Kita

Studie zum Betreuungsschlüssel in Kitas Besser - aber nicht gut genug

Stand: 29.06.2016 07:47 Uhr

Je größer die Gruppe, desto geringer die individuelle Förderung: Der Betreuungsschlüssel in Krippen oder Kindertagesstätten ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal. Laut einer Studie hat sich dieser leicht verbessert. Doch die regionalen Unterschiede sind weiter groß.

Der Betreuungsschlüssel in deutschen Kindertagesstätten und -krippen hat sich seit 2012 leicht verbessert, doch laut einer Studie reicht das Personal noch nicht aus. Derzeit kommen auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft durchschnittlich 4,3 ganztags betreute Krippenkinder oder 9,3 Kindergartenkinder, wie es im aktuellen "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann Stiftung.

Trotz des positiven Trends kritisieren die Studienautoren die großen regionalen Unterschiede. So betreut in Baden-Württemberg eine Fachkraft im Schnitt 7,3 Kindergartenkinder, in Mecklenburg-Vorpommern sind es mit 14,1 fast doppelt so viele. Für eine kindgerechte Betreuung empfehlen die Experten der Stiftung einen Schlüssel von 1 zu 3 bei den unter Dreijährigen und von 1 zu 7,5 bei den Kindergartenkindern.

Manuela Schwesig, Bundesfamilienministerin, zur Kita-Studie
ARD-Morgenmagazin, 29.06.2016

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Die Studienautoren heben zwar den positiven Trend hervor, kritisieren aber, dass Bildungschancen je nach Wohnort eines Kindes unterschiedlich ausfallen. "Der Kita-Besuch allein verbessert nicht die Bildungschancen der Kinder. Es kommt auf die Qualität der Angebote an", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig befürwortet ein sogenanntes Qualitätsgesetz, das bundesweite Standards für die Kinderbetreuung festlegen soll. Dafür gebe es aber weiter keine Zustimmung von den Bundesländern, sagte Schwesig im ARD-Morgenmagazin.

Milliarden-Forderungen

Die Bertelsmann-Stiftung fordert zusätzlich 107.000 Vollzeitstellen für Erzieher in Krippen und Kindergärten. Das würde 4,8 Milliarden Euro kosten. "Die Finanzierung erfordert eine gewaltige Kraftanstrengung, die von Bund, Ländern, Kommunen, Trägern und Eltern nur gemeinsam zu stemmen ist", sagt Dräger.

Zahlen des Statistisches Bundesamtes bestätigen den bundesweiten Trend. Die Statistiker meldeten für 2015 einen Anstieg der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst in den Kitas im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent. Seit 2008 sei die Beschäftigtenzahl in diesem öffentlichen Sektor um 44 Prozent gestiegen.

Massenbetreuung in Rostocker Kita
ARD-Morgenmagazin, 29.06.2016, Felix Pankok, NDR

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