Anwalt über Islamist Rafik Mohamed Yousef "Er hat nicht am Leben gehangen"

Stand: 17.09.2015 20:40 Uhr

Der Islamist, der gestern von der Berliner Polizei erschossen wurde, war 2013 aus dem Gefängnis entlassen worden. Er saß wegen eines geplanten Anschlags auf Iraks Ministerpräsidenten 2004. Sein Anwalt ist von dem gewaltsamen Tod wenig überrascht.

Von Holger Schmidt, SWR, ARD-Terrorismusexperte

Rafik Y. | Bildquelle: REUTERS
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Rafik Mohamed Yousef bei der Urteilsverkündung 2008 in Stuttgart. Der Islamist galt auch in Haft als äußerst aggressiv.

"Es war das schwierigste Verfahren, in dem ich je drin war", sagt Reinhard Kirpes, Fachanwalt für Strafrecht aus dem badischen Offenburg. Er war 2007 und 2008 der Verteidiger von Rafik Mohamed Yousef. Es ging um einen Anschlagsplan: Rafik und seine beiden Mittäter wollten den damaligen irakischen Ministerpräsident Allawi bei einem Besuch in Berlin ermorden, urteilte das OLG Stuttgart damals.

"Ich hatte ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Rafik, das war teilweise sehr gut, teilweise von ihm ausgehend sehr angespannt, ich habe ihn psychisch als sehr labil eingeschätzt und letzen Endes wundert es mich nicht, dass er ein gewaltsames Ende gefunden hat", sagt Kirpes. Das Verfahren damals musste immer wieder unterbrochen werden: Besonders Rafik tobte im Gerichtssaal, beschimpfte die Bundesanwältin und die Vorsitzende Richterin mit übelsten Schimpfworten - stritt aber auch mit seinem eigenen Anwalt. "Das war für mich ein sehr schwieriges Mandat, das waren ja 142 Verhandlungstage, hat über zwei Jahre gedauert, das war für alle Beteiligten sehr belastend, weil es immer wieder Konflikte gab", erinnert der sich.

Auch in Haft gewalttätig

Und diese Konflikte setzten sich in der Haft fort. So brach Rafik einer Justizbeamtin eine Rippe und fiel auch nach seiner Entlassung aus der Haft, die er bis zum letzten Tag verbüßen musste, der Polizei wieder auf. Er musste eine elektronische Fußfessel tragen - die er am Donnerstagmorgen gewaltsam entfernte und damit einen Alarm auslöste. Doch als die Polizei zu seiner Berliner Wohnung kam, war Rafik schon nicht mehr da.

Um 09.48 Uhr meldete ein Anrufer der Polizei, ein Mann bedrohe in Berlin Spandau Passanten mit einem Messer. Als die Polizei eintraf, griff Rafik eine Beamtin an - und wurde von ihrem Kollegen mit zwei Schüssen tödlich verletzt. Strafverteidiger Reinhard Kirpes aus Offenburg hatte schon länger keinen Kontakt mehr zu Rafik. Doch richtig verwundert ist er über seinen Tod nicht. "Er war sicher niemand, der in unserem Sinne positiv am Leben gehangen hat und entsprechend konsequent ist ja auch das, was wohl jetzt passiert ist - wovon ich aber bis zu Ihrem Anruf nichts wusste", sagt Kirpes.

Anwalt des erschossenen Islamisten Rafik nicht verwundert
H. Schmidt, SWR
17.09.2015 20:53 Uhr

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