Bei der UN-Klimakonferenz im "World Conference Center" in Bonn geht es nur schleppend voran. | Bildquelle: dpa

Gipfel in Bonn UN-Klimakonferenz droht einzuschlafen

Stand: 31.08.2015 16:53 Uhr

Bis Dezember muss ein Entwurf für ein neues Weltklimaabkommen stehen - doch dieser ist bislang nicht in Sicht. Im Gegenteil: Es geht zu langsam voran und Bremser wie die EU verhindern den Fortschritt.

Von Werner Eckert, SWR

Im sonnendurchfluteten Bonner World-Conference Center ist die Stimmung bei der UN-Klimakonferenz geradezu nachurlaublich entspannt. Martin Kaiser von Greenpeace formuliert es noch drastischer. Er bezeichnet den Klimgipfel als "Schnarchveranstaltung" und sagt: "Unsere Sorge ist, dass der Prozess einschläft."

Auch der Leiter der deutschen Verhandlungs-Delegation, Carsten Sach, mahnt Tempo an. Schließlich muss der Text fertig werden, denn schon im Dezember soll in Paris ein neues Weltklimaabkommen beschlossen werden. Sach sagt: "Es sieht so aus, dass die Politik weiter ist als der Verhandlungsprozess. Wir brauchen eine starke Beteiligung der politischen Ebene. Daran arbeiten die Franzosen und auch andere."

UN-Klimakonferenz in Bonn
W. Eckert, SWR
31.08.2015 18:34 Uhr

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Kleine Gruppe muss Entwurf erarbeiten

Die Franzosen werden den Klimagipfel in ihrer Hauptstadt auch inhaltlich führen. Präsident Hollande hat bereits deutlich gemacht, dass er einen fertigen Vertragstext vor der Pariser Konferenz haben möchte. Damit dieser ehrgeizig und ausgewogen wird, müsste beim aktuellen Treffen in Bonn nun eine kleine Gruppe beauftragt werden, einen sauberen Entwurf zu schreiben. Im großen Kreis sei das in der verbleibenden Zeit nicht mehr möglich, sagt Christoph Bals von der Denkfabrik Germanwatch. Er fordert ein Mandat dafür und warnt vor der Alternative, dass Frankreich einen eigenen Entwurf anfertigt: "Dann wissen wir: Das ist ein Kompromiss auf einem niedrigeren Niveau." Wenn man ein ambitioniertes Abkommen wolle, brauche man nun dieses Mandat.

Was muss in diesem Welt-Klima-Vertrag stehen? Martin Kaiser von Greenpeace sieht einen zentralen Punkt, um den sich alles dreht: "Die globale Staatengemeinschaft muss sich bis zur Mitte des Jahrhunderts auf eine gemeinsame Vision einer hundertprozentigen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien einigen. Die Investitionsentscheidungen brauchen einen langen Vorlauf. Und deswegen ist ein langfristiger Ankerpunkt für alle Länder und alle Investoren so wichtig."

Werner Eckert, SWR, zur UN-Klimakonferenz
tagesschau24 15:30 Uhr, 31.08.2015

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"EU gehört bisher zu den Bremsern"

Langfristiges Ziel - kurzfristige Zwischenziele. Das ist die Forderung vieler Umweltverbände, aber auch der meisten Staaten. Nur wenn alle fünf Jahre der technische Fortschritt eingepreist wird und eine neue politische Debatte geführt wird, steigt das Tempo beim Klimaschutz. Christoph Bals warnt: "Es gibt genug Bremser, die das verhindern wollen, und die EU gehört leider bisher auch zu diesen Bremsern."

Die EU hat ihre Klimaziele in Zehn-Jahres-Schritten festgelegt und damit gilt das nächste für 2030. Die Luxemburgerin Sarah Blau spricht bei der Konferenz für die EU-Ratspräsidentschaft und sagt: Überprüfen alle 5 Jahre - JA - aber keine neuen Ziele. "Als EU sind wir überzeugt, dass wir diese Fünf-Jahres-Überprüfungs-Zyklen brauchen. Wir sind jedoch überzeugt, dass unser Ziel der 40-prozentigen Reduktion bis 2020 eines der ambitioniertesten Ziele ist, das im Moment auf dem Tisch liegt."

Keine Panik, sagt bei all dem Streit Carsten Sach, der Chef der deutschen Delegation. Der Mann hat durch jahrelange Übung gestählte Nerven. Ob und wann es wirklich einen fertigen Entwurf für den Vertrag gibt?  "Das ist ein Blick in die Kristallkugel. Wir wollen möglichst schnell fertig werden, aber man muss auch im Auge haben, dass einige Delegationen hart daran arbeiten, die Dinge bis zur letzten Minute offen zu halten." Einflussreiche Staaten wie etwa China oder die USA profitieren von Entscheidungen in letzter Sekunde. Da können sie ihre Macht im Zweifel kurz aber heftig einsetzen.

UN-Klimakonferenz vor Klimagipfel in Paris
tagesschau 12:00 Uhr, 31.08.2015, Jens Eberl, WDR

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