Ein Lehrer schreibt in einem Klassenzimmer an die Tafel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Warnung des Lehrerverbands "Pädagogen-Produktion im Schnellverfahren"?

Stand: 04.11.2017 12:54 Uhr

Klassenzimmer statt Büro. Weil es an vielen deutschen Schulen zu wenige Lehrer gibt, werden Quereinsteiger dringend gesucht. Nun warnt der Lehrerverband vor einer "Pädagogen-Produktion im Schnellverfahren".

An vielen Grundschulen herrscht Lehrermangel. Deshalb werden immer wieder Quereinsteiger eingestellt. Deren Qualifizierung kritisiert der Deutsche Lehrerverband und warnt vor einer "Pädagogen-Produktion im Schnellverfahren". Es komme auf die Qualität an, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Wenn bei den Neueinstellungen der Anteil der Seiten- und Quereinsteiger an manchen Schularten die Marke von 40 Prozent überschreite - wie etwa in Berlin oder Sachsen - sei das "ein echtes Problem", sagte Meidinger. Die Art der Qualifizierung unterscheidet sich je nach Bundesland und Schulform.

Meidinger warnte davor, Berufspraktiker aus völlig schulfremden Bereichen von heute auf morgen eine Anstellung als Lehrkraft zu geben. Der Eindruck, jeder könne mal eben schnell Pädagoge sein, sei falsch. Wochenendkurse reichten nicht aus. "Wenn die pädagogische Nachqualifizierung hochwertig ist und die Quereinsteiger gut vorgebildet sind, dann herzlich willkommen", betonte der Verbandspräsident.

Seine Organisation repräsentiert rund 160.000 Lehrer in Deutschland.

Schlechte Leistungen von Grundschülern

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warf den Bundesländern vor, die Grundschulen vernachlässigt und zu wenig Lehrer ausgebildet zu haben. "Der aktuelle Lehrkräftemangel ist hausgemacht, weil die Länder den Grundschullehrerberuf nicht attraktiv gestaltet haben", erklärte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann.

Laut einer jüngst veröffentlichten Bildungsstudie sind die Leistungen von Grundschülern in den vergangenen fünf Jahren schlechter geworden. In Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung sei ein negativer Trend zu verzeichnen. Lediglich die Lesekompetenz blieb auf dem Niveau von vor fünf Jahren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2017 um 12:00 Uhr.

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