Mann verlässt eine Kirche mit Holzbänken

Kirchen in Deutschland Weniger Christen, aber mehr Steuern

Stand: 21.07.2017 17:17 Uhr

Die Zahl der Katholiken und Protestanten in Deutschland sinkt kontinuierlich. Auch 2016 verloren die großen Kirchen Hunderttausende Mitglieder. Immerhin gab es weniger Austritte als im Vorjahr. Dennoch nahmen die Kirchen so viel an Kirchensteuern ein wie nie zuvor.

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben 2016 im Vergleich zum Vorjahr erneut über eine halbe Million Mitglieder verloren. Die Zahl der Austritte sei dabei aber rückläufig, teilten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) mit. Der Mitgliederschwund lasse sich vor allem mit dem demografischen Wandel erklären.

So starben im vergangenen Jahr 340.000 evangelische Christen. Die Zahl der zur EKD gehörenden Protestanten sank auf 21,92 Millionen (minus 350.000), die Zahl der Katholiken ging auf 23,58 Millionen (minus 180.000) zurück. Damit gehörten der Statistik zufolge 55 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einer der beiden großen Kirchen an. Im Jahr 2005 waren es noch mehr als 62 Prozent gewesen.

Eine Frau drückt eine Wartenummer für den Antrag auf den Austritt aus der Kirche. | Bildquelle: dpa
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Zwar traten auch im vergangenen Jahr mehr als 350.000 Menschen aus der Kirche aus - die Dynamik der Kirchenaustritte verlangsamte sich jedoch.

Rekord bei Kirchensteuern

Die Dynamik der Kirchenaustritte verlangsamte sich. 2016 kehrten etwa 162.000 Menschen der katholischen Kirche und rund 190.000 Menschen der evangelischen Kirche den Rücken. In den Jahren zuvor war es unter anderem wegen Skandalen um Missbrauch und Geldverschwendung zu Austrittswellen gekommen.

Trotz der geringeren Mitgliederzahlen haben die Kirchen so viel Kirchensteuern erhalten wie noch nie - insgesamt knapp 11,6 Milliarden Euro. Davon erhielt die katholische Kirche 6,15 und die evangelische 5,45 Milliarden. Im Vergleich zu 11,46 Milliarden Euro 2015 ist das insgesamt ein leichter Anstieg um rund 1,2 Prozent. Hauptgrund für den Anstieg ist die allgemeine Entwicklung der Löhne und Einkommen und damit auch der Lohn- und Einkommensteuer.

Einführung der Kirchensteuer

Die Entstehung der Kirchensteuer geht auf Entwicklungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Durch den sogenannten Reichsdeputationshauptschluss kam es 1803 zu Enteignung und Säkularisierung.

Fürsten hatten damit die Verpflichtung übernommen, für den Unterhalt von Geistlichen zu sorgen. Gesellschaftliche und politische Veränderungen führten schließlich zur Einführung der Kirchensteuer, die in der Weimarer Reichsverfassung 1919 geregelt wurde.

Mehr Taufen als in Vorjahren

Die Kirchen betonten die positiven Seiten. So nahm die Zahl der Taufen leicht zu, bei den Katholiken um etwa 4300 auf 171.500, bei den Protestanten um rund 1600 auf 180.000. Der Sekretär der Katholischen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, sagte: "Wir werden weniger, aber wir verlieren nicht unsere Aufgabe und unsere Anliegen. Menschen, Gesellschaft, Staat brauchen die Kirche." Die EKD betonte, dass die etwa 1,1 Millionen evangelisch gebundenen Ehrenamtlichen auch außerhalb der Kirche seit vielen Jahren überdurchschnittlich engagiert seien.

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" sprach von einem schleichenden Auszug aus der Kirche. Es gelte jetzt, die Werte für ein christliches Leben "in einem zeitgemäßen Sinne" weiterzugeben und endlich Pfarreizusammenlegungen und -schließungen zu stoppen.

Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen
Birgit Becker, WDR
21.07.2017 17:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2017 um 13:21 Uhr.

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