Der Hinterkopf eines Mannes mit einer Kippa in Berlin

Antisemitismus-Bericht Juden fühlen sich von Muslimen bedroht

Stand: 24.04.2017 14:46 Uhr

Die Zuwanderung von Muslimen verunsichert die jüdische Bevölkerung in Deutschland zunehmend. Das geht aus dem Antisemitismus-Bericht einer Expertenkommission hervor. Die größte Gefahr geht laut der Studie aber weiterhin von Rechtsextremisten aus.

Juden in Deutschland sehen Antisemitismus unter Muslimen als immer größeres Problem. Das geht aus dem Antisemitismus-Bericht einer Expertenkommission hervor, die vom Bundestag eingesetzt wurde. Internet und soziale Medien seien demnach zu zentralen Verbreitungsinstrumenten von Hassbotschaften und judenfeindlicher Hetze geworden, was zur Wahrnehmung einer steigenden Gefahr beitrage.

Aufgrund alltäglicher antisemitischer Erfahrungen sorgten sich Juden in Deutschland zunehmend um ihre Sicherheit. Der Expertenkreis fordert deshalb eine verbesserte Erfassung und Ahndung antisemitischer Straftaten sowie die Stärkung von Beratungsangeboten für die von Antisemitismus Betroffenen. Außerdem fordert er die Einsetzung eines nationalen Antisemitismus-Beauftragten.

Antisemitismus-Bericht: Gefühl wachsender Bedrohung
tagesschau 20:00 Uhr, 24.04.2017, Michael Stempfle, ARD Berlin

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"Muslime im öffentlichen Fokus"

Die Sachverständigen warnen aber zugleich vor voreiligen Schlussfolgerungen. Das rechtsextremistische Lager sei nach wie vor der bedeutendste Träger des Antisemitismus in Deutschland. Für die Kommission stellte die Historikerin Juliane Wetzel fest: "In der Öffentlichkeit steht die Gruppe der Muslime als vermeintliche Hauptverursacher des Antisemitismus im Fokus. Mit der Flüchtlingswelle haben solche Zuschreibungen noch zugenommen." Der Rechtsextremismus sei dagegen als zentrales Milieu antisemitischer Inhalte in der Wahrnehmung in den Hintergrund getreten.

Muslimische Verbände und Moscheegemeinden würden undifferenziert als Hort antisemitischer Agitation gesehen, Imame als Hassprediger charakterisiert, sagte Wetzel. Untersuchungen, die dies untermauern könnten, gebe es jedoch kaum. Antisemitismus unter Muslimen müsse deshalb beobachtet werden. Gleichzeitig dürften judenfeindliche Strömungen unter Rechtsextremen oder in der gesellschaftlichen Mitte nicht verharmlost werden.

Experten fordern Antisemitismus-Bericht
B. Nutz, ARD Berlin
24.04.2017 14:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. April 2017 um 15:15 und 17:50 Uhr.

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