Eine Gruppe russicher Menschenrechtsaktivisten erinnert an den verstorbenen russischen Geheimdienstler Alexander Litwinenko | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ermittlungen im Mordfall Litwinenko Spuren in Hamburg - klarer Hinweis auf Täter

Stand: 22.01.2016 16:47 Uhr

Russlands Präsident Putin hat den Mord 2006 an dem Ex-Spion Litwinenko "wahrscheinlich" gebilligt - diese Nachricht war ein Paukenschlag. Ermittlungen damals in Hamburg blieben ergebnislos. Dabei sind sie laut Richter Owen ein klarer Hinweis auf die Täter.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Nach dem Litwinenko-Mord am 1. November 2006 in London war Hamburg in Aufregung. An verschiedenen Stellen der Stadt fanden sich Spuren des hochradioaktiven Polonium 210. Und schnell war klar: es war Dimitri Kowtun, der diese Spuren in Hamburg hinterlassen hatte. Der über 300 Seiten lange Untersuchungsbericht von Richter Robert Owen geht auch diesen Spuren noch einmal im Detail nach.

Kowtun flog am Samstag, dem 28. Oktober 2006, mit einer Aeroflot-Maschine von Moskau nach Hamburg - während an diesem Tag KGB-Mitarbeiter Andrej Lugowoj direkt nach London flog. Kowtun wurde am Flughafen Fuhlsbüttel von seiner früheren Frau Marina Wall abgeholt. Anschließend übernachtete er in ihrer Hamburger Wohnung. Die folgende Nacht verbrachte er bei seiner früheren Schwiegermutter Elenora Wall. Zwei Tage später hatte er einen Termin in der Ausländerbehörde in Hamburg, um seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Am selben Tag rief er einen Freund an und traf ihn zum Abendessen im Restaurant Tarantella, verbrachte die dritte Nacht bei ihm und flog dann, am Tag vor dem Mord, nach London.

Spuren an fast allen Orten

Andrej Lugowoj (links) und Dimitri Kowtun auf einer Pressekonferenz in Moskau am 24. November 2006 | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Richter Owen ist überzeugt: Andrej Lugowoj (links) und Dimitri Kowtun töteten Litwinenko.

An fast allen diesen Orten fanden die Hamburger Ermittler damals Spuren von Polonium: In der Wohnung von Marina Wall, in dem BMW, in dem sie Kowtun vom Flughafen abgeholt hatte, im Haus der Schwiegermutter und in dem Bett, in dem Kowtun zuletzt bei seinem Hamburger Freund übernachtet hatte. In der Ausländerbehörde und in der Germanwings-Maschine, mit der Kowtun nach London flog, fanden sich keine Spuren. Die Aeroflot-Maschine, mit der er in die Hansestadt gekommen war, hätten die Ermittler gern untersucht, sie kam aber nicht wieder nach Hamburg.

Zeuge "D 3" belastet Kowtun

Es gibt noch andere Indizien dafür, dass Dimitri Kowtun damals auf dem Weg nach London war, um Litwinenko zu töten. In der gerichtlichen Untersuchung trat jetzt erneut ein früherer Hamburger Freund Kowtuns auf. Er wurde per Leitung zugeschaltet, wollte aber anonym bleiben und trägt deshalb im Abschlussbericht nur den Namen Zeuge "D 3". Er und Kowtun hatten früher zusammen als Kellner im Restaurant "Il Porto" gearbeitet. "D 3" sagte den Londoner Ermittlern: "Dimitri hat mir damals wörtlich gesagt: 'Litwinenko ist ein Verräter, er hat Blut an den Händen'." Dann habe er ihn noch gefragt, ob er einen Koch in London kenne.

"Dimitri sagte, er habe ein sehr teures Gift und er brauche einen Koch, der dieses Gift Litwinenko verabreiche. Ich habe das damals nicht ernst genommen, ich dachte, der redete nur."

Hamburg-Connection für Richter Owen überzeugend

Zeuge "D 3" nannte Kowtun damals den Namen eines Kochs in London, der vorher auch im Hamburger "Il Porto" gearbeitet hatte. Dieser Koch sagte in der Londoner Untersuchung ebenfalls unter einem Decknamen aus, und erklärte, Kowtun habe ihn angerufen. Zu einem Treffen sei es dann aber nicht mehr gekommen.

Die Hamburger Ermittlungen verliefen damals im Sande. Für den Londoner Richter Robert Owen dagegen war die Hamburg-Connection ein wichtiges Teil im Litwinenko-Puzzle. Zusammen mit den Londoner Spuren kam der Richter jetzt zu dem Schluss:

"Der wissenschaftliche Nachweis von Polonium 210 an den Orten primärer Kontamination, die der Report detailliert beschreibt, zeigt überzeugend, dass Alexander Litwinenko von Andrej Lugowoi und Dimitri Kowtun vergiftet wurde."

Kowtun hinterlässt Polonium-Spuren in Hamburg
J.-P. Marquardt, ARD London
22.01.2016 15:07 Uhr

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