Björn Höcke | Bildquelle: dpa

AfD-Politiker Höcke Der Schattenmann

Stand: 21.04.2017 12:42 Uhr

In der AfD polarisiert Björn Höcke wie kein Zweiter. Gegen den Thüringer Landeschef läuft ein Ausschlussverfahren, zugleich kämpfen manche dafür, ihn in der Partei zu halten. Und so wird Höcke auch den Parteitag in Köln beschäftigen - er selbst ist jedoch abwesend.

Von Jens Wiening, ARD-Hauptstadtstudio

Er ist der Mann, an dem sich der Richtungsstreit in der AfD festmachen lässt: Björn Höcke, Landeschef aus Thüringen. So erklärte Höcke im Januar auf seiner umstrittenen Dresdner Rede, er wolle "eine grundsätzliche Veränderung" und "die AfD als letzte evolutionäre Chance für unser Vaterland erhalten". Laut Höcke gibt es "keine Alternative im Etablierten". Deshalb werde man so lange durchhalten, bis man 51 Prozent erreicht habe.

Und auch gegen die eigenen Parteikollegen wetterte Höcke: Nicht wenige gehörten bereits zum Establishment, oder wollten so schnell wie möglich dazugehören. Diese "Halben" würden auf die Listen zur Bundestagswahl drängen und freuten sich schon auf das "frei Fressen und Saufen" in Berlin.

In die Öffentlichkeit war die Rede aber wegen einer anderen Passage gedrungen. Die Deutschen seien das einzige Volk, dass sich ein "Denkmal der Schande" in seine Hauptstadt gepflanzt habe, so Höcke in Anspielung auf das Holocaust-Mahnmal. Und dann forderte er eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.

Hausverbot im Tagungshotel

Auf dem Bundesparteitag in Köln wird Höcke nicht sein. Wegen seiner Äußerungen hat er vom Tagungshotel in Köln Hausverbot bekommen. Die Frage ist nun: Wie stark ist der Einfluss des Schattenmanns auf den rechten Flügel unter den Delegierten?

Denn ein Thema wird Höcke allemal sein. Der Vorstand hatte zwar ein Parteiausschlussverfahren in die Wege geleitet, doch die Bremer AfD hat den Antrag gestellt, genau dieses Verfahren auf dem Parteitag zurückzunehmen. Höcke hat sogar Unterstützung im Bundesvorstand, So sagte Andre Poggenburg, gleichzeitig Landeschef in Sachsen-Anhalt, ein Parteiausschlussverfahren sei "das völlig falsche Mittel".

Abmahnung statt Ausschluss

Höcke hat seine Rede inzwischen einen Fehler genannt. Eine Abmahnung hätte gereicht, findet Poggenburg. So sieht das auch Vorstandskollege Alexander Gauland. Welche Resonanz der Antrag auf dem Parteitag finde, müsse man sehen. Und weiter: "Meine Meinung ist bekannt, also würde ich auch für den Antrag stimmen," sagte Gauland dem ARD-Hauptstadtstudio.

Einer, der sich im Vorfeld des Parteitags gegen Höcke positioniert hat, ist der Berliner Landesvorsitzende Georg Pazdersky, ebenfalls Mitglied im Bundesvorstand. Er habe für den Parteiausschluss gestimmt, weil er der Überzeugung sei, dass Höcke der Partei mit seiner Dresdner Rede der Partei Schaden zugefügt habe.

Mit dem Bremer Antrag ist der Umgang der AfD mit Höcke nun zum Politikum des Bundesparteitags geworden. Ein Ausgang ist vollkommen offen - auch wie groß die Zahl der Unterstützer von Höcke ist. Bei Auftritten wie in Dresden wird Höcke jedenfalls regelmäßig mit Sprechchören gefeiert.

Der Schattenmann - Björn Höcke und der Bundesparteitag der AfD
J. Wiening, ARD Berlin
21.04.2017 11:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. April 2017 um 15:00 Uhr.

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