Musiknoten zum Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" | Bildquelle: dpa

Kirchen beten für Flüchtlinge "Gott kennt keine Obergrenzen"

Stand: 24.12.2015 16:29 Uhr

Die Vertreter der christlichen Kirchen in Deutschland haben in ihren Weihnachtsbotschaften zu Menschlichkeit und Offenheit gegenüber Flüchtlingen aufgerufen. Obergrenzen erteilten sie eine Absage. Lob gab es für die zahlreichen Helfer und Merkels "Wir schaffen das".

Bedford-Strohm | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Der Münchner Hauptbahnhof - ein passender Ort für die Weihnachtsgeschichte: EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat am Münchner Hauptbahnhof einen Gottesdienst mit Flüchtlingen gefeiert. Dieser Bahnhof sei im Spätsommer zu einem Symbol deutscher Willkommenskultur geworden, erinnerte Bedford-Strohm. Er sei ein passender Ort, um die Weihnachtsgeschichte ins Aktuelle zu übersetzen. Auch Jesus sei auf der Durchreise geboren worden. Es habe damals viel Hass, Armut und Gewalt in der Welt gegeben.

Die Weihnachtsbotschaft sei die "größte Revolution", die die Welt je gesehen habe, weil sie den Glauben direkt in die Welt hinein bringe, betonte der bayerische Landesbischof. "Weihnachten ist die größte Quelle der Empathie, die die Welt je gesehen hat." Mit der Geburt Jesu verbinde sich eine große Bewegung der Liebe in die Welt hinein. Die weihnachtliche Antwort auf die Sorge, ob wir die Situation mit dem Flüchtlingszustrom bewältigen könnten, sei deshalb:

"Wir werden sie bewältigen, wenn wir unsere Herzen der Kraft der Liebe öffnen, die durch die Geburt Jesu in die Welt gekommen ist."

Viele mitfühlende Menschen - "großartig"

Die Weihnachtsbotschaft gebe auch die Kraft, die Herausforderungen durch Flucht und Vertreibung zu bestehen, sagte Bedford-Strohm. Er habe große Hochachtung vor dem Engagement und den organisatorischen Fähigkeiten der Behörden und Helfer, die sich bei Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge gezeigt hätten.

Diesem Lob schlossen sich viele Kirchenvertreter an. Bischof Andreas von Maltzahn aus Schwerin sagte, es sei großartig, dass sich viele Menschen in diesem Jahr mitfühlend und menschlich gezeigt hätten.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung meinte, in den Begegnungen erlebten Flüchtlinge und Helfer "Weihnachtsmomente vom Geheimnis des Lebens und des Friedens". Er betonte zudem, Terror, Fluchtbewegungen und Krieg stünden in starkem Gegensatz zur Weihnachtsbotschaft "Frieden auf Erden". Wirklicher Friede entstehe aber nur, wenn Menschen einander als gleichberechtigt annähmen. Dies sei schwer zu leben, vor allem, wenn es Menschen gebe, die andere terrorisieren und vernichten wollten.

Man müsse Merkel "sehr dankbar sein"

Angesichts der Diskussion um eine Begrenzung des Flüchtlingszustroms nach Deutschland sagte der Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich aus Schwerin, in seiner Weihnachtspredigt:

"Gott kennt keine Obergrenzen, wenn es um Schwache und Elende geht." Gott "sendet uns zu denen, die verzweifelt Zuflucht suchen".

Rainer Maria Woelki | Bildquelle: dpa
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Für "Wir schaffen das" müsse man Kanzlerin Merkel sehr dankbar sein: Kardinal Woelki

Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki teilt diese Auffassung. Der Katholik sagte im Deutschlandfunk, man müsse vorsichtig sein, dass man mit einer solchen Diskussion "den Anspruch auf das Asyl nicht aushebelt". Man müsse Bundeskanzlerin Angela Merkel "sehr dankbar sein", dass "sie dieses berühmte Wort: 'Wir schaffen das' gesagt hat", sagte Woelki weiter. Er sei dankbar "für die vielen Menschen, die für eine Humanität unserer Gesellschaft einstehen". Allerdings wäre es gut, wenn auch andere europäische Staaten sich hier zu ihren Verpflichtungen bekennen würden.

An erster Stelle müsse immer der Schutz von Menschenleben stehen, verlangte auch der Hamburger Erzbischof und Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Heße. In den "Ruhr Nachrichten" warnte er vor einer Abschottung Europas:

"Wenn wir Schutz suchende Menschen an unseren Außengrenzen mit Stahl und Stacheldraht zurückweisen, wenn wir tatenlos zusehen, wie sie ertrinken, erfrieren oder ersticken, wenn wir auf Abschottung statt auf Mitmenschlichkeit setzen, dann begehen wir letztlich Verrat an der europäischen Werteordnung."

Probleme nicht unter den Teppich kehren

Heße und andere Kirchenvertreter warnten allerdings auch davor, reale Belastungen zu ignorieren. Er vertraue dabei aber "auf die positiven Kräfte der Gesellschaft und auf unseren Zusammenhalt", sagte der katholische Ruhrbischof von Essen, Franz-Josef Overbeck der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Man dürfe Probleme nicht unter den Teppich kehren, betonte auch Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, in dem Blatt. Dies würde Bewegungen wie der fremdenfeindlichen "Pegida" nur in die Hände spielen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Dezember 2015 um 20:00 Uhr.

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