Zwei Hände mit Trauringen | Bildquelle: dpa

Zahlen des Statistischen Bundesamtes Weniger Kinderehen in Deutschland

Stand: 03.11.2016 08:49 Uhr

Die Zahl der Kinderehen in Deutschland geht immer weiter zurück, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Trotzdem bleibt die Ehe zwischen Minderjährigen Streitthema: SPD und Union wollen zwar beide ein Verbot - die Frage ist aber, ob es Ausnahmen geben soll.

Eheschließungen zwischen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gehen in Deutschland immer mehr zurück. Im vergangenen Jahr wurden nur noch 92 solcher sogenannten Kinderehen registriert, im Jahr 2000 waren es noch 1073 gewesen, wie die Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes berichtet.

Das Phänomen der Kinderehe war vor allem im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise in den Blickpunkt gerückt - unter den Hunderttausenden im vergangenen Jahr eingereisten Flüchtlingen registrierten die deutschen Behörden auch mehrere hundert Ehen zwischen Minderjährigen. Laut Ausländerzentralregister lebten Ende Juli 2016 1475 unter 18-jährige miteinander verheiratete Migranten in der Bundesrepublik.

Koalition streitet über Verbot

Auch auf politischer Ebene wird über das Thema diskutiert. SPD und Union wollen Kinderehen verbieten - die CDU will einen entsprechenden Gesetzentwurf am liebsten noch in diesem Jahr durchbringen. Das könnte sich allerdings schwierig gestalten - denn die Koalitionspartner sind sich noch uneins darüber, ob es ein generelles Verbot für Ehen unter 18 Jahren sein soll oder ob doch Ausnahmen möglich sein sollen.

Für solche Ausnahmeregelungen setzt sich Justizminister Heiko Maas ein. Als Beispiel führt der SPD-Politiker etwa Ehen zwischen Minderjährigen an, in der es bereits Kinder gibt. Würde eine solche Ehe für nichtig erklärt werden, würde die Frau jegliche Unterhaltsansprüche für ihre Kinder verlieren. Rückhalt bekam Maas nun von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz.

"Ein pauschales Verbot von Ehen von Minderjährigen ist zwar vielleicht gut gemeint, kann aber im Einzelfall junge Frauen ins soziale Abseits drängen", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch sie führte den Verlust von Unterhalts- oder Erbansprüchen als mögliche Folgen eines Komplettverbots an. Für Migranten könnte die Abererkennung der Eheschließung sogar eine Rückkehr in ihre Heimatländer unmöglich machen.

De Maizière fordert Bußgeld für Imame

Die CDU hingegen hält am "Ganz oder gar nicht"-Kurs beim Verbot fest. Bundesinnenminister Thomas de Maizière forderte sogar, dass Imame, die Minderjährige verheiraten, ein Bußgeld zahlen sollen. Diesen Vorschlag habe er bereits der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu den Kinderehen vorgelegt - bis zu 1000 Euro könnte die Strafzahlung demnach betragen, wie die "Welt" berichtete.

Ob es wirklich in diesem Jahr noch etwas wird mit der Verabschiedung des Gesetzentwurfes ist anhand der Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Koalition fraglich. Maas hatte den Zeitplan bereits selbst angezweifelt und sich damit weitere Kritik von der Unionsseite eingehandelt.

In Deutschland sind Eheschließungen ab 18 Jahren erlaubt. Ausnahmen sind möglich, wenn ein Partner volljährig und der andere mindestens 16 Jahre alt ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. November 2016 um 20:00 Uhr.

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