Der SPD-Bundesvorsitzende Gabriel, Bundesarbeitsministerin Nahles, der Präsident des Europäischen Parlaments Schulz und Hamburgs Erster Bürgermeister Scholz sitzen bzw. stehen vor Beginn einer SPD-Vorstandssitzung im Willy-Brandt-Haus in Berlin.  | Bildquelle: dpa

Die SPD und die K-Frage Nur der Beste kann gewinnen

Stand: 27.11.2016 18:00 Uhr

Egal, ob Gabriel, Schulz oder Scholz - bloß nicht wieder eine Sturzgeburt bei der K-Frage, denken sich die Genossen. Lieber Merkels CDU noch ein paar Wochen zum politischen Schattenboxen zwingen. Die SPD weiß: Nur der Beste kann gegen Merkel gewinnen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hauptstadtstudio

Vor genau einer Woche ist Angela Merkel aus der Deckung gekommen. Sie erklärte, dass sie wieder antreten wird als Kandidatin für das Kanzleramt. Und die Sozialdemokraten? Sie vermieden den hektischen Reflex, darauf mit dem Ausrufen des SPD-Kanzlerkandidaten zu reagieren. Gut so. Denn das wäre eine weitere der Sturzgeburten gewesen, mit denen die SPD in jüngster Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hat. Die SPD tut gut daran ihren Zeitplan in der K-Frage einzuhalten, und den Kandidaten erst Ende Januar auszurufen. Auch weil sie die Union nach dem Ja von Merkel nun zwei Monate zum politischen Schattenboxen zwingt.

Trotzdem ist seit dieser Woche personell Bewegung in der SPD. Mit Martin Schulz bekommen die Sozialdemokraten ein neues politisches Schwergewicht in Berlin. Erfahren und rhetorisch begabt, machtpolitisch clever und an der Basis beliebt - zudem der nach Steinmeier beste Mann der SPD für internationale und speziell europäische Politik. Sein Temperament und sein Hang zum Klartext sind nicht unumstritten. Kann so einer Außenminister? Ja, er kann. Denn in seiner Eigenschaft als EU-Parlamentspräsident hat Schulz auch bei heiklen Missionen bewiesen, dass er zwar Missstände ansprechen, dabei aber immer das nötige diplomatische Fingerspitzengefühl bewahren kann. Als Außenminister ist er die beste Besetzung, die die SPD zu bieten hat.

Sigmar Gabriel und Martin Schulz | Bildquelle: dpa
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Schulz und Gabriel: Wie einträchtig ist, wie einträchtig bleibt ihr Verhältnis?

Und als Kanzlerkandidat? Wäre er zunächst einmal ein unbeschriebenes Blatt. Das ist ein Malus, denn einen Bundestagswahlkampf gewinnt nur, wer vor allem in der Innenpolitik stark ist. Schulz aber ist ein innenpolitischer Anfänger. Da mag er noch so viel predigen - was er in den vergangenen Wochen auffällig viel auf SPD-Veranstaltungen getan hat -, dass Innenpolitik heutzutage Europapolitik ist und umgekehrt. Tatsache ist, dass Schulz in den für die SPD möglicherweise wahlentscheidenden Themen Renten- und Gesundheits-, Bildungs- und Familienpolitik bislang keinerlei Profil besitzt.

Vom Umfragekönig zum Wahlverlierer

Dennoch zeigen die Umfragen, dass die Wähler dem bundespolitischen Novizen Schulz im Kampf gegen die Kanzlerin mehr zutrauen als SPD-Chef Sigmar Gabriel. Aber Umfragen sind wankelmütige Wesen. Die Sozialdemokraten sollten sich hier an die einstigen Umfragekönige Steinmeier und Steinbrück erinnern, die dann für die SPD zu den größten Wahlverlierern wurden.

Auch weil Beliebtheitswerte Momentaufnahmen sind, ist die SPD klug beraten, sich noch Zeit zu nehmen mit ihrer Entscheidung. Denn: Natürlich ist wichtig, wen die zweitgrößte Partei als Kandidaten für das politisch wichtigste Amt im Land nominiert. Aber die aufgeregte Diskussion über den Zeitpunkt ist eine Debatte, die vornehmlich unter der Käseglocke der Berliner Politik und Medien relevant ist. Es ist nicht bekannt, dass auch nur ein Wähler unter Schlafstörungen leidet, weil er noch nicht weiß, wer SPD-Kanzlerkandidat wird.

Gabriel, der beste Wahlkämpfer

Die verbleibenden zwei Monate bis zur Entscheidung muss die SPD nun klug nutzen. Um zu schauen, ob es doch noch Chancen gibt, dass Gabriel - der sicherlich beste aller Wahlkämpfer - sein Negativ-Image bei den Wählern abschüttelt. Und ob der erste Hype um den Berlin-Neuling Schulz von Dauer ist. Oder ob nicht am Ende doch die Entscheidung für einen Dritten die klügste ist.

An diesem Wochenende erinnerte Gabriel selbst daran, dass da ja auch noch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz ist. Zeitgleich meldet das "Hamburger Abendblatt", dass eben dieser Scholz nach fünf Jahren in Amt auf dem Weg zur absoluten Mehrheit in Hamburg ist. Was zeigt: Dieser Mann kann regieren - und die Menschen vertrauen ihm. Eigentlich nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine Kanzlerkandidatur. Die SPD wäre gut beraten, in den kommenden zwei Monaten zu prüfen, ob nicht Gabriel oder Schulz - sondern Scholz die beste Wahl wäre.

Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel (l.) und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz applaudieren bei der SPD-Regionalkonferenz in Hamburg. | Bildquelle: dpa
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Gabriel und Scholz: Beide können Wahlkampf, aber im Gegensatz zu Gabriel kann Scholz auch gewinnen - zumindest in Hamburg.

Gabriel oder Schulz - oder nicht doch besser Scholz?
Jörg Seisselberg, ARD Berlin
27.11.2016 18:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 26. November 2016 um 07:20 Uhr

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