Philipp Jenninger | Bildquelle: imago/Dieter Bauer

Trauer um Politiker Ex-Bundestagspräsident Jenninger ist tot

Stand: 05.01.2018 19:52 Uhr

Der frühere Bundestagspräsident Jenninger ist tot. Der CDU-Politiker starb gestern im Alter von 85 Jahren. Jenninger war von 1984 bis 1988 Bundestagspräsident. Er trat nach seiner Rede zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht zurück, die von vielen als missglückt gewertet wurde.

Der ehemalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger ist tot. Das teilte der Deutsche Bundestag auf seiner Internetseite mit.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble würdigte den Verstorbenen als "leidenschaftlichen Abgeordneten und überzeugten Demokraten". Jenninger habe die deutsche Politik über viele Jahre in herausgehobenen Positionen maßgeblich mitbestimmt.

Der CDU-Politiker Jenninger gehörte dem Bundestag von 1969 bis 1990 an. Von 1984 bis 1988 war er dessen Präsident. . Davor war der enge Vertraute von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zwei Jahre lang Staatsminister im Kanzleramt gewesen, wo er vor allem mit der Deutschlandpolitik betraut war.

Eklat im Bundestag

In einer Feierstunde des Bundestags am 10. November 1988 zum Gedenken an die Opfer der anti-jüdischen Pogrome 50 Jahre zuvor hielt der damalige Bundestagspräsident Jenninger eine missverständlich formulierte Rede. Er trennte nicht deutlich genug zwischen Zitaten aus der Zeit des Nationalsozialismus und eigenen Worten und löste damit einen Eklat aus. Abgeordnete von SPD, FDP und Grünen verließen aus Protest während der Ansprache den Plenarsaal. Auch international gab es eine Welle der Empörung. Jenninger zog am Tag darauf die Konsequenzen und trat zurück. "Dass er 1988 nach einem schmerzhaften Missverständnis für sich politische Konsequenzen zog, zeigte sein großes Verantwortungsgefühl", erklärte dazu jetzt Schäuble.

Philipp Jenninger | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Seine missglückte Gedenkrede, die er am 10. November 1988 zum 50. Jahrestag der Judenpogrome von 1938 ("Reichskristallnacht") im Bundestag gehalten hatte, löste einen Eklat aus und führte einen Tag später zu seinem Rücktritt. Hier ist er neben der Schauspielerin Ida Ehre zu sehen, die zur Gedenkveranstaltung geladen war.

Bei der Bundestagswahl 1990 kandidierte der aus Baden-Württemberg stammende CDU-Politiker nicht mehr. Er wurde von 1991 bis 1995 deutscher Botschafter in Österreich und anschließend bis 1997 Botschafter im Vatikan.

1997 geriet Jenninger noch einmal in die Schlagzeilen, als er für das Amt des Präsidenten des renommierten Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) kandidierte. Nach heftigen Protesten von SPD und Grünen sowie von Vertretern aus Kunst und Kultur zog er seine Kandidatur zurück.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2018 um 20:00 Uhr.

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