aber auch für Erwachsene. In Europa gab es im Jahr 2017 rund 21.000 neue Fälle. Das sind vier Mal so viele wie im Jahr zuvor. 35 Menschen starben in dem Jahr. In Deutschland sollten die Masern schon im Jahr 2015 ausgerottet sein. So lautete das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stattdessen kommt es immer wieder zu neuen Ausbrüchen.

Als Grund gibt die WHO an, dass zu wenige Menschen geimpft sind. Auch trotz schärferer Gesetze werden in Deutschland zu wenige Kinder geimpft. Zwar erreichten im Jahr 2016 erstmals alle Bundesländer bei der ersten Masernimpfung die Impfquote von 95 Prozent, wie das Robert Koch-Institut (RKI) anlässlich der Europäischen Impfwoche (24.04. - 30.04.) mitteilte. Bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung stieg die bundesweite Impfquote allerdings nur geringfügig auf 92,9 Prozent und ist damit immer noch zu niedrig.

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Spahn: "Niemand muss heute noch an Masern erkranken"

"Es ist verantwortungslos, Kinder nicht gegen Masern impfen zu lassen oder eigene Impflücken hinzunehmen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Nötig sei bundesweit eine Impfquote von 95 Prozent für die zweite Masernimpfung, damit die ansteckende Viruserkrankung ausgerottet werde.

Ärzteschaft, Schulen, Kitas, Betriebe, Behörden und die Eltern müssten noch besser zusammenarbeiten. "Niemand muss heute noch an Masern erkranken oder gar sterben", so Spahn. Dem RKI wurden für 2017 insgesamt 929 Masernerkrankungen übermittelt, fast dreimal mehr als die 325 Erkrankungen von 2016. Eine Masern-Erkrankung ist in Deutschland meldepflichtig.

Bereits 92 Krankheitsfälle im ersten Quartal

Für die ersten zwölf Wochen dieses Jahres wurden dem Robert Koch-Institut bereits 92 Krankheitsfälle gemeldet. "Eine Infektion mit Masernviren ist keineswegs harmlos", warnte RKI-Präsident Lothar Wieler. Etwa ein Viertel der Fälle müsse im Krankenhaus behandelt werden.

Im Schnitt gebe es drei bis sieben Todesfälle pro Jahr aufgrund von Masern oder der Spätfolge SSPE, einer Entzündung des Gehirns. Bei der vorerst letzten großen Masernwelle in Deutschland im Jahr 2015 wurden 2500 Fälle registriert.

Kombiimpfstoff gegen Masern, Röteln und Mumps | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Impfung eines Kleinkindes. Mittlerweile müssen Kitas Familien, die die Impfberatung verweigern, den Gesundheitsämtern melden.

Strengere Regeln für die Impfberatung

Dem neuen Gesetz zufolge, das als Konsequenz beschlossen wurde, gelten nun strengere Regeln für die Impfberatung vor dem Kita-Start. So müssen Kitas Familien, welche die Impfberatung verweigern, den Gesundheitsämtern melden. Diese können in hartnäckigen Fällen auch Bußgelder verhängen.

Bei Masernfällen können die Behörden auch ungeimpfte Kinder vom Besuch der Kita oder Schule ausschließen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, die erste Masern- und Rötelnimpfung in Kombination im Alter von elf bis 14 Monaten und die zweite im zweiten Lebensjahr. Nach 1970 geborene Erwachsene, die nur eine oder noch keine Impfung erhielten, sollten einmal geimpft werden.

Auch EU-Parlament will Impfskepsis bekämpfen

Angesichts von wachsender Impfskepsis und Masern-Ausbrüchen in mehreren EU-Ländern schlägt auch das Europaparlament Alarm. Das Vertrauen der Menschen in Impfstoffe müsse gefördert werden, heißt es in einem Beschluss. Im Zeitraum 2008 bis 2015 gab es demnach in Europa 215.000 Krankheitsfälle, die durch eine Impfung verhindert worden wären - ohne Grippe. Die Impfraten in Europa sind zu niedrig.

Schädliche Fake News über das Impfen

Der CDU-Abgeordnete Peter Liese erklärte: "Leider sind über die Impfungen zu viele Fake News im Umlauf und die Menschen vermeiden Impfungen im Glauben, dass sie gefährliche Nebenwirkungen haben." Angesichts dieser Skepsis fordert das Parlament unter anderem, dass künftig Beratungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur nicht mehr hinter verschlossenen Türen stattfinden. Unabhängige Forschungsprogramme zu den möglichen Nebenwirkungen müssten ins Leben gerufen werden. Die EU-Kommission will bis Mitte des Jahres eine Impfinitiative vorlegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2018 um 13:00 Uhr und 14:00 Uhr in den Nachrichten.

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