Jutta Limbach | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Zum Tode Jutta Limbachs Eine große Juristin mit klaren Überzeugungen

Stand: 12.09.2016 14:56 Uhr

"Das Leben ist ein Lernprojekt, bis zum letzten Atemzug." Diese Devise vertrat die Juristin Jutta Limbach mit Leidenschaft. Sie wurde als erste Frau Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, sie war Berliner Justizsenatorin und Präsidentin des Goethe-Instituts.

Von Frank Bräutigam, ARD-Rechtsredaktion

Feierstunde zu ihrem 80. Geburtstag vor rund zwei Jahren. Im angeregten Gespräch stand sie da, mit Roman Herzog und Andreas Voßkuhle an ihrer alten Wirkungsstätte. Eine kleine Person - eine wahrlich große Juristin.

Ihr Traumziel sei das gewesen, so Jutta Limbach, in roter Robe am Bundesverfassungsgericht zu arbeiten. 1994 wurde sie Richterin in Karlsruhe,  nachdem Roman Herzog zum Bundespräsidenten gewählt worden war. Limbach war die erste Frau an die Spitze des Gerichts. Liebenswürdig, freundlich im Gespräch, mit klaren Überzeugungen, so schildern sie zahlreiche Wegbegleiter.

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Die Juristin forderte mit Leidenschaft, Lehren aus der Erfahrung aus zwei Diktaturen zu ziehen.

Lehren aus zwei Diktaturen

"Aufgrund der Erfahrung, die wir Deutsche vor allem in zwei Diktaturen erworben haben, wissen wir, dass zur Demokratie auch fundamentale Werte in Gestalt der Menschen- und Bürgerechte gehören," so formulierte sie einmal ihre Grundüberzeugung.

Jutta Limbach stammte aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie, war verheiratet, Mutter von drei Kindern. Die Förderung von Frauen im Beruf war ihr besonderes Anliegen. Die Juraprofessorin wechselte 1989 als Justizsenatorin ins Berliner rote Rathaus. Dort musste sie das Rechtswesen in der wiedervereinten Stadt neu ordnen.

Umstrittene Entscheidungen verteidigen

Die juristische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit stand auch in Karlsruhe oft im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Stichworte waren dabei: Spionage, Stasi-Mitarbeiter, Mauerschützenurteile. Als Gerichtspräsidentin musste sie auch umstrittene Entscheidungen verteidigen, zum Beispiel das Kruzifix-Urteil 1995. Limbach, die ursprünglich einmal Journalistin werden wollte, verbesserte die Öffentlichkeitsarbeit des Gerichts, indem sie eine hauptamtliche Pressesprecherin etablierte.

Limbachs Anliegen war, juristische Entscheidungen verständlich zu machen. | Bildquelle: dpa
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Limbachs Anliegen war, juristische Entscheidungen verständlich zu machen.

Entscheidungen verständlich machen

"Das Gericht muss durch eine vernünftige Informationspolitik dafür Sorge tragen, dass das, was es entscheidet, auch verstanden wird. Und das scheint mir das Wichtigste zu sein", begründete sie die Entscheidung.

Eine Präsidentin zum Anfassen war sie, etwa beim Bürgerfest des Gerichts im Jahr 2001. Nach ihrem Abschied war sie bis 2008 Präsidentin des Goethe-Instituts. Ihr Anliegen: Im Ausland zu zeigen, dass Deutschland noch immer ein Land der Dichter und Denker ist.

Doch nach Karlsruhe kam sie immer wieder gerne zurück. Ihr Motto, ausgesprochen bei ihrem letzten Besuch in Karlsruhe, lautete: "Das Leben ist ein Lernprojekt, bis zum letzten Atemzug."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. September 2016 um 15:00 Uhr.

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