Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz nach der Befreiung | Bildquelle: picture alliance / akg-images

Holocaust-Gedenktag Bereicherung oder Ritual?

Stand: 27.01.2017 10:10 Uhr

Das Holocaust-Gedenken ist die Erinnerung an etwa sechs Millionen Menschen, die während der NS-Zeit ermordet wurden. Doch ist der 27. Januar ein Tag, der unsere Gedenkkultur bereichert oder ist er nur noch ein Ritual?

Von Thomas Kreutzmann, ARD-Hauptstadtstudio

Vor 21 Jahren, am 19. Januar 1996, fand der damalige Bundestagspräsident Roman Herzog bei einer Ansprache in Bonn eindringliche Worte zum Holocaust:

"Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Auschwitz steht symbolhaft für millionenfachen Mord - vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen. (...) Die Bilder von Leichenbergen, von ermordeten Kindern, Frauen und Männern, von ausgemergelten Körpern sind so eindringlich, dass sie sich nicht nur den Überlebenden und den Befreiern unauslöschlich eingemeißelt haben, sondern auch denjenigen, die heute deren Schilderungen nachlesen oder Bilddokumente betrachten."

Roman Herzog | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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1996 hatte Bundespräsident Herzog den 27. Januar zum Holocaust-Gedenktag erklärt.

Herzog erklärte damals den 27. Januar zum deutschen Holocaust-Gedenktag. Hat er damit die deutsche Gedenkkultur bereichert oder hat er dieser nur eine weitere Facette ritualisierten Gedenkens hinzugefügt?

Wie bekannt ist heute der 27. Januar als Tag des Auschwitz-Gedenkens? Als Tag der Erinnerung an den industrialisierten Massenmord, dem allein in Auschwitz durch Vergasen, Erschießungen, Hunger, Kälte, Erschöpfung eine Million jüdische Menschen und 100.000 andere Menschen zum Opfer fielen?

Yolocaust: Welche Erinnerungskultur wollen wir eigentlich?
nachtmagazin 00:30 Uhr, 27.01.2017, Kristin Joachim,

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Gedenken - mit großen Namen

Findet der Gedenktag über die großen Feierstunden im Bundestag hinaus überhaupt Beachtung, zu denen regelmäßig hoch geachtete Persönlichkeiten als Festredner kamen und kommen - von Elie Wiesel bis Jorge Semprun, von Arno Lustiger bis zu  Shimon Peres? Oder ist das Gedenken eine Sache der Eliten, das streng ritualisiert stattfindet?

Schwierige Suche nach Antworten

Eine eindeutige Antwort ist schwer zu finden. Aber es gibt Hinweise darauf, dass der Gedenktag in den vergangenen 21 Jahren seinen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte geleistet hat. Der renommierte Bielefelder Wissenschaftler Andreas Zick erklärt gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio:

"In der Bevölkerung sind die Formen des klassischen, offenen, deutlich erkennbaren Antisemitismus rückläufig. Wir haben um fünf Prozent, die klassischen Antisemitismus äußern."

Allerdings, ist unter AfD-Sympathisantinnen und -Sympathisanten die Zustimmung in den vergangenen beiden Jahren gestiegen. "Dort seien es 20 Prozent - vier mal so viel wie im Bevölkerungsdurchschnitt."

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Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz (27. Januar 2015)

Zofia Wareluk

Zwei Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wurde Zofia Wareluk (70) im Lager geboren. Ihre Mutter wurde in Auschwitz eingeliefert, als sie im vierten Monat schwanger war.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 26. Januar 2017 um 00:33 Uhr und die tagesschau am 27. Januar 2017 um 09:00 Uhr.

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