Kampfpanzer Leopard Kraus-Maffei

Verdacht auf Steuerbetrug Top-Manager der Rüstungsindustrie angeklagt

Stand: 21.02.2017 18:01 Uhr

Gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des Rüstungskonzerns KMW ist Anklage erhoben worden. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ soll Manfred Bode Steuern hinterzogen haben - unter Mithilfe von zwei Ex-Abgeordneten der SPD.

Von Peter Hornung und Søren Harms, NDR

Die Staatsanwaltschaft München hat mit Manfred Bode einen der mächtigsten Rüstungsindustriellen Deutschlands angeklagt. Sie beschuldigt nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" den 75-Jährigen, in Steuererklärungen des Panzer-Herstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) Schmiergelder als steuermindernde Betriebsausgaben veranschlagt zu haben. Bodes Anwalt bestreitet die Anschuldigungen, die Steuerhinterziehungs-Vorwürfe seien "ohne tatsächliche Grundlage und deshalb unzutreffend".

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann, Manfred Bode, steht im November 2015 im Landgericht München. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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KMW-Manager Bode soll dubiose Honorare als Betriebsausgaben deklariert haben.

Bode ist Miteigentümer von KMW und war bis 2005 als Geschäftsführer für die Zahlen des Konzerns verantwortlich. Danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats, er ist dies noch heute. Mit dem "Leopard 1" und "Leopard 2" ist KMW einer der größten Panzer-Produzenten der Welt. Der Rüstungskonzern ging 1999 aus dem Zusammenschluss der beiden Traditionsunternehmen Krauss-Maffei und Wegmann hervor und fusionierte 2015 mit dem französischen Rüstungsbetrieb Nexter.

Bestechung wäre verjährt - Steuerhinterziehung nicht

Konkret geht es um den Verkauf von 24 Panzerhaubitzen an die griechische Regierung vor fast zwei Jahrzehnten. Kostenpunkt: umgerechnet 188 Millionen Euro. Im Zuge dieses Geschäfts soll KMW zwischen den Jahren 2000 und 2005 Honorare von mehr als fünf Millionen Euro an ein "Büro für Südeuropaberatung" gezahlt haben - eine Firma, die 2006 wieder aufgelöst wurde und den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Luuk und Heinz-Alfred Steiner gehörte. Luuk war damals Griechenland-Expertin ihrer Partei, Steiner Rüstungsexperte. Die Anklageschrift wirft ihnen Beihilfe zur Steuerhinterziehung sowie Geldwäsche vor. Auch Luuk und Steiner weisen die Vorwürfe zurück.

Für das Millionen-Honorar gebe es weder Verwendungszweck noch Gegenleistung, so die Staatsanwaltschaft. Ob von dem Geld allerdings griechische Amtsträger bestochen wurden, um den Waffendeal einzufädeln, ist weiterhin unklar. Doch selbst falls sich noch Belege fänden: Der Vorwurf der Bestechung wäre verjährt. Steuerhinterziehung allerdings nicht.

Recherchekooperation

Die investigativen Ressorts von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" kooperieren unter Leitung von Georg Mascolo themen- und projektbezogen. Die Rechercheergebnisse, auch zu komplexen internationalen Themen, werden für Fernsehen, Hörfunk, Online und Print aufbereitet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Februar 2017 um 18:00 Uhr.

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