Eine Frau lässt sich gegen Grippe impfen | Bildquelle: dpa

Debatte nach Masern-Ausbruch in Berlin Impfpflicht oder nicht?

Stand: 23.02.2015 12:34 Uhr

Der Ausbruch von Masern in Berlin hat eine Debatte um eine mögliche Impfpflicht ausgelöst. Gesundheitspolitiker der Regierung hatten dies angeregt. Grüne und Linkspartei kritisierten jedoch, ein Zwang zur Impfung gehe zu weit. Auch Kinderärzte halten eine Impfpflicht für nicht durchsetzbar.

Gesundheitspolitiker der Großen Koalition haben mit Äußerungen über eine eventuelle Wiedereinführung der Impfpflicht gegen Masern eine politische Debatte ausgelöst - und bei der Opposition Widerspruch geerntet. Die Grünen sprachen sich für eine bessere Aufklärung zum Thema Impfungen aus, bekräftigten jedoch ihre Ablehnung einer Impfpflicht. Ein Zwang bringe "Impfskeptiker" nicht zum Umdenken, sagte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Katja Dörner der Zeitung "Die Welt".

Stattdessen warb sie für eine Pflicht für Eltern, "bei der Anmeldung zur Kita einen Nachweis zu erbringen, dass sie zum Thema Impfung beraten wurden". Die Impfentscheidung sei zwar "keine reine Privatsache mehr", sobald Eltern ihre Kinder in öffentliche Einrichtungen mit anderen Kindern gäben, gestand Dörner ein. Ein Zwang zur Impfung gehe aber zu weit.

Auch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Harald Weinberg, sprach sich gegen einen Impfzwang aus. Das Selbstbestimmungsrecht der Eltern müsse weiter gelten, sagte Weinberg der "Saarbrücker Zeitung".

Kleinkind in Berlin gestorben

Hintergrund der Debatte ist ein schwerer Ausbruch von Masern in Berlin, wo allein in diesem Jahr bereits 447 Fälle gemeldet wurden. Das waren mehr Erkrankungen als bundesweit im gesamten vergangenen Jahr. Heute wurde wegen der Infektionswelle eine Sekundarschule mit 1000 Schülern geschlossen.

Zudem ist in der Hauptstadt nach Angaben von Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja ein Kleinkind an Masern gestorben. Das Kind im Alter von anderthalb Jahren sei am 18. Februar in einem Krankenhaus der Infektionskrankheit erlegen.

Impfbuch | Bildquelle: dpa
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Die Grünen fordern mehr Aufklärung - eine verpflichtende Impfung lehnen sie allerdings ab.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn hatte deshalb eine verpflichtende Impfung ins Spiel gebracht. Der "Welt am Sonntag" sagte er: "Wenn wir es nicht schaffen, mit verstärkter Aufklärung und Beratung die Impfraten bald zu steigern, sollten wir über eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen nachdenken." Impfverweigerer seien egoistisch, so Spahn, weil sie sich darauf verließen, dass andere zur Impfung gingen und dann schon nichts passiere.

Auch Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe kritisierte die Impfgegner. Wer seinem Kind den Impfschutz verweigere, gefährde nicht nur das eigene, sondern auch andere Kinder. Eine Rückkehr zur Impfpflicht sei bislang jedoch nicht geplant, teilte sein Haus mit.

Auch der Koalitionspartner SPD schloss sich der Forderung nach einem umfassendem Impfschutz an. Der Gesundheitspolitiker der Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, sagte, wenn die Impfbereitschaft nicht steige, "muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein".

Wie gefährlich sind Masern?

Masern sind eine hoch ansteckende Virusinfektion, die vor allem Kinder betrifft. In Deutschland kommt es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen. Der Erreger wird durch Tröpfchen übertragen, die beim Niesen, Husten oder Sprechen in die Atemluft gelangen. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schnupfen und Husten, dann kommt der typische Hautausschlag hinzu. In zehn bis 20 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen, wie Mittelohr- und Lungenentzündungen sowie Gehirnentzündungen. In 0,2 Prozent aller Fälle verlaufen diese tödlich.

Ärzte skeptisch bei Pflicht-Impfung

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, zeigte sich in der "Welt" ebenfalls skeptisch. Eine generelle Impfpflicht werde sich wegen der "Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzen lassen", sagte er. "Wir fordern aber, dass alle Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule einen Impfnachweis vorweisen müssen." Könnten die Eltern keine Bescheinigung für eine Masernimpfung vorlegen, müssten sie ihren Nachwuchs in eine private Einrichtung geben, fügte er hinzu.

Die von der Bundesregierung geplante Verpflichtung für Eltern zur Impfberatung kritisierte Hartmann als "Augenwischerei". "Diese Regelung wird die niedrigen Impfungsraten nicht wesentlich erhöhen, denn wir beraten bereits immer im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen zu den notwendigen Impfungen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2015 um 14:00 Uhr.

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