Bundesumweltministerin Barbara Hendricks | Bildquelle: dpa

Umweltministerin zu Pflanzengift Hendricks glaubt an rasches Glyphosat-Aus

Stand: 16.01.2018 12:42 Uhr

Bundesumweltministerin Hendricks ist optimistisch, dass die Tage des umstrittenen Unkrautgifts Glyphosat in Deutschland gezählt sind: Noch 2018 solle die private Verwendung beendet sein. Dabei bleibt das GroKo-Sondierungspapier in diesem Punkt vage.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) tritt für den schnellen Abschied vom Glyphosat in einer möglichen Großen Koalition ein. Dabei soll es schnell gehen: "Der schrittweise und systematische Ausstieg muss in dieser Wahlperiode beendet sein", sagte Hendricks beim Agrarkongress ihres Bundesministeriums in Berlin. Die Privatanwendung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels solle noch in diesem Jahr verboten werden. In anderen Bereichen, etwa in erosionsgefährdeten Hanglagen, könne es etwas länger dauern.

Ihre Zuversicht begründete Hendricks mit den Sondierungen zwischen Union und SPD, die Anlass zur Erwartung auf eine Wende in der Agrarpolitik gäben: "In diesem Bereich wird es kein 'Weiter so' geben", sagte die Umweltministerin dazu.

Sondierungspapier sieht Ausstieg ohne Zeitplan vor

Tatsächlich hatten sich die Sondierer beim Thema Glyphosat-Ausstieg relativ schnell geeinigt. Das gemeinsame Sondierungspapier legt als Ziel fest, "den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einzuschränken". Allerdings findet sich darin kein Zeitplan, lediglich von einem "so schnell wie möglich" ist die Rede.

Hendricks selbst wertet die Passage als Erfolg: "Ich hatte irgendwo gelesen, die Passage zu Glyphosat sei ein Sieg für Hendricks. Da will ich auch nicht widersprechen", sagte die SPD-Politikerin mit Blick auf einen Artikel im "Handelsblatt". Allerdings bedeute dies keine Niederlage für Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Dieser hatte in der vergangenen Legislaturperiode entgegen interner Absprachen der Bundesregierung für die weitere Zulassung von Glyphosat auf EU-Ebene gestimmt. Sowohl Umweltministerin Hendricks als auch Kanzlerin Merkel waren dagegen und nach Schmidts Abstimmung verärgert gewesen. Im Sondierungspapier heißt es, Union und SPD wollten gemeinsam Alternativen zu dem Unkrautvernichtungsmittel in einem "EU-konformen" rechtlichen Rahmen entwickeln. Dies betonte auch Schmidt auf dem Agrarkongress: "Ganz klar ist: Man kann nicht Glyphosat beenden, wenn keine Alternativen im Pflanzenschutz mehr da sind", sagte er.

WHO hält Glyphosat für wahrscheinlich krebserregend

Glyphosat wird seit 40 Jahren auf Feldern zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. Forscher und Naturschützer machen das Gift für das Insektensterben und den Rückgang der Artenvielfalt in der Natur verantwortlich. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation stuft die Chemikalie als wahrscheinlich krebserregend ein, auch wenn andere Behörden nicht zu diesem Schluss kamen. Der Wirkstoff ist Kernbestandteil im umsatzstarken Mittel Roundup des US-Saatgutriesen Monsanto, den Bayer für mehr als 60 Milliarden Dollar kaufen will.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Januar 2018 um 15:50 Uhr.

Darstellung: